Wurm-Pathos

Was hat sich Erwin Wurm nur gedacht, als er diesen Hochglanz-LKW hochkant vor den Biennale-Pavillon stellte?

Was hat sich Erwin Wurm nur gedacht, als er diesen Hochglanz-LKW hochkant vor den Biennale-Pavillon stellte? Als begehbare touristische Attraktion, als Aussichtsturm? Gesponsert vom Imperium des russischen Oligarchen Oleg Deripaska. Oben dann das Schild: Stillstehen und aufs Mittelmeer schauen.

Das kann nur etwas mit der Flüchtlingskrise zu tun haben, war die häufigste Assoziation, die man dazu hörte. Auch wenn die Flüchtingskrise bei Wurm noch nie vorgekommen ist, zumindest nicht vordergründig. Er beschäftigt sich sonst vor allem mit dem Selbstbild, dem eigenen und österreichischen, den Erfahrungen in der Kindheit, Fragen der Bedeutung, des Volumens oder eben allem zusammen, wie zur Zeit im Leopold Museum zu sehen ist, im Narrow House, dem klaustrophobisch verengten Elternhaus aus Bruck an der Mur.

Und jetzt also Migration. Ohne Witz. Mit einem nagelneuen LKW aus Russland. Ok. Er meint das anscheinend ernst. Wie man das bei Biennalen gerne tut plötzlich. Pathos-Alarm. Aber ganz abnehmen will man ihm das nicht. In einem Interview mit dem "Kurier" sagt er erstens, dass der verwehrte Ausblick aufs Mittelmeer ein Zufall war. Und dass Assoziationen mit dem Berliner Terroranschlägen und dem Tod der Flüchtlinge im Kühllastwagen nicht beabsichtigt waren. Es gehe ihm eher um den LKW als neutrales Transportmittel. Auch nicht zu rechnen war mit der spektakulären Aufstellung von drei ausrangierten Linienbussen in Dresden (und ab November in Berlin) vom syrisch-deutschen Künstler Manaf Halbouni. Tja. Da kam die Geschichte einem überzeugenden Biennale-Beitrag wohl dazwischen.

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