Handke nimmt im Suhrkamp-Streit Stellung

Minderheitsgesellschafter Hans Barlach will die Macht im Suhrkamp Verlag übernehmen. Für Peter Handke ist er "ein Unhold". Ein Ex-Minister soll im Streit vermitteln.

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Michael Naumann – (c) APA (FRANZ NEUMAYR)

Im Machtkampf um den deutschen Verlag Suhrkamp wird der Ton immer schärfer: Der langjährige Suhrkamp-Autor Peter Handke attackierte in der am Mittwoch erscheinenden Wochenzeitung "Die Zeit" den Minderheitsgesellschafter Hans Barlach als "Unhold" und "prall des bösens Willens". Barlach hält 39 Prozent an dem Verlag und betreibt in verschiedenen Verfahren die Ablösung der Suhrkamp-Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkewicz die Leitung. Sie hält über eine Familienstiftung 61 Prozent des Suhrkamp Verlags. Kürzlich gab das Landgericht Berlin dem Minderheitsgesellschafter Recht und berief Unseld-Berkewicz ab. Die Entscheidung ist aber noch nicht rechtskräftig, Suhrkamp kündigte Berufung an.

"Aber da, da ist, nein handelt ein von Grund auf Böser, ein Abgrundböser. Ein Unhold. Und der steht auf dem Boden des Rechts? Er wühlt darin, läßt darin wühlen die Horde der schwerbezahlten Mit-Unholde. Nicht recht so", schrieb Handke in einem Gastbeitrag. Der 70-Jährige wirft Barlach vor, im Verlag nach der alleinigen Macht zu streben. Barlach habe "als Neueinsteiger in unseren Verlag, in unser Haus, von Anfang an keinen guten Willen gezeigt, und nicht nur war er bar jeden guten Willens, oder meinetwegen jeder bona fide, vielmehr voll, prall, aufgeblasen prall des bösen Willens, oder der mala fide, und das ist, Moment für Moment, bis zum heutigen Tag so geblieben, womöglich noch verstärkt".

Handke macht Barlach in der "Zeit" ein Friedensangebot: Er würde das Drama „Der blaue Boll" von Barlachs Großvater, dem Bildhauer Ernst Barlach, in andere Sprachen übersetzen, wenn der Enkel sich um das literarische Werk des Großvaters, bisher beim Piper Verlag, in einem anderen Verlag verdient machen könne.

Der aus Kärnten stammende Autor kritisiert auch, über die bisherige Suhrkamp-Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkewicz werde in der Berichterstattung ein "böses Märchen" konstruiert. Die Öffentlichkeit müsse denken: "reiner Horror, diese Frau!"

Ex-Minister soll vermitteln

Die Familienstiftung des Verlages hat indes einen Mediator in dem Streit gefunden: Der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann soll einem Bericht der Dienstagsausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zufolge vermitteln. Barlach liege mittlerweile ein Gesprächsangebot der Familienstiftung und der Geschäftsführung des Suhrkamp Verlags vor.

Naumann erklärte der "FAZ", er wolle ein Gespräch zwischen den Parteien ermöglichen. Nach seiner Einschätzung bestünden "Missverständnisse auf beiden Seiten". Naumann sagte, er habe ein Interesse daran, dass der Suhrkamp Verlag existiere: "Niemand will, dass der Verlag liquidiert wird, wie es das Gesellschaftsrecht vorsieht."

Barlach war 2006 gegen ihren Willen mit seiner Medienholding Winterthur in das Unternehmen eingestiegen.

(APA/dpa)

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