Mo Yan: Nobelpreis für den Autor ''ohne Sprache''

Der Nobelpreis für Literatur geht heuer erstmals nach China. Die Königlich-Schwedische Akademie hat am Donnerstag, dem 11. Oktober, in Stockholm ihre Entscheidung für den Schriftsteller Mo Yan bekannt gegeben. Er vereine "mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart", hieß es in der Begründung.(c) AP

Mo Yan ist ein Pseudonym und heißt "keine Sprache" oder "der Sprachlose". Sein wirklicher Name ist Guan Moye. Der 57-jährige Bauernsohn ist einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Schriftsteller Chinas.(c) AP (Aritz Parra)

Der Sprecher der Jury, Peter Englund, sagte: "Wir haben es mit einer einzigartigen Autorenschaft zu tun. Sie hat uns einen einzigartigen Einblick in ein einzigartiges Milieu verschafft." Mo Yan sei eine "Mischung aus Faulkner, Charles Dickens und Rabelais". Er schildere eine dörfliche Welt in einem Teil Chinas, der den meisten anderen fremd sei. "Mo Yan ist nicht als Intellektueller dort hinabgestiegen, sondern er ist selbst ein Teil davon", so Englund.(c) AP (FREDRIK SANDBERG / SCANPIX)

Mo Yan wurde am 17. Februar 1955 in Gao Mi geboren. Seine schriftstellerische Tätigkeit begann er als Soldat der Volksbefreiungsarmee, wo er später auch an der Kunsthochschule studierte und an der Literaturabteilung der Kulturakademie der Armee unterrichtete.(c) AP

Im Westen wurde Mo Yan mit seinem Buch "Rotes Kornfeld" (1987) bekannt, das Regisseur Zhang Yimou verfilmte. Er ist ein Geschichtenerzähler - inspiriert von den Erzählungen der Bauern in seinem Heimatdorf Gao Mi (Provinz Shandong) in Ostchina. Das arme Dorf ist bis heute seine literarische Heimat, auch wenn Mo Yan schon lange in Peking lebt.(c) REUTERS (RALPH ORLOWSKI)

Mo Yan ist - im Gegensatz zu einigen im Exil lebenden Kollegen - auch in China ein etablierter Schriftsteller. Als Mitglied der offiziellen Delegation Chinas bei dem umstrittenen Gastlandauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2009 musste sich Mo Yan gegen Vorwürfe wehren, nicht genug Distanz zum System zu wahren.

Im Bild: Mo Yan auf der Frankfurter Buchmesse(c) EPA (FREDRIK VON ERICHSEN)

Auf Deutsch übersetzt wurden u.a. seine Bücher "Die Schnapsstadt", "Die Sandelholzstrafe", "Die Knoblauchrevolte" und "Der Überdruss". Diesen Roman stellte er 2009 auch in der Aula des Campus der Universität Wien vor.(c) REUTERS (RALPH ORLOWSKI)

Mit seinem Roman "Frosch" (in China ein traditionelles Symboltier für Geburten) griff er das aktuelle Thema der gesellschaftlichen Auswirkungen der chinesischen Ein-Kind-Politik auf und sorgte für Diskussionen. "Frösche" erscheint im Frühjahr 2013 in der Übersetzung von Martina Hasse im Hanser Verlag.(c) AP
Kommentar zu Artikel:

Mo Yan: Nobelpreis für den Autor ''ohne Sprache''

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.