Crime Noir: Die Krimi/Thriller des Jahres

Schauer und Spannung zu Jahresende: Wir stellen die zehn besten Krimi und Thriller vor, die 2012 auf Deutsch erschienen sind, ausgesucht von DiePresse.com-Redakteur und "Die Presse"-Krimikritiker Peter Huber.(c) Bilderbox (Erwin Wodicka)

Platz 10: Frank Bill ''Cold Hard Love''

"Pitchfork und Darnel platzten wie zwei Schrotladungen durch die verschrammte Moteltür." Mit diesem ersten Satz attackiert US-Autor Frank Bill die Leser - und er tut es weitere 260 Seiten lang. Es ist eine erbarmungslose Welt, in die er einlädt. Southern Indiana präsentiert sich in seinen Kurzgeschichten als jene Gegend, um die man bei einem USA-Trip einen weiten Bogen machen sollte. Bei aller Gewalt erweist sich Bill aber auch als sprachgewaltiger Erzähler.

Frank Bill: "Cold Hard Love", übersetzt von Conny Lösch, Suhrkamp, 269 Seiten, 15,50 Euro. (c) PR Bilder (jeweiliger Verlag)

Platz 9: Don Winslow ''Sprache des Feuers''

Es stellt sich die Frage: Warum wurde dieses Buch rund um den Brandspezialisten Jack erst 13 Jahre nach seinem erstmaligen Erscheinen übersetzt? Beeindruckend sind die Leichtigkeit, mit der Winslow erzählt, und vor allem der ihm eigene Sprachwitz. Sein großes Können zeigt sich darin, dass man sich als Leser dagegen zu wehren versucht, seine Bücher zu verschlingen - weil sie dann viel zu schnell enden.

Don Winslow: "Die Sprache des Feuers". Übersetzt von Chris Hirte. Suhrkamp, 419 Seiten, 15,50 Euro. (c) PR Bilder (jeweiliger Verlag)

Platz 8: Steve Hamilton ''Der Mann aus dem Safe''

Nach einem traumatischen Erlebnis verstummt der achtjährige Michael. Auch neun Jahre später spricht er noch kein Wort. Dafür hat er ein Talent entdeckt: Er kann Türschlösser knacken. Als Verbrecher auf seine Fähigkeiten aufmerksam werden, gerät Michael in die Zwickmühle. Steve Hamilton hat einen intelligenten Thriller geschrieben, der zudem mit einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte aufwartet.

Steve Hamilton: "Der Mann aus dem Safe". Übersetzt von Karin Diemerling, Droemer, 464 Seiten, 17,50 Euro. (c) PR Bilder (jeweiliger Verlag)

Platz 7: Adrian McKinty ''Ein letzter Job''

Killian ist ein Angehöriger der irischen Volksgruppe der Tinker - auch Traveller oder Pavee genannt. Sein Betätigungsfeld: Menschen zu finden, die nicht gefunden werden wollen. Als er seinen "letzten Job" annimmt, laufen die Dinge aus dem Ruder. Autor McKinty porträtiert nebenbei ein von der Krise gebeuteltes Irland. Und: Der Leser begleitet Killian nicht nur bei der Suche nach seinen Zielpersonen, sondern auch nach sich selbst.

Adrian McKinty: "Ein letzter Job", übersetzt von: Peter Torberg, Suhrkamp nova, 396 Seiten, 15,50 Euro.(c) PR Bilder (jeweiliger Verlag)

Platz 6: Gavin Knight ''The Hood''

Gavin Knight gewährt einen beängstigenden Einblick in die Welt der britischen Jugendbanden. Der Auto begleitete über zwei Jahre regelmäßig Polizeieinheiten in den innerstädtischen Bezirken Londons, Glasgows und Manchesters. "The Hood" besteht aus drei wahren Geschichten und liest sich wie ein Thriller. Immer wieder glaubt man, bei den beschriebenen Städten handle es sich um Kriegsschauplätze.

Gavin Knight: "The Hood", übersetzt von Jürgen Bürger, Ullstein, 298 Seiten, 15,50 Euro(c) PR Bilder (jeweiliger Verlag)

Platz 5: Ken Bruen/Reed Farrel Coleman ''Tower''

"Tower" ist ein klassischer Noir. Im Zentrum stehen die kleinkriminellen Freunde Nick und Todd, die in der Welt des Verbrechens beheimatet sind. Die fesselnde Geschichte endet am 11. September 2001. Aber: Die titelgebenden Türme des World Trade Centers spielen nur eine angenehm unpathetische Nebenrolle. Ein stimmungsvolles, zeitloses kleines Meisterwerk.

Ken Bruen/Reed Farrel Coleman: "Tower". Übersetzt von R. Betzenbichler, Rotbuch, 222 S., 13,40 Euro.(c) PR Bilder (jeweiliger Verlag)

Platz 4: Tom Epperson ''Hyänen''

Gina ist mit ihrem Sohn Luke auf der Flucht vor der Mafia. Die Lage scheint hoffnungslos. Da lernt das Duo Gray kennen, einen stillen Einzelgänger, der mit den Geistern seiner Vergangenheit kämpft. Wer nun eine klischeehafte Einsamer-Wolf-rettet-Mutter-und-Sohn-Geschichte erwartet, wird enttäuscht. "Hyänen" lebt von seinen gekonnt zugespitzten Dialogen. Der rasante Thriller nimmt sich aber auch Zeit für Nachdenkpausen. Der Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Tom Epperson: "Hyänen", übersetzt von: Joachim Bartholomae, Rowohlt, 413 Seiten, 10,30 Euro.(c) PR Bilder (jeweiliger Verlag)

Platz 3: Howard Linskey ''Crime Machine''

David Blake ist die rechte Hand des Newcastler Gangsterbosses Bobby Mahoney. In Mahoneys Entourage skrupelloser und gewalttätiger Verbrecher ist Blake der Saubermann. Als ein Haufen Geld verschwindet, muss er rasch erkennen, dass er in der Welt der harten Kerle nur wenige Freunde hat. Mit "Crime Machine" liefert Autor Howard Linskey einen harten Thriller erster Güte, der sich souverän innerhalb der Grenzen des Genres bewegt.

Howard Linskey: "Crime Machine", übersetzt von Conny Lösch, Knaur, 378 Seiten, 10,30 Euro.(c) PR Bilder (jeweiliger Verlag)

Platz 2: James Sallis ''Driver 2''

US-Autor James Sallis hat die Fortsetzung zu seinem Krimi-Highlight "Driver" geschrieben. Erneut erreicht er mit minimalistischen Mitteln maximale Effekte. Kein Wort ist zu viel. Das Schwafeln überlässt er anderen - und das Moralisieren auch. Er malt nicht schwarz und weiß, sondern erschafft eine Welt in Grau. Die Farben muss der Leser hinzufügen.

James Sallis: "Driver 2". Übersetzt von Jürgen Bürger u. Kathrin Bielfeldt, Liebeskind, 156 S., 17,40 Euro(c) PR Bilder (jeweiliger Verlag)

Platz 1: Don Winslow ''Kings of Cool''

US-Autor Don Winslow hat einen Bildungsroman der anderen Art geschrieben. Sein Drogendrama "Kings of Cool" ist Thriller und Nachschlagewerk in einem - und macht süchtig. Thematische Ernsthaftigkeit und verspielter Sprachwitz wechseln einander mitunter rasant ab und gehen nicht selten ineinander auf. Es ist wie ein 349-seitiger Hochseilakt, bei dem Winslow niemals die Trittsicherheit verliert.

Don Winslow: "Kings of Cool" übersetzt von Conny Lösch, Suhrkamp, 349 Seiten, 20,60 Euro(c) PR Bilder (jeweiliger Verlag)

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