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Booker Prize für Hilary Mantels Tudor-Thriller

17.10.2012 | 16:58 |  Von Norbert Mayer (Die Presse)

Die britische Autorin wurde zum zweiten Mal mit dem renommierten Man Booker Prize ausgezeichnet, diesmal für Teil II: „Bring Up The Bodies“.

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Was macht eine Autorin mit dem vielen Geld für den renommierten Man Booker Prize? „Sex, Drugs and Rock 'n' Roll“, erwiderte Hilary Mantel auf diese Frage, als sie 2009 zum ersten Mal die Auszeichnung erhielt. Was aber macht die Britin mit den 50.000 britischen Pfund für ihren zweiten Man Booker Prize, der am Dienstag an sie ging? „Rehab“, sagte sie lakonisch bei der Feier in London. Auch diese Antwort passt zur prallen, in makelloser Prosa verfassten Geschichte aus der Tudor-Zeit, die sie in einer großen Trilogie erzählen will. Zumindest beim Schreiben gibt es so bald keine Phase der Regeneration.

Vor drei Jahren hatte Mantel mit „Wolf Hall“ gewonnen, Teil eins ihres Zyklus über die Ära Heinrichs VIII. (1491–1547). Dessen Einflüsterer Thomas Cromwell ist der Protagonist. 2012 wiederholte Mantel das Kunststück mit dem zweiten, fantastischen Mittelstück. „Bring Up The Bodies“ setzt 1535 ein und endet mit der Exekution von Heinrichs zweiter Gattin: Anne Boleyn, die Mutter der späteren Königin Elizabeth I., wurde 1536 wegen mehrfachen Ehebruchs angeklagt, verurteilt, hingerichtet. Der Henker tritt hinter sie, ein Stöhnen kommt noch aus der Menge: Then a silence, and into that silence, a sharp sigh or a sound like a whistle through a keyhole: the body exsanguinates, and its flat little presence becomes a puddle of gore.

Der dritte Teil ist bereits in Arbeit

Wie in einem Thriller wird gestorben, Mantels anspruchsvolle Literatur über Aufstieg und Fall eines Mannes am englischen Hof ist spannend aus dessen Perspektive erzählt. Cromwell (1485–1540), der Sohn eines Brauers und Schmiedes aus Putney, war der Architekt der Reformation in England. Als Generalvikar übte er absolute Gewalt über die Kirche aus. „Sendbote des Teufels“ nannten ihn seine katholischen Gegner, die ihn durch Intrigen schließlich ans Messer lieferten. Erst vier Monate zuvor war er zum Earl of Essex und Lord Great Chamberlain avanciert. Das ist der Stoff für Teil III. Mantel arbeitet bereits daran. Titel: „The Mirror and the Light“. Es ist nicht auszuschließen, dass sie auch mit diesem Roman Preise abräumen wird. Denn Mantel ist derzeit, wie der Jury-Vorsitzende Peter Stothard vollmundig pries, „the greatest modern English prose writer“.

Tatsächlich haben es nur zwei weitere Autoren geschafft, den von der Finanzfirma Man gesponserten, von einer Stiftung betreuten Booker zwei Mal zu gewinnen: J. M. Coetzee aus Südafrika gelang  das mit  „Life & Times of Michael K“ (1983) sowie mit „Disgrace“ (1999). 2003 wurde Coetzee Nobelpreisträger für Literatur. Dafür wird auch immer wieder der Australier Peter Carey genannt, der den Man Booker Prize für „Oscar and Lucinda“ (1988) und „True History of the Kelly Gang“  (2001) erhielt.

Mantel wuchs in einer katholischen Familie mit irischen Wurzeln auf, sie nahm mit elf den Namen ihres Stiefvaters an. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und Politologie in London und Sheffield arbeitete sie als Sozialarbeiterin, ehe sie Mitte der Siebzigerjahre mit dem Schreiben begann. Sie verbrachte dann mit ihrem Ehemann mehrere Jahre in Botswana und Saudiarabien.
In ihrer Dankesrede versprach die ausgezeichnete Autorin, dass sie die Trilogie stilvoll beenden werde. Mit Veröffentlichung des letzten Bandes wird 2015 gerechnet. Bis dahin darf man auch getrost spekulieren, ob ihr beim Booker der Hattrick gelingt.

Auf einen Blick
Der Man Booker Prize ist eine bedeutende britische Auszeichnung, die seit 1969 jährlich einen Roman aus dem Königreich, Irland oder dem Commonwealth prämiert. Der Preisträger erhält 50.000 £. Prominente Gewinner: Atwood, Barnes, Banville, Byatt, Gordimer, Golding, Murdoch, Naipaul, Rushdie, Swift.
Seit 2005 wird zudem alle zwei Jahre der Man Booker International Prize (60.000 £) vergeben, an einen internationalen Autor für sein auf Englisch verfügbares Œuvre.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2012)

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