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Literatur-Nobelpreis geht an Chinesen Mo Yan

11.10.2012 | 13:05 |   (DiePresse.com)

Der Schriftsteller Mo Yan, ein Pseudonym, das "keine Sprache" heißt, wird heuer ausgezeichnet. Durch die Verfilmung seines Romans "Das rote Kornfeld" wurde er international bekannt.

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Der Literatur-Nobelpreis 2012 geht an den Chinesen Mo Yan, "der mit halluzinatorischem Realismus Volksmärchen, Historie und Aktuelles verflicht". Das hat Peter Englund, ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie, die den Literaturnobelpreis verleiht, heute um 13 Uhr bekannt gegeben. Die Auszeichnung ist heuer mit acht Millionen Schwedischen Kronen (930.000 Euro) dotiert, zwei Millionen weniger als im Vorjahr. Mo Yan, der sich in seinen Werken immer wieder mit dem harten Landleben auseinandersetzte, wird als erster in China lebender chinesischer Autor ausgezeichnet. Der aus China stammende Literaturnobelpreisträger des Jahres 2000 Gao Xingjian lebt in Paris und wurde Frankreich zugeordnet.

Der Sprecher der Jury, Peter Englund, sagte im schwedischen Rundfunksender SR: "Wir haben es mit einer einzigartigen Autorenschaft zu tun. Sie hat uns einen einzigartigen Einblick in ein einzigartiges Milieu verschafft." Mo Yan sei eine "Mischung aus Faulkner, Charles Dickens und Rabelais". Er schildere eine dörfliche Welt in einem Teil Chinas, der den meisten anderen fremd sei. "Mo Yan ist nicht als Intellektueller dort hinabgestiegen, sondern er ist selbst ein Teil davon", so Englund.

Zur Person
Mo Yan wurde am 17. Februar 1955 in Gao Mi geboren. Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er als Soldat der Volksbefreiungsarmee, wo er später auch an der Kunsthochschule studierte und an der Literaturabteilung der Kulturakademie der Armee unterrichtete.

Im Westen wurde der 57-jährige Mo Yan vor allem durch die Verfilmung seines Romans "Das rote Kornfeld" durch Zhang Yimou bekannt, die 1988 mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet wurde.

"Überglücklich" - und unerreichbar

Mo Yan hat "überglücklich und erschrocken" auf die Auszeichnung mit dem Literaturnobelpreis reagiert, meldeten chinesische Staatsmedien. Der Literat hatte in seinem alten Heimatdorf Gaomi in der ostchinesischen Provinz Shandong von der Auszeichnung erfahren. Anschließend schaltete er offenbar sein Mobiltelefon ab und war deswegen nicht zu erreichen. Normalerweise lebt er in Peking, wollte aber ein paar Wochen in Gaomi bei seinem Vater verbringen.

Mo Yan, "keine Sprache"

In seinen Werken nach "Das rote Kornfeld" (1987) entfernte er sich mit absurden Einsprengseln und raffinierten Konstruktionen immer weiter von einem simplen Realismus - auch als Taktik gegen die restriktiven Behörden, wie es heißt. Mit der Zensur habe er keine Schwierigkeiten, sagte Mo Yan einmal dem Magazin "Time": "Es gibt in jedem Land gewisse Beschränkungen." Statt politische Literatur zu schaffen, sollte ein Schriftsteller "seine Gedanken tief vergraben und sie über die Charaktere vermitteln".

Mo Yan ist übrigens ein Pseudonym und heißt "keine Sprache" oder "der Sprachlose". Der wirkliche Name des Autors, ein Bauernsohn aus der ostchinesischen Provinz Shandong, ist Guan Moye.

Kritik nach Deutschland-Besuch

Auf Deutsch übersetzt wurden u.a. seine Bücher "Die Schnapsstadt", "Die Sandelholzstrafe", "Die Knoblauchrevolte" und "Der Überdruss". Diesen Roman stellte er 2009 auch in der Aula des Campus der Universität Wien vor.(c) EPA Peter Englund, ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie

(c) EPA Peter Englund, ständiger Sekretär der Schwedischen Akademie

2009 war Mo Yan Mitglied der offiziellen Delegation des Ehrengastlandes China auf der Frankfurter Buchmesse. Dass er als solches sich am Auszug der Delegation von einem Literatursymposium, an dem auch Dissidenten teilnahmen, beteiligte, trug ihm heftige Vorwürfe ein. In einem Interview mit "China Newsweek" meinte er dazu: "Sehr viele sagen jetzt über mich: Mo Yan ist ein Staatsschriftsteller. Daran stimmt, dass ich ebenso wie die Autoren Yu Hua und Su Tong ein Gehalt vom Künstlerforschungsinstitut des Kulturministeriums beziehe und darüber sozial- und krankenversichert bin. Das ist die Realität in China", so der Schriftsteller. "Ich kann verstehen, wenn Ausländer mich kritisieren. Wenn die Kritik aber von meinen chinesischen Landsleuten kommt, dann ist das unverschämt."

Mo Yan: Nobelpreis für den Autor ''ohne Sprache''

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Zocker setzten auf Japaner

Die Wettquoten behielten heuer zum ersten Mal seit Jahren nicht Recht: Zuletzt standen der Japaner Haruki Murakami und der Ungar Peter Nadas ganz oben auf der Favoriten-Liste der Buchmacher.

Die Preisträger seit 2005:
2011: Tomas Tranströmer (Schweden)
2010: Mario Vargas Llosa (Peru/Spanien)
2009: Herta Müller (Deutschland, geboren in Rumänien)
2008: Jean-Marie Gustave Le Clézio (Frankreich/Mauritius)
2007: Doris Lessing (Großbritannien)
2006: Orhan Pamuk (Türkei)
2005: Harold Pinter (Großbritannien)

Literatur-Nobelpreis: Mo Yan, Jelinek, Grass - Die Ausgezeichneten

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(APA/Red.)

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21 Kommentare
Gast: Hellmesberger
11.10.2012 18:47
3 0

Außerdem frage ich mich,

wie eine Jury aus schwedischen Nobodies, die nicht einmal Chancen auf den Trostpreis einer mittleren albanischen Buchmesse hätten, die Qualität chinesischer Literatur beurteilen will. Daran müssten, ehrlich betrachtet, ganz andere Kaliber scheitern.

Re: Außerdem frage ich mich,

das ist eine durchaus berechtigte Frage. Trifft aber ebenso für den Bachmannpreis zu. Der ist zwar nicht so hoch dotiert. Aber trotzdem vollkommener Blödsinn. Die Schweden haben seit Jahrzehnten nichts Nennenswerters mehr zur Weltliteratur beigetragen, bis auf ein paar Populärkrimis. Und die in den letzten Jahren ausgezeichneten Autoren, waren ja wohl ein Witz: Herta Müller???? Tranströmer???? Das hat nichtmal was mit Bekanntheit zu tun. Die sind einfach nicht gut. Herta Müller (auch wenn mans öfter sagt wirds nicht sinnvoller)

Gast: Hellmesberger
11.10.2012 18:43
0 0

Was hat man sich über die angeblich

provinzielle Wahl aufgeregt, als Elfriede Jelinek den Preis bekam. Jetzt zeigt sich, dass eine provinzielle Entscheidung auch ein 1,3-Milliarden-Volk betreffen kann. Die Kunst kennt da keinen Unterschied.

I got my mojo back

Ja genau, der alte Mojo. Der stand schon immer auf meiner Favoritenliste. Seine Bücher über, ähm, China? haben mich immer beeindruckt. Sein Hauptwerk - ..., na ja wurscht, verkörpert wie kein anderes den Wandel des modernen Chinesen in der Zeit. Oder so.

Gast: Tomb
11.10.2012 15:41
2 2

Selbstdemontage

Ein weitere Schritt in die Bedeutungslosigkeit des Literatur-Nobelpreises

Gast: miss adler
11.10.2012 15:25
1 0

frau müller

sofern sie nicht die nobelpreisträgerin aus entenhausen ist, darf merta müller herta müller bleiben ;)

Gast: Namegast
11.10.2012 13:55
6 0

Alles gelogen

Der Typ heißt in Wirklichkeit nicht Mo Yan sondern "Yo man!" und ist aus Brooklyn. Diese Chinesen versuchen echt alles!

verflechtet

...verflicht..... !!!!

Re: verflechtet

Danke für den Hinweis. Der Übersetzungsfehler ist korrigiert.
Mit freundlichen Grüßen,
die Kulturredaktion

5 3

Ein bemerkenswerter Satz

"Statt politische Literatur zu schaffen, sollte ein Schriftsteller seine Gedanken tief vergraben und sie über die Charaktere vermitteln".

Recht hat er und möge es all unseren Politgünstlingen in Literatur und Schauspiel ins Stammbuch geschrieben sein.

Re: Ein bemerkenswerter Satz

Und Sie meinen das sagt er weil er ein unpolitischer Autor ist? Das ist doch ein Scherz oder? Vielleicht gibts da auch andere Beschreibungsmöglichkeiten: regimekonform, anbiedernd, systemtreu, ... das hat natürlcih alles nichts mit einem politischen Autor zu tun?!?!?!?

Die Dotierungen werden auch immer billiger ...


Harold Pinter...

war ja noch verständlich... aber alles was danach kam ist irgendwie vollkommener Nonsense... wieso vergeben die den Preis überhaupt noch?

Re: Harold Pinter...

Vargas Llosa als "Nonsense" zu bezeichnend - selbst für Presseforumsverhältnisse unglaublich.

Re: Re: Harold Pinter...

Llosa schreibt lateinamerikanischen Kitsch.

Antworten Antworten Antworten Gast: Konservativer
11.10.2012 18:19
0 4

Somit ist bewiesen, dass Sie von LLosa nichts gelesen haben, den soeben ergoogelten Wikipedia-Artikel ausgenommen.


Re: Somit ist bewiesen, dass Sie von LLosa nichts gelesen haben, den soeben ergoogelten Wikipedia-Artikel ausgenommen.

Wieso haben Sie den Wikipedia-Artikel "ergoogelt"?

Ich kenne 2 Bücher von Llosa. Haben mir von ihm gereicht. Lateinamerikanischer Kitsch.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Konservativer
11.10.2012 22:11
0 2

I call bullshit.

"Ich kenne 2 Bücher von Llosa."

Die Einbände vielleicht.

Gelesen haben Sie sie nicht.

Ich stelle meine Aussage mal ganz direkt gegen die Ihre und bezichtige Sie hiermit offen der unwahren Aussage.

P.S.: Ich weiß, dass sie in der Replik so tun werden, als sei Ihnen das egal (ist es nicht). Mir ist egal, ob es Ihnen egal ist.

Re: I call bullshit.

Und mir ist egal ob es Ihnen egal ist, dass es mir egal ist. Wieso meinen Sie man könne nicht 2 Bücher von Llosa kennen und ihn gleichzeitig nicht mögen?

Der Folge der letzten Preisverleihungen lässt sich entnehmen, dass das Niveau der Preisträger gesunken ist. Wo früher Gerhart Hauptmann und Knut Hamsun ausgezeichnet wurden, bekommen jetzt irgendwelche Politgünstlinge und Kitschautoren diesen Preis. Dass Ihnen das egal ist, kann ich verstehen, offensichtlich haben Sie ja auch keine Ahnung von Literatur. Schon die Reihe der Namen ist absurd, wenn man frühere Gewinner einbezieht und die weiblichen Gewinner sind gleich doppelt unverständlich: ich sages nochmal "Herta Müller" (was haben die Kerle eigentlich gesoffen bei der Preisvergabe?) Wer weiß, vielleicht ist beim nächsten Mal ja die Allende dran... zu Ihrem Kitschgeschmack würde es zumindest passen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Konservativer
12.10.2012 17:41
0 1

Ganz ehrlich, ich habe mir Ihren Kommentar nicht einmal durchgelesen. Ich sehe keinen Sinn darin. Ich habe Sie abgestempelt, Sie werden jetzt berechenbar hysterisch, Ende.


:-)

Re: Ganz ehrlich, ich habe mir Ihren Kommentar nicht einmal durchgelesen. Ich sehe keinen Sinn darin. Ich habe Sie abgestempelt, Sie werden jetzt berechenbar hysterisch, Ende.

Ja jetzt glaube ich Ihnen, dass Llosa für Sie ein wunderbarer Schriftsteller ist. Viel weiteren Horizont werden Sie nicht mehr bekommen.