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„Der Frühling der Künste“: Morddrohungen gegen Künstler

18.06.2012 | 17:56 |   (Die Presse)

Nach einer Ausstellung in Tunesien werden Künstler bedroht, ihre Werke wurden zerstört. Kulturminister Mehdi Mabrouk zeigte zunächst Verständnis für die Radikalen, die künstlerische Freiheit habe Grenzen.

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Wo sich der Künstler Mohamed Ben Slama zur Zeit aufhält, weiß niemand so genau. Seine Nummer hat er gewechselt, sein Facebook-Account ist gesperrt. Er ist nicht der einzige Künstler, der nach gewalttätigen Protesten untergetaucht ist. „Frühling der Künste“ hieß die Ausstellung im Abdellia-Palast in La Marsa bei Tunis. Etliche Werke hatten die Vielfalt der Religionen in Tunesien und die Chance auf deren friedliches Zusammenleben zum Thema. Für besonderes Aufsehen sorgte Ben Slamas Installation, in der Ameisen das Wort „Subhan'Allah“ („Allah ist von allen Übeln befreit“) bilden. Aber auch Faten Gaddes Werk „The Ring“ wurde während der Proteste verbrannt: Die Installation zeigt das Gesicht der Künstlerin auf Boxsäcken, in ihren Pupillen ist einmal ein Halbmond, dann ein Judenstern und ein christliches Kreuz zu sehen.

Nach der Abschlussveranstaltung waren Unbekannte in den Palast eingedrungen und hatten die Mauern des Museums mit Parolen wie „Allahu Akbar“ und „Ungläubige haben hier keinen Platz“ beschmiert, auch einige Bilder wurden zerstört. In der Nacht darauf stürmten etwa 200 Salafisten den Palast, legten Feuer und verbrannten einen Großteil der „blasphemischen“ Werke. Bei Zusammenstößen mit der Polizei im gesamten Land kam ein Mann ums Leben, 162 wurden festgenommen, etwa hundert verletzt, darunter 65 Polizisten. Ein Gerichtsgebäude wurde in Brand gesteckt, mehrere Polizeistationen wurden angegriffen. Wer hinter den Angriffen steckt, ist unklar, die radikale salafistische Bewegung Ansar al-Scharia bestritt jede Verwicklung. Zugleich rief sie nach dem Freitagsgebet alle Tunesier zu Protesten gegen Verunglimpfungen der Religion auf, der radikale Imam Abou Ayoub forderte gar einen „Aufstand“ auf Facebook. Und der Imam der renommierten Ez-Zitouna-Moschee in Tunis rief dazu auf, alle Künstler der Ausstellung zu ermorden. Einige von ihnen erhielten Morddrohungen über Anrufe und SMS, auf Facebook kursieren die Fotos und Namen der Künstler. Man wisse, wo sie wohnen, wurde ihnen mitgeteilt, man werde ihnen die Kehle durchschneiden oder sie mit Benzin übergießen und anzünden.

Minister: „Kunst muss schön sein“

Kulturminister Mehdi Mabrouk signalisierte Verständnis für die Radikalen, die künstlerische Freiheit habe Grenzen: „Kunst muss schön sein, aber nicht revolutionär“, sagte er der französischen Zeitung „Le Figaro“ und kündigte an, die Organisatoren der Ausstellung wegen „Verletzung heiliger Werte“ anklagen zu wollen. Erst nachdem bekannte tunesische Künstler seinen Rücktritt forderten, verurteilte Mabrouk die Hetzjagd. Präsident Moncef Marzouki äußerte sich erst am Samstag zu den Vorfällen, er sprach sich für künstlerische Freiheit aus. Ob es nun zu einer Anklage gegen die Künstler kommen wird, ist noch nicht klar. sig

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1 Kommentare
Gast: Konservativer
18.06.2012 22:14
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Die Religion des Friedens.