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"Unsexy blättern": Clemens Setz las vom iPad

24.08.2012 | 12:13 |   (DiePresse.com)

Der Autor las im Museumsquartier vom iPad und erzählte außertourliche Geschichten. Setz' Roman "Indigo" ist für den Deutschen Buchpreis nominiert.

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"Ein Buch, dass sich beim Umblättern aufhängen kann, ist eigentlich ein Sakrileg. Ich hasse Autoren, die aus iPads lesen", erklärte Clemens J. Setz gestern, Donnerstag, Abend, bei seiner Lesung im Zuge der Reihe O-Töne im Wiener Museumsquartier. Da sein neues Buch "Indigo" jedoch gerade frisch aus der Druckpresse kommt und alle Lesezeichen am iPad liegen, tat er es dann doch: Vor mehr als gut gefüllten Besucherreihen blätterte Setz "unsexy" auf seinem iPad.

Zur Wiedergutmachung hatte er nicht nur einige wenige druckfrische Exemplare des Romans für das Publikum, sondern auch jede Menge außertourliche Geschichten im Gepäck. Denn "wenn man nur aus dem Buch vorliest und Sie kaufen das Buch dann, dann haben sie ja keinen Mehrwert aus der Lesung. Wobei, Sie sehen mich jetzt eine Stunde an, aber naja...", scherzte der soeben auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis nominierte Autor.

"Indigo", ein loser Packen Papier

"In der Vorstellung klang das jetzt wie irre Science-Fiction, das ist mir gar nicht aufgefallen", stellte Setz noch vorne weg fest. Irre Science-Fiction heißt in diesem Fall die Geschichte mehrerer sogenannter "Indigo-Kinder", deren Aura es anderen Menschen unerträglich macht, sich in ihrer Gegenwart aufzuhalten. In seiner Einleitung beschrieb der Germanist Klaus Kastberger das Buch als "losen Packen Papier", eine Sammlung unterschiedlichster Schriftstücke und Dokumente, die durch Clemens Setz - als Autor und Protagonist in Personalunion - zusammengehalten werden.

Jedes Buch ist eine Ersatzhandlung

Und dann die Lesung: Passagen, die keinen oder wenig Kontext brauchen, damit Setz sein "kompliziertes Buch" nicht vorher nacherzählen muss. Aber erzählen wollte er trotzdem. Denn jedes Buch sei eine Ersatzhandlung. "Es ist ein Mausoleum für etwas, was in ihm begraben ist. Man schreibt ein ganzes Buch, um eine Geschichte einzufrieden, die dann gar nicht darin vorkommt." Es sind Geschichten über aussterbende Sprachen und Tabus, die nicht gebrochen werden, obwohl niemand mehr da ist, der das ahnden könnte, über eine tickende Uhr, die sich nur durch eingesperrte Heuschrecken erklären lässt und den Lebensmut von jahrelang gefolterten Menschenaffen in einem gefängnisähnlichen Affen-Altersheim.

"'Indigo' handelt im Geheimen fast nur von Tieren", beschloss Setz seine Lese- und Erzählstunde schließlich. Aber diese würden so schlechte Protagonisten abgeben. Kein Wunder also, dass der Autor all jenen, die doch schon ein Exemplar bekommen haben, gemalte Tiere statt Autogramme versprach. "Indigo" ist der dritte Roman von Clemens J. Setz, offiziell erscheint er am 10. September. Nächste Woche wird Wolf Haas mit "Die Verteidigung der Missionarsstellung" die letzte der O-Töne-Lesungen bestreiten.

Lesetipp
Clemens J. Setz: "Indigo", Suhrkamp, ISBN : 978-3-518-42324-0, 497 Seiten, 23,60 Euro

(APA)

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1 Kommentare
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IPad =/= E-Reader

Vom iPad würde ich auch nicht lesen wollen. Von einem richtigen eReader, der die Augen nicht ermüdet, jedoch schon.