Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat gegen die bevorstehende Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises an die US-amerikanische Philosophin Judith Butler protestiert. Es sei empörend, dass ausgerechnet jemand geehrt werde, der zum Boykott gegen Israel aufrufe und Organisationen wie Hamas und Hisbollah als legitime soziale Bewegungen bezeichne, erklärte Generalsekretär Stephan J. Kramer am Montag in Berlin. Die 56-jährige US-Autorin soll den Preis am 11. September in der Frankfurter Paulskirche entgegennehmen.
Die jüdische Philosophin, die an der University of California in Berkeley lehrt, unterstützt die Boykottbewegung, die gegen die Besetzung der palästinensischen Gebiete durch Israel protestiert. "Eine bekennende Israel-Hasserin mit einem Preis auszuzeichnen, der nach dem großen, von den Nazis als "Halbjude" in die Emigration gezwungenen Philosophen benannt wurde, kann nicht als bloßer Fehlgriff gelten", erklärte Kramer. "Nur ein Kuratorium, dem die für seine Aufgabe erforderliche moralische Festigkeit fehlt, konnte Butlers Beitrag zur Philosophie formvollendet von ihrer moralischen Verderbtheit trennen."
Judith Butler hatte in einem Interview mit der Wochenzeitung "jungle world" erklärt, ihre angebliche Unterstützung für Hamas und Hisbollah sei "schrecklich" missverstanden worden. Sie habe damit auf eine Frage hin die beiden Organisationen lediglich im politischen Spektrum einordnen wollen. Sie lehne jede Form von Gewalt ab.
Der mit 50.000 Euro dotierte Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt wird seit 1977 vergeben. Das Kuratorium hatte Butler als "eine der maßgeblichen Denkerinnen unserer Zeit" gewürdigt. Bislang erhielten unter anderen Norbert Elias, Jürgen Habermas, der Komponist György Ligeti und zuletzt 2009 der Filmemacher und Philosoph Alexander Kluge den Preis. Dem diesjährigen Kuratorium des Preises gehörten unter anderem die österreichische Schriftstellerin Marlene Streeruwitz und der Philosoph Rainer Forst an.
(APA)
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