Suhrkamp-Streit: Handke bezeichnet Barlach als „Unhold“

Peter Handke ergreift im aktuellen Streit der Suhrkamp-Gesellschafter energisch die Partei der bisherigen Geschäftsführerin Berkéwicz, die 61 Prozent der Anteile an Suhrkamp hält, gegen Barlach (39 Prozent).

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Peter Handke – (c) APA FRANZ NEUMAYR (FRANZ NEUMAYR)

Ein Unhold sei Hans Barlach, „prall des bösen Willens“ – mit solch kräftigen Wendungen hat sich Peter Handke im aktuellen Streit der Suhrkamp-Gesellschafter zu Wort gemeldet, in dem es um die Führung im Verlag geht. Handke publiziert seit 1966 bei Suhrkamp. In der deutschen Wochenzeitschrift „Die Zeit“ verteidigt er die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz, die 61 Prozent der Anteile an Suhrkamp hält, gegen Barlach (39 Prozent).
Beide Seiten führen Prozesse gegeneinander, die das Unternehmen gefährden könnten. Barlach, der 2006 gegen den Willen von Unseld-Berkéwicz mit seiner Medienholding Winterthur in das Unternehmen eingestiegen war, forderte die Ablöse der Geschäftsführerin und bekam dafür vor dem Landgericht Berlin in erster Instanz recht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Handke im Zitat: „Aber da, da ist, nein handelt ein von Grund auf Böser, ein Abgrundböser. Ein Unhold. Und der steht auf dem Boden des Rechts? Er wühlt darin, lässt darin wühlen die Horde der schwerbezahlten Mit-Unholde. Nicht recht so . . .“ Als Neueinsteiger „in unseren Verlag, in unser Haus“ habe Barlach „von Anfang an keinen guten Willen gezeigt, und nicht nur war er bar jeden guten Willens, oder meinetwegen jeder bona fide, vielmehr voll, prall, aufgeblasen prall des bösen Willens, oder der mala fide, und das ist, Moment für Moment, bis zum heutigen Tag so geblieben, womöglich noch verstärkt“.

„. . . reiner Horror, diese Frau!“

Der Autor, der am 6. Dezember 70 wurde und vom deutschen Feuilleton entsprechend gewürdigt wurde, macht Barlach dennoch ein Friedensangebot: Er würde das Drama „Der blaue Boll“ von Barlachs Großvater Ernst in andere Sprachen übersetzen, wenn der Enkel sich um das literarische Werk des Großvaters, bisher beim Piper Verlag, in einem anderen Verlag verdient machen könne.

Die Verlegerin Unseld-Berkéwicz wird von Handke durch einen Angriff auf Medien verteidigt. In der Berichterstattung würde ein böses Märchen konstruiert.
Da müsse die Öffentlichkeit denken: „Reiner Horror, diese Frau.“ Eine Reihe von Suhrkamp-Autoren hat sich in den letzten Tagen hinter die Verlegerin gestellt, unter anderem Hans Magnus Enzensberger, Uwe Tellkamp und Sibylle Lewitscharoff. Enzensberger äußerte den Verdacht, Barlach wolle nur mehr die Backlist auswerten und nichts Neues mehr produzieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2012)

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