„It's the greatest country in the world“, das verkündete Arnold Schwarzenegger auf der Frankfurter Buchmesse. Nicht von seiner Heimat Österreich war aber die Rede, sondern von den USA. Diesen verdanke er alles – und wolle deshalb auch dazu beitragen, dass sie die Nation Nummer eins in der Welt bleiben. In diesem Sinn bestand er gegen den Wunsch des Publikums darauf, das Gespräch mit Georg Mascolo auf Englisch zu führen. Die Frage, ob es hilfreich war, zuerst Schauspieler und dann Politiker zu werden, beantwortete der ehemalige Gouverneur von Kalifornien mit einem eindeutigen Ja; als Schauspieler lerne man, nicht zu spielen. Das sei für die Politkarriere enorm wichtig: keine Rolle zu spielen, sondern man selbst zu bleiben. Dann könne man in seinen Erinnerungen auch ungezwungen über seine Fehler schreiben, so Schwarzenegger in Anspielung auf die Affäre mit seiner Haushälterin. Denn was hätten die Journalisten geschrieben, wäre er in seinen Memoiren mit dem Titel „Total Recall“ nicht darauf eingegangen?
Verteidiger der Missionarsstellung
Wolf Haas dagegen erinnerte sich auf dem „Blauen Sofa“ in Frankfurt an die Missionarsstellung seiner Eltern. Dieser, so vermutet der Salzburger Publikumsliebling, verdanke er schließlich sein Leben. Heute sei sie jedoch die alte Tante unter den Sexualpraktiken – das mache sie sympathisch. Wege zu Liebe und Verliebtheit beschreibe Haas in seiner „Verteidigung der Missionarsstellung“, meinte Luzia Braun. Wann er denn zuletzt verliebt gewesen wäre? „Ich kann mich nicht mehr erinnern“, so Haas.
Der Weg zur Liebe sei sowieso interessanter als die Erfüllung, philosophierte er in Brenner-Manier. Ob die Liebe eine Seuche sei, weil sich sein Protagonist just immer dann, wenn Seuchen ausbrechen, verliebe? Das sei seiner Angst vor Gehirnauflösung geschuldet, meinte Haas. Deshalb habe er auch den Anfang seines Romans auswendig gelernt. Und rezitierte prompt die erste Seite. Im Publikum schauten einige drein, als stürze er sich in ein Abenteuer wie Felix Baumgartner. Haas quittierte das mit der Bemerkung, dass die Zuhörer meist mehr Angst dabei hätten als er. Seine Schachtelsätze seien nicht leicht zu merken, umso begeisterter sei er, dass er's kann.
„Europäischer Landbote“
Und woran erinnert sich Robert Menasse? An ein Europa vor der Erfindung der Nationalstaaten. Der einstige Kritiker der EU ist nach einjährigem Aufenthalt in Brüssel zum „europäischen Landboten“ mutiert und predigt landauf, landab die Weiterentwicklung des europäischen Projekts. Den heutigen europäischen Politikern – allen voran Frau Merkel – fehle es vor lauter Krisenbewältigung an politischer Fantasie, die Victor Hugo anno 1815 bereits hatte, als er die Vision einer höheren Einheit als den Nationalstaat entwarf. Menasse verweist auf Jean-Claude Juncker, der gesagt habe: „Natürlich wissen wir, was wir zu tun haben, nur wissen wir nicht, wie wir dann wiedergewählt werden.“ Menasse will mit seinem Essay an Hugo anschließen. „Ich habe meine Seele gerettet“, wird er abschließend metaphysisch. In 20 Jahren könne er auf das Buch verweisen und sagen, er habe es damals bereits geschrieben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)
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