In den Wirren des Kriegswinters 1945 schlägt sich der junge Deutsch-Tscheche Honsa Kralik durch das verschneite Deutschland in seine Heimatstadt Prag durch. Der Sohn eines Steinmetz versucht so, einer Einberufung zur deutschen Wehrmacht zu entkommen. Dass mit Honsa Kralik jedoch einiges nicht stimmen kann, wird bereits in den ersten Zeilen des Krimis klar. Warum verhalten sich die Eltern ihrem Sohn gegenüber so abweisend? Warum muss er im Stall übernachten, wenn er gegen Regeln von Vater und Mutter verstößt, die sie jedoch nie ausgesprochen haben? Die Reise in die Stadt seiner Vorfahren wird zugleich zur Reise in die Vergangenheit der Kraliks, die den Schlüssel zur Gegenwart birgt.
Mit „Kinder des Bösen“ ist dem Deutschen Jan Hellstern ein spannender, dicht erzählter Debütroman gelungen, der sich in keine eindeutige Schublade stecken lässt. Er reiht sich in die Tradition der fantastischen Prager Romane eines Gustav Meyrink oder Leo Perutz ein. Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen. Dem Offensichtlichen liegt Düsteres und Magisches zugrunde.
So stößt Honsa in Prag auf einen alten Forensiker, der mehr über ihn zu wissen scheint, als er zugibt. Er begleitet und leitet den jungen Mann auf seiner Reise in die dunkle Familiengeschichte an – bis Honsa selbst dahinterkommt, dass er Teil einer schrecklichen Wahrheit ist. Das Schöne an so viel tragischem Schicksal: Auch Unglücksvögeln wie diesem Honsa kann eine rosige Zukunft winken.
Jan Hellstern: „Kinder des Bösen“, Kein & Aber, 336 Seiten, 20,50 Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2012)
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