Der weltberühmte Grazer Arnold Schwarzenegger feiert am 30. Juli seinen 65. Geburtstag, passend zum Jubiläum seiner Jahresringe erscheint ein neues Buch über ihn. Der deutsche Kunstwissenschaftler Jörg Scheller hat es geschrieben. Zentral für das Werk "Arnold Schwarzenegger oder Die Kunst ein Leben zu stemmen" ist allerdings nicht das Private, sondern das bisher geschaffene Lebenswerk des Bodybuilders, Schauspielers und Politikers. Scheller analysiert die zahlreichen Facetten, die das Phänomen Schwarzenegger ausmachen. Er will damit beweisen, dass "Arnie" bisher zu Unrecht von der intellektuellen Welt verschmäht wurde und durchaus Stoff für einen wissenschaftlichen Diskurs bietet.
Humorvoll geschriebene Dissertation
Aufgebaut ist das Buch nicht chronologisch, sondern thematisch: Das Image Schwarzeneggers wird in die Bereiche "Kunst", "Mythos", "Macht" und "Vita" zerlegt, um dann ausführlich erörtert zu werden. Als Quelle jeglicher Abhandlungen zieht Scheller in seiner humorvoll geschriebenen Dissertation, die dem Buch zugrunde liegt, nur bisher veröffentlichtes Material heran.
Anhand von Fotos aus verschiedenen Lebensphasen, Actionfilmen, Biografien (darunter auch Schwarzeneggers Autobiografie), diversen Artikeln und zahlreichen Videoclips arbeitet der Autor in seinem 250-seitigen Werk zentrale Fragen zu Schwarzeneggers Selbstinszenierung, dem ihn umgebenden Mythos und den begünstigenden Begleitumständen für dessen Karriere ab.
Egoismus, Kälte und Zielstrebigkeit
Kernelemente der Person Schwarzenegger machen laut Scheller u.a. Egoismus, Kälte, Zielstrebigkeit, strategisches Denken und unerschütterliches Selbstbewusstsein aus: "Seine vorteilhafte Unfähigkeit, an sich selbst zu zweifeln, und nicht zuletzt eine gehörige Portion Rücksichtslosigkeit zählen sicherlich zu den Voraussetzungen seiner Karriere." Hin- und hergerissen zwischen Ablehnung und Bewunderung für den Protagonisten gelingt dem Autor der Spannungsbogen: Dabei steht er der Person Schwarzenegger liebevoll kritisch gegenüber und findet, dass dieser "fraglos ein Künstler, einer der unerbittlichsten Selbstbildhauer unserer Zeit" sei - den Ton dazu kaufe er allerdings "fertig abgepackt".
Unterhaltender Lehrwert
Ironische Kommentare vonseiten des Autors, die oftmals sehr hart ausfallen, überraschen immer wieder und lassen den Leser auflachen. So schreibt Scheller über den jungen Bodybuilder beispielsweise: "Er führte seinen Bizeps aus wie andere ihren Pudel."
Außer Frage steht, dass das Buch neben seinem wissenschaftlichen Lehrwert auch einen beachtlichen Unterhaltungswert hat. Zum Beispiel als sich Scheller auf die Autobiografie Barbara Bakers bezieht und lautmalerisch akkurat zitiert, wie Schwarzenegger damals ihr Herz gewinnen konnte: "You ahre so sayksie, I mus ahsk you owet on a date."
Kant, Hegel und Foucault
Allerdings bleibt zu beachten, dass es sich dabei trotz des Themas immer noch um eine geisteswissenschaftliche Arbeit handelt. Das Buch ist also nach den Regeln der Wissenschaft aufgebaut: mit einem Kapitel zur Methodik und viel theoretischem Wissen, das Scheller in seine Arbeit kunstvoll einwebt. Wem allerdings die Passagen mit Kant, Hegel und Foucault zu langatmig sind, kann diese im schlimmsten Fall auch überblättern - das Buch bleibt in jedem Fall lesenswert.
(APA)
Schwarzenegger wird 65: Predator, Gouvernator, ''Sperminator''

Filmstarts der WocheMysteriöse Millionäre, Tanzende Teufel
''The Great Gatsby''Vom Scheitern eines Spektakels
Inge Morath''Menschen'' in der Galerie Leica
Ballett im BerghainKlassischer Tanz erobert den besten Club Berlins