Kunst kaufen in Schule und Museum

Kunstmarkt in Wien: In einer alten Schule kann man junge Kunst aus dem Programm vom Kunstverein »Weißes Haus« erwerben. Im Leopold-Museum geht die klassische Kunstmesse »Art Austria« an den Start.

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(c) APA (HANS KLAUS TECHT)

Allein für die Gabe, die coolsten in Wien brachliegenden Gebäude für ihre Ausstellungen zu finden, muss man dem Kunstverein „Das weiße Haus“ einmal Respekt zollen. Zurzeit hat die vazierende Wiener Off-Institution eine alte Schule zwischen Funkhaus und Karlsplatz besetzt, und zwar mit ihrer ersten offensiven Verkaufsausstellung. Was in anderen Kunstvereinen die „Jahresgabe“ ist, kann man sich hier auf vier Stockwerken selbst aussuchen, keinen Ab-Hof-, sondern einen „Ab-Haus-Verkauf“ nennt Leiterin Alexandra Grausam das zu Recht.

Sie hat die Künstler des Programms der letzten vier Jahre eingeladen, Werke anzubieten, zu teils recht fantastischen, teils sehr vernünftigen Preisen von 15 bis 5000 Euro. Die Hängung ist noch dazu schön, die Vielfalt enorm, sie reicht von einer stattlichen Rakete im Hof von Rainer Prohaska bis zur poetischen Schriftcollage von Veronika Schubert. Die Hälfte des Erlöses geht an den Künstler, die Künstlerin, die andere Hälfte an den Organisator.

Damit will Grausam die schwierige Finanzierung von Kunstvereinen thematisieren, die jedoch als Ausstellungsmöglichkeit für eine noch junge, nicht etablierte Kunstszene essenziell sind. In Deutschland steht eine traditionell starke, kunstinteressierte Bürgerschaft hinter diesen Häusern. In Österreich gibt es dafür weniger Verständnis und dadurch auch weniger Unterstützung. „Wir haben heuer einige Förderungen verloren“, erzählt Grausam. Dafür hat sie etwa mit der Erste Bank einen Sponsor aus der Privatwirtschaft im Rücken. Das Glück hat der kleine Kunstverein „Coco“ nicht, vor allem aber kein Dach mehr über dem Kopf: Nach 60 Tagen intensivem Abschiedsprogramm hat der seit 2009 am Bauernmarkt residierende kleine, feine Kunstverein geschlossen. „Coco“ wird „auf Projektbasis weitergeführt“, steht auf der Homepage. Schade, diese kleinen Vereine – nicht Galerie, nicht Kunsthalle – sind sicher die beste und niederschwelligste Möglichkeit, vielversprechende Kunst aus Österreich und dem Ausland kennenzulernen.

Art Austria im Leopold-Museum. Die konservative Version der heimischen Künstlervermarktung, die „Art Austria“ mit 48 Galerien und Händlern, beginnt diese Woche. Bereits zum fünften Mal, wobei das anfängliche Konzept ziemlich aufgeweicht wurde: Fing man doch damit an, den Galerien nicht nur die Nationalität der Künstler, sondern auch das Entstehungsdatum der Werke vorzuschreiben: Von 1920 bis 1980 reichte die Spanne, die eine sehr spezielle Phase österreichischer Kunst umschreibt – weder Klimt und Schiele noch zeitgenössische Höhenflieger durften an den Start.

Das hat sich allerdings bald geändert, wie auch der Ort. Vom Zeltlager im Museumsquartier stieg man in die Sphären des Leopold-Museums auf. Und auch die Zeitschranke fiel, erlaubt ist alles vom 19.Jahrhundert bis in die Gegenwart. Jetzt kann etwa ein Schiele-Blatt ein Stockwerk unterhalb des musealisierten Schieles erworben werden. Diese Parallelitäten illustrieren recht eindrücklich, wie verwoben Kunstmarkt und Institutionen heute agieren. Und immer schon agiert haben.

Daten

Art Austria
Leopold-Museum, Museumsquartier,
9. bis 13. Mai,
Mi bis So 10–18h, Do 10–21h, Eintritt: 12 Euro

Das Weiße Haus
Satellit: Argentinierstraße 11, Innenhof rechts, Wien 4,
Mo–F: 15–20h,
Sa, So: 13–18h

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2012)

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