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Claire Vaye Watkins: Verflixte Sehnsucht

29.09.2012 | 18:05 |   (Die Presse)

In ihrem Debüt "Geister, Cowboys" gelingt der 28-jährigen Claire Vaye Watkins das Kunststück, den Mythos des amerikanischen Westens neu zu erzählen.

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Es sind nicht nur Geister und Cowboys, die die Geschichten der jungen Amerikanerin Claire Vaye Watkins bevölkern. Watkins wartet mit einem schillernden Panoptikum teils skurriler Gestalten auf, vom schwulen Bordellbesitzer, der sich in einen Kunden verschaut über gelangweilte Teenager, deren spontane Flucht aus dem Provinzmief nach Las Vegas in einem Albtraum endet, bis zum brummigen Einsiedler, der ein schwangeres Mädchen vor dem sicheren Tod in der Wüste rettet.

Watkins zeigt Menschen in Ausnahmesituationen. Sie sehen dem Tod ins Auge, kämpfen mit Wut, Einsamkeit, Schmerz und brennen zugleich vor Lebenslust, sind wild und verletzlich zugleich. Es sind Menschen, die für einen Moment wenigstens bereit sind, sich fallen zu lassen. Watkins bringt jede Geschichte mit Empathie und Sinn für stimmige Details zum Schwingen. Wie beiläufig entspinnt sich dabei ein Porträt der amerikanischen Westküste, das unangestrengt zwischen den goldschürfenden Draufgängern des 19. Jahrhunderts und den Problemen neurotischer Frühzwanziger der Gegenwart hin- und herlaviert. Watkins spannt ihr Geschichtennetz vom Death Valley (Watkins' Geburtsort) über Las Vegas, Reno, San Francisco und Los Angeles bis in die tiefste Provinz von Nevada und Kalifornien.

Man meint den Sand, den die Goldschürfer durch ihre Siebe rinnen lassen, zwischen den Fingern zu spüren und den heißen Atem des Death Valley im Nacken. es

Claire Vaye Watkins: „Geister, Cowboys. Storys“, übersetzt von Dirk van Gunsteren, Ullstein, 299 Seiten, 20,60 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)

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