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Gauguin: Impressionisten in der Albertina

09.02.2012 | 18:25 |  BETTINA STEINER (Die Presse)

Hübsch lehrreich zeigt die Impressionisten-Schau in der Wiener Albertina, was die Zeichnung alles kann. Ein paar Entdeckungen gibt es auch auf der rund 200 Werke umfassende Schau.

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Man muss die Albertina immer loben, wenn sie ihren Kernbereich, die Grafik, in den Vordergrund rückt. Denn schließlich ist das Haus vor allem eine „grafische Sammlung“, die einige der grandiosesten Stiche, Zeichnungen und Holzschnitte hütet, die das Abendland zu bieten hat.

Die jüngste, rund 200 Werke umfassende Schau widmet sich der Zeichnung bei den Impressionisten und Postimpressionisten – dort spielt sie eine Sonderrolle, so Hausherr Klaus Albrecht Schröder. Die Zeichnung hat sich emanzipiert. Wo unter freiem Himmel gemalt wird, wo man aus dem Atelier in die freie Natur drängt und dort die Staffelei aufstellt, braucht es keine vorbereitende Skizze mehr. Die Zeichnung verliert ihre „dienende“ Funktion. Wobei es natürlich Ausnahmen gibt: Einige der hübschesten Beispiele in der Ausstellung sind Studien und Skizzen – allen voran einige Arbeiten von Edgar Degas, der bekanntlich nicht nur die Frauen und das Ballett liebte, sondern auch die Rennbahn: Ein hochformatiges Bild auf Karton zeigt vier Jockeys auf ihren Pferden – von hinten. Streng reduziert wirkt diese Arbeit, und weist über den Impressionismus hinaus.

 

Intimer Toulouse-Lautrec

Daneben war Degas aber einer jener Impressionisten, die mit „fertigen“ Zeichnungen, mit Porträts in Pastell und mit Landschafts-Aquarellen gute Geschäfte machten. 40 Prozent aller Arbeiten, die von den Impressionisten in ihren Gemeinschaftsausstellungen gezeigt wurden, waren Arbeiten auf Papier oder Karton, lehrt uns Kurator Christopher Lloyd, der diese Ausstellung auch initiiert hat.

Das ist neu. Und tatsächlich wussten diese Maler die Möglichkeiten von Gouache, Aquarell, Pastell wohl zu nutzen: Renoir wirkt viel leichter und heller. Oder anders herum: Im Vergleich zu den Papier-Arbeiten scheinen seine Gemälde unter der Schwere von Leinwand und Öl sogar manchmal zu leiden. Henri Toulouse-Lautrec gibt sich in den Zeichnungen intimer, zurückhaltender, weniger plakativ. Und Paul Gauguin zeigt bei seinen Südsee-Schönen sogar Mut zum Doppelkinn! In diesen Arbeiten sind die Maler also zuweilen noch waghalsiger als in ihren Gemälden, die ja an sich schon radikal mit den Sehgewohnheiten ihrer Zeit brachen. Wobei der eine oder andere sich – auch das zeigt die Schau – manchmal gerne zum Altmeisterlichen verführen ließ, wenn er etwa zu Rötel, schwarzer und weißer Kreide griff.

Interessant wird es, wenn die Impressionisten, die doch quasi mit Licht und Farbe malten, denen es nicht ums Sein, sondern um den Widerschein der Dinge ging, sich mit Kohle, Tusche oder Bleistift begnügten und in Schwarz-Weiß arbeiteten: Eher kurios ein pointillistisches Werk von Paul Signac: Da sieht man vor lauter Tuschepunkten den Hafen von Marseille nicht mehr. Ganz anders sein Kollege Georges Seurat, der mit Conté-Stift „Lichtstrahlen“ abzubilden verstand – und wirklich verstand! Allein für dieses kleine Bild lohnt sich der Besuch der Ausstellung. Wie da aus dem Schwarz das Licht bricht!

Daneben gibt es einige hübsche Experimente, die Monet mit Pastellfarben anstellte, man darf sich wundern, wie etwa die Verwendung von Tusche den so malerischen Camille Pissarro plötzlich zu Konturen zwingt, man sieht viel Heiteres, Leichtes, wie etwa ein flott hingefetztes Selbstporträt von Toulouse-Lautrec, der hinter der Zeitung hervorlugt. Und dann übersehe man nicht ein paar grandiose Gruseligkeiten von Odilon Redon!
„Impressionismus: Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen“, bis 13.Mai, täglich 10 bis 18Uhr, Mittwoch bis 21Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)

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