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Fritzl-Buchautor: „Die Natur österreichischer Frauen“

25.09.2012 | 17:25 |  von MANFRED SEEH (Die Presse)

Der französische Autor des Romans „Claustria“, Régis Jauffret, trat am Montagabend Wiener im Rabenhof-Theater auf. Er und Burg-Star Nicholas Ofczarek lasen aus dem Buch.

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Das Leitthema (gut oder weniger gut) recherchiert, die Handlung – eine Fiktion. In dieser Kombination kommt so mancher Roman daher. So weit, so kalkulierbar. Régis Jauffret verwirrt, weil er vermischt: Sein Roman „Claustria“ (Verlag „Lessingstraße 6“), aus dem Montagabend Burg-Star Nicholas Ofczarek im Wiener Rabenhof-Theater vorlas, handelt vom Fall Fritzl, von den im Keller eingesperrten Kindern, von Amstetten, vom Krieg, der russischen Besatzung. Von Österreich an sich.

Doch inwieweit der Roman des französischen Autors tatsächlich Fiktion, ja reine Fantasie ist, wie es im Vorspann heißt, und inwieweit ernst zu nehmende Recherchen des Autors drinnen stecken – und auch ernst genommen werden wollen, blieb Montagabend auch nach einer Publikumsfragestunde unklar.

Echte Erregung wollte sich jedenfalls nicht einstellen. Zu eilig schlüpfte der Autor bei heiklen Fragen hinter den unantastbaren Schutzwall eines frei schreibenden Romanciers. Das kräftigste Raunen ging durch das Auditorium, als Jauffret meinte, die Rolle, das „Wesen“ der Ehefrau von Josef Fritzl (dieser sitzt übrigens in der niederösterreichischen Haftanstalt Stein eine lebenslange Freiheitsstrafe ab) sei von Österreichs Behörden deshalb nicht durchleuchtet worden, da dies bedeutet hätte, „die Natur der österreichischen Frauen“ infrage zu stellen. Ein diffamierendes Pauschalurteil – bedenkt man, dass eben diese Ehefrau im Buch als devote Komplizin des Unmenschen Fritzl hingestellt wird. Apropos österreichisch: Typisch sei auch der Inzest. Typisch für Österreich, vergleichsweise untypisch für Frankreich. Wieder ein Raunen. Gefolgt von einer nicht überzeugenden Begründung: Inzest sei in Österreich mit maximal drei Jahren Haft bedroht, in Frankreich gebe es dafür weit strengere Strafen.

Waren die Wände im (echten) Fritzl-Keller in Amstetten schalldicht? Nein, sagt Jauffret. Alle Mieter im Haus hätten also das verzweifelte Klopfen, ja sogar Geräusche im Haushalt (Mixer, Waschmaschine) hören müssen. Darauf beharrt der 1955 in Marseille geborene Schriftsteller. Dies sei nun keine Fiktion mehr. Leider aber hätten Fritzls Mieter nicht reden wollen, als er, Jauffret, den Versuch unternommen habe, mehr herauszufinden. Er sei zweimal jeweils zehn Tage in Österreich gewesen. Österreich-Kenner sei er keiner.

Skurril: Zu Beginn des Abends scherzte Ofczarek, derzeit als Discobesitzer von „Braunschlag“ in der gleichnamigen TV-Serie zu sehen, im Dialog mit dem Moderator, dem Österreich-Korrespondenten der Neuen Zürcher Zeitung, Charles E. Ritterbrand: Ob das Buch auch schon auf Schweizer Deutsch erschienen sei – und wenn ja, würde das Vorlesen in dieser Sprache die Österreicher vielleicht noch mehr aufregen. Die Frage wurde dem Autor vom durchwegs cool bleibenden „Dolmetscher“ Ritterbrand nicht übersetzt, sodass dem abwechselnden Vorlesen – einmal Ofczarek auf Deutsch, einmal Jauffret auf Französisch – nichts im Weg stand. Nach dieser Übung (in Ofczareks Vortrag schlich sich der eine oder andere Versprecher) folgten Erklärungen von Jauffret, vorgetragen wieder in dessen Muttersprache, von Ritterbrand aber nur resümierend übersetzt, wodurch nicht französisch sprechende Zuseher Probleme hatten.

So viel wurde dennoch (wenngleich wahllos) transportiert: Viele Frauen von Amstetten seien seinerzeit von russischen Besatzern vergewaltigt worden. Dies las Ofczarek vor, dies sagte dann auch der Autor. Das Monster, wie Josef Fritzl bezeichnet wurde, habe erst in einem kalten, vom Krieg zerfressenen Umfeld zu einem solchen werden können. Kamen sie nun, die Nazi-Vorwürfe? Mitnichten. Jauffret beruhigte: „Wenn ich glauben würde, Österreich sei ein Naziland, wäre ich nicht hergekommen.“

Schlussendlich wusste niemand mehr, was denn nun dem Roman und was dem Meinungsschatz des Autors entstammte. Und einer Stelle schien die Veranstaltung von Anfang an nicht ganz geheuer gewesen zu sein: der österreichischen Polizei. Eine Handvoll Beamte sicherte vorsorglich den Eingangsbereich des Theaters. Ganz wie willkommene Statisten. Das war auch Ritterbrand nicht entgangen, dem Publikum verkündete er, die Polizeipräsenz gebe dem Ganzen eine dramatische Note. Zu echter Dramatik reichte es an dem Abend nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2012)

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18 Kommentare
Gast: ggggggggg
26.09.2012 13:17
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Aha ja, diePresse zensuriert wieder mal, was das Zeug hält.

Man darf also in derPresse diesen Jauffret nicht als lächerlichen Wicht bezeichnen, sein Machwerk nicht als dumm, primitiv, spekulativ und letztklassig, nicht als literarischen Schund, als Pornografie, seine ungeheuerliche, pauschale Diffamierung der österreichischen Frauen als entlarvenden Schwachsinn, der nach unten keinen Raum mehr läßt.... was passt derPresse daran nicht? Darf man keine derart negative Meinung über diesen Affen haben?´(Der ´Affe´ ist ja immerhin durch die Zensur gekommen, s.u. - also was ist da los? DiePresse ist immerhin keine ganz private Zeitung, sie bekommt ja ordentlich Steuergeld, hat als da doch eine besondere Verantwortung gegenüber der Meinungsfreiheit. Ich bitte um Aufklärung, WAS nun konkret an meinem Kommentar nicht für eine Veröffentlichung in derPresse geeignet ist. Ich hab schon weit schärfere Kommentare gelesen.)

Ok - ich hab noch gepostet, dass man dieses ´Nichts´ (damit hab ich die gesamte Angelegenheit gemeint - Berichte, Lesung (!), Kommentare....) möglichst abhaken soll. Weder Jauffret noch sein Machwerk sind der geringsten Aufmerksamkeit wert (aus meiner Sicht!). Ist es das, was derPresse zu viel ist?

Ganz abgesehen davon: in anderen Ländern gibt es ja weder Verbrechen noch Behörden die Fehler machen, NEIN!! Z.B. Deutschland (Verfassungschutz!) Frankreich, Italien, Spanien, England, USA, usw.usw..... keinerlei Skandale, nö! In welcher Welt lebt jemand, der EIN Land zum Hort des Bösen und unfähiger Behörden hochfantasiert. Irre!

"frau fritzl steht für die natur der österreichischen frau"


allein der ausdruck "die natur der österreichischen frau" zeugt vom geistigen zustand des autors.
dass er diese - selbstredend imaginäre - natur gleichsetzt mit frau fritzl will ich mit keinem kommentar würdigen.

für mich interessant ist lediglich: wieso wird diesem wichtigtuerischen crètin in österreich eine bühne gegeben und warum gibt sich herr ofczarek für so etwas her ?!!

Antworten Gast: ggggggg
26.09.2012 13:23
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Re: "frau fritzl steht für die natur der österreichischen frau"

Bin genau Ihrer Meinung, hab auch Ähnliches gepostet - wurde aber zensuriert. Dabei hab ich den Begriff ´cretin´ - der sehr treffend ist - gar nicht verwendet. Da kenne sich einer aus. Jedenfalls: danke für Ihr posting, ´Cretin´ hätt ich nicht gewagt zu schreiben, spricht mir aber - wie gesagt - aus der Seele. Ebenso hab auch ich mich gefragt, warum sich Ofczarek - den ich für einen der besten deutschsprachigen Schauspieler halte, derzeit - sich für derlei unfaßbaren Schund mißbrauchen läßt.

Gast: Hofrat Dr. Österreicher
26.09.2012 12:20
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tief ins Herzen der

guten, alten österreichischen Seele !

Wir sind die Besten, wir sind einmalig !

Wir haben 2 Weltkriege verursacht, mehr gibt es (noch) nicht.

Also was er über die Natur der österreichischen Frau schreibt,

ist nicht wirklich ganz unwahr. Mir kann wirklich niemand erzählen, dass die von dem allen nichts mitbekommen hat.
Aber im Matriachat Österreich ist stets der Mann hauptschuldig.

Re: Also was er über die Natur der österreichischen Frau schreibt,

...und wo ist ihrer ansicht nach der zusammenhang zwischen frau fritzl und "der natur der österreichischen frau", abgesehen davon dass alleine der ausdruck "natur der österreichischen frau" an dummheit und chauvinismus nicht zu überbieten ist ?!!

Gast: NocheinGast
26.09.2012 10:52
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Mit irgendetwas muß ja der Kerl auch sein Geld verdienen.....


Gast: silberwald
26.09.2012 07:05
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Natuerlich

Na, wenn er sich so gut auskennt, dann wuesste ich aber schon gerne, was die Natur der deutschen, der liechtensteiner, der schweizer und natuerlich der franzoesichen Frau ist ....

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Also ich habe das Buch bereits gelesen und man wünscht sich doch dass alles "Fiktion" wäre, leider stimmt zu 99% was er schreibt! Die Österreichische Seele kann schon "twisted" sein, doch wir sollten von Verallgemeinerungen ABstand nehmen, nicht ALLE sind so krank, nicht ALLE sind so pervers, nicht ALLE sind so monströs veranlagt! Nicht alle, aber viiiiiele... das kann man schon so belassen! ;-)

Über seine "Theorien", eigentlich er versucht anhand von "Logik", seiner Logik Dinge zu rechtfertigen, die eigentlich kaum zu rechtfertigen sind. Ja, die Behörde hat in Österreich ein richtiges Problem. Die Polizei, die Ermittler, das ganze System stinkt bis zum Himmel, und das hat mit dem JF wenig zu tun, sondern mit den alt-verkrümmten korrupten Strukturen dieses kleinen Märchenlandes, voller UNschuldslämmchen, und voller "ned mei Bier" Gestalten!!!
Dass Akten verschwinden, Ermittlungen "abgedreht" werden, UNschuldige fertig gemacht werden, Angehörige "nix" wissen oder gehört haben wollen, usw. Das gehört zum österreichischen Alltag könnte man hier ruhig meinen! ;-)

Zusammenfassung

Ein voreingenommener Autor perverser Bücher aus Marseille (Drogenstatt) der vor dem Fall Fritzl noch nie eine Bekanntschaft mit Österreich gemacht hat und auf Grunf seiner Recherge zu einem Verbrechen in einem Buch über die ganze Bevölkerung urteilt. .... Kunst??????

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oehm... der autor irrt (bewusst?)

inzest war in Frankreich 200 Jahre straffrei, bis vor 2 Jahren...
und auch das neue Gesetz betrifft nur Kinder. d.h., bei volljaehrigen bleibt es weiterhin legal... im umkehrschluss wäre fritzl in Frankreich für den inzest per se gar nicht angeklagt worden!

Re: oehm... der autor irrt (bewusst?)

Völlig richtig. Überdies kommen in solchen Fällen noch andere, wesentlich strengere Bestimmungen zur Anwendung, z. B. "Schwerer sexueller Mißbrauch von Unmündigen" gem. § 206 StGB mit zehnjähriger Strafdrohung. Der Herr hat offensichtlich nichts recherchiert und masst sich dafür weitreichende Urteile an.

2 0

Re: oehm... der autor irrt (bewusst?)

Ja, so einen Romanautor hätte sich Göbbels gewünscht für seine Tiraden gegen Nicht-Christen. Da kann man unter einem Vorwand der Fiktion eine Wirklichkeit in den Köpfen verankern. Keine schlechte Idee, aber bösartig.

Gast: DerVorausschauer
25.09.2012 21:17
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Warum gibt man diesem Affen überhaupt eine Bühne???


Antworten Gast: Dr. Eisendraht
26.09.2012 09:37
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Re: Warum gibt man diesem Affen überhaupt eine Bühne???

Rote Strategie! Weil es wieder ein wenig hilft, unsere Identität zu zerstören

Gast: Gähn
25.09.2012 20:41
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Echte Erregung wollte sich nicht einstellen?

Überrascht mich nicht. Kaufen wird das Buch auch keiner. Bietet zumindest Stoff für das nächst Buch: daß wir Österreicher alle Anal-phabeten wären und Kultur immer schon verharmlost hätten, wenn es nicht grade Postkartenmalerei ist - oder so ähnlichen Furz.

Gast: NicoLaura
25.09.2012 20:23
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„Da war es bei mir persönlich aus.“

"Mit der neutralen Haltung war es aber spätestens bei der Fragerunde mit dem Autor vorbei. Mit dem Sager von Jauffret, wonach die Ehefrau von Fritzl für die österreichische Frau stehe, sagte Ofczarek: „Da war es bei mir persönlich aus.“ Er stelle das Buch nach dem Abend sehr in Frage, es sei nicht warm und nicht kalt."

Quelle: orf.at

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Ich schreib jetzt auch a Biachl, wo ich kräftig auf Österreich schei**.

Alle kommts dran, machts euch auf was gefasst.

Besonders die Frauen und die Poster, ja, die hab ich im Focus.

Ist eine Erfolgsgarantie, täglich in den Medien herumgereicht, vielleicht ist sogar ein Orden drin.