Die "documenta 14" in einem Wort: Nein

Diese Kunst wird uns nicht aus unseren Krisen reißen. Sie ist die Kunst gewordene "Sakaralisierung von Diskriminierungserfahrungen".

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Nach drei Tagen „documenta 14“ kann man schon depressiv-pathetisch werden: Morte, Arte, Morte. Zu unserer verunsichernden Aussetzung in dieser hier zelebrierten Unsicherheit unser aller aktueller Weltbilder – am Frideriacianum steht passend dazu: „Being safe is scary“ - passt auch das unsichere Wetter hier zur Eröffnung, Regen, Sonne, Kälte, Wärme wechseln im Minutentakt. Man muss sagen, documenta-Leiter Adam Szymczyk (*1970) hat sich dieses Eröffnungswetter redlich verdient, wahrscheinlich ja sogar gewünscht. Kam die Venedig-Biennale mit ihrem Motto: „Viva, Arte, Viva“ allzu unbeschwert und kunterbunt und strickend und häkelnd daher, grundeln wir in Kassel in apokalyptischen Welten herum, aus denen diese Kunst uns nicht rausreißen wird. „Entlernen“ sollen wir all unser Wissen, alle unsere Vorurteile – aber auch unsere Hoffnungen, verkündet der polnische Kurator, aus dessen gesamter Körperhaltung, Gestik, Kommunikation das „Nein“ zu allem und jedem nur so trieft. Nein zum Markt, nein zum Neoliberalismus, nein zum Event, nein zum Spektakel, nein zu Interpretationen, nein zu Nationalitäten, nein zu erklärenden Beschriftungen bei den ausgestellten Kunstwerken.

Die Hoffnung in die Kunst müssen wir hier als erstes abschreiben anscheinend. Eskapistisches wird man hier nicht finden, auch wenn man alle fast 40 Orte in Kassel abklappert. Wenn man ein weißer Cis-Mensch, geboren und aufgewachsen in Mitteleuropa ist, wird man schuldig aus dieser Ansammlung der Anklagen, gesammelt in der ganzen Welt, herausgehen. (Cis-, das Gegenteil von Trans-(sexuell) übrigens.)

Die „Sakralisierung von Diskriminierungserfahrungen“, wie sie gerade in deutschen Medien kritisch diskutiert wird, ist hier Kunst geworden.

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