Was ist das Wichtigste an einem Politthriller? Dass die beschriebene Szene authentisch wirkt und sich im Idealfall an den realen Machtverhältnissen orientiert. Wenn also in den US-Thrillern ständig okkulte Kapuzenverschwörer den CIA, den Kongress sowie alle anderen infiltriert haben und der Präsident ohnehin längst nur eine Marionette ist, wird es sehr langweilig. Gut recherchierte, plastisch geschilderte Thriller sind die Ausnahme: „Das Kabul-Komplott“ des französischen Autors Cédric Bannel ist so eine spannende Ausnahmelektüre. Osama Kandar, ehemaliger Mujahed und Nordfrontkämpfer, ist Chef der Kabuler Mordkommission und ermittelt im angeblichen Selbstmord eines reichen Geschäftsmannes, der international tätig war. Der Innenminister versucht, Kandar auszubremsen. Ohne Erfolg. Kandar erkennt den Mord, gegen ihn und seine Männer kämpft ein einflussreicher internationaler Nachrichtendienst mit CIA-Nähe, der auch vor Attentaten nicht zurückschreckt.
Zeitgleich setzt sich ein Analyst des Dienstes von der Zentrale in Zürich ab, ermittelt auf eigene Faust und taucht in Kabul auf. Gemeinsam jagt man nach einer CD mit Informationen, die für Unternehmen, Staaten und Politiker unangenehm würden.
Die Schilderungen der afghanischen Politik sind interessant, lesenswert. Nicht zuletzt aufgrund der Korruption der Regierung Karzai sei die Machtübernahme gemäßigter Taliban – unter stiller US-Duldung – nur noch eine Frage der Zeit. no
Cédric Bannel: „Das Kabul-Komplott“, übersetzt von Olaf M. Roth, Rütten & Loening, 479 S., 17,50 €.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2012)
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