Handke: „Hätte gern ein Maschinengewehr bedienen gelernt“

21.12.2012 | 18:40 |   (Die Presse)

Die „Kleine Zeitung“ hat Gespräche zweier Redakteure mit Peter Handke als Buch veröffentlicht – kostbar für Handke-Fans.

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Für Überraschungen ist dieser Autor immer gut. Auf die Frage „Hätten Sie gern anders gelebt?“ antwortet Peter Handke nur: „Ein Maschinengewehr hätte ich gern bedienen gelernt.“ Gegen was oder wen verrät er nicht. Es sei nur „zur Verteidigung“.

Sonst ist das Buch „Handke im Gespräch“ eine sehr friedliche Angelegenheit. Mit ihrer kritischen Berichterstattung über Handkes Haltung zum Jugoslawien-Krieg hat sich die „Kleine Zeitung“ beim Schriftsteller zwar nicht beliebt gemacht. Trotzdem haben zwei der besten Männer dieser Zeitung (Chefredakteur Hubert Patterer und Außenpolitik-Ressortleiter Stefan Winkler) es geschafft, Handke zu insgesamt fünf Gesprächen zu verlocken, die offenbar zu beiderseitiger Zufriedenheit verliefen.

Was sich auch auf den Leser übertragen kann: „Handke im Gespräch“ klammert die Jugoslawien-Frage (da weder Einigung noch neue Erkenntnisse zu erwarten sind) aus, die Fragesteller üben sich in „radikaler Schlichtheit“ – „unschuldig und naiv sollten die Fragen tönen, beinahe kindlich“. Kein Wunder, dass der Schriftsteller in seinen Antworten entspannt klingt wie selten.

Heute könne er zu Österreich „mein Land“ sagen, sagt Handke. Bundespräsident Fischer hat ihn eingeladen, nach Österreich zurückzukehren. „Ein typischer Bundespräsidentenspruch“, meint Handke. „Ich habe sogar ein Forsthaus besichtigt. Aber eigentlich wollte ich nur höflich sein.“ Beim Reden über den Tod zitiert er Ferdinand Raimunds „Zärtlich muss geschieden sein“. Auch „vom Gras und vom Wind“, meint Handke. „Aber wie soll das gehen? Ich weiß es nicht.“ red.

„Peter Handke im Gespräch – mit Hubert Patterer und Stefan Winkler“: Edition Kleine Zeitung, 19,80 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2012)

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6 Kommentare

Alle Maoisten wollen im Grunde nur alle anderen erschiessen

So ist das eben. Von wegen friedlich....

obligatorisches u. philosophisches hätte es heißen sollen

Danke für die Veröffentlichung. Die Geschichte war mir immer ein besonderes Seelenanliegen.

obligatorisches u. philosophisches hätte es heißen sollen

Danke für die Veröffentlichung. Die Geschichte war immer ein besonderes Seelenanliegen.

Handke in Wien od. handke einmal andersherum „Poetisch-lyrischer Bierschaum aus Ottakring“ Die Geschichte habe ich schon in den 80zigern geschrieben

Unlängst erst wieder bin ich genau wie
unser allgemein beliebter Karawankenpoet
in mein Wirtshaus g´sessen und
hab–was is schon dabei?-alle
meine Leib-u. Durchsichtgazetterln von
hinten nach vorn ausg´lesen

Dazu volksverbunden
mein obligatorische Krügel trunken
Und auch gleich nach Bierdunst
g´stunken
Von Alt-Ottakring hat mir draamt
Und um mei Muatterl
des aufm Lerchenfelderfriedhof
beerdigt liegt
ganz spontan Rotz und Wasser g´want

Denk i mir
wie die Zeit verrinnt
Irgendwann warst aa du noch ein Kind
A wengerl schwach auf der Brust
trotzdem mit ana unbändigen Lebenslust
Und was is ma davon blie´n?
Das Lachen längst vom bauchigen
Unwohlsein vertrieb´n

So red i vor mir hin: Des Leben is des vielleicht
grad a boshafte Fleißaufgab´
für die Ewigkeit?
Sagt ma mei Wirtin:
Und wenn Sie auch nur der Herr Handke
aus Ottakring sind
sind Sie für mich
dennoch ein philosophische Genie

Allerliebste Wein- u. Biervertreiberin
die geistreiche Beweglichkeit
ihrer saumäßig wortflinken Wirtshausredseligkeit
hat mir immer schon wahnsinnig imponiert
Daher wird ab heute
jegliche Bierschaumige Lebensangst
einfach ignoriert

Und was mochma jetzt Herr Handke?
Jetzt bringen Sie mir bitte noch ein Krügel!
So einen Durscht Habens heit schon wieder?
Nein aber dann sind mir Häupl-mildernde
Umstände Bürgermeisterlich-Judikategorisch
sicher
Jetzt versteh´ ich schon überhaupt nix mehr
Herr Handke?
Glaub´ns i? Aber so ist des Leben nun einmal.
Prost Wirtin! Prost Herr Handke!


Was hab ich den Handke einmal geliebt. Bernhard, war mir trotzdem lieber. Zwei Großschriftsteller österr. Provenienz. Sie werden immer seltener.

Macht keinen Mut.
Wir verlieren uns in einer Zeit, die man notwendigerweise abschaffen sollte. Die an der Oberfläche schlummernde mortale Vergänglichkeit macht uns zu Schreibenden Hilfsgenossen, aus dem erdigen Reich, abstrakter Geschichtenerzähler. Kaum einer/e da, der etwas von der Qualität der beiden poetischen Heroen anzubieten hat. Unser tagtägliches Utensil die Klospülung verkommt zu alltäglicher unliterarschiger Handhabung (Bernhard schau owa). Vielleicht sind es auch nur Banalitäten, die in dieser Welt der potentiellen Massenmörder, keine Chance mehr abkriegen. Man sollte trotzdem den Zipfel beim Schopf packen, der Welt einen feuerspeienden Krater poetisch-bilderreicher Phantasien hinterlassen und sich schleunigst auf und davonmachen.

Ja ,wenn man so viele Frauen verdrescht wie Herr Handke

(e.g. Marie Colbin u.a.)
dann wünscht man sich als ex-Autor der MORAWISCHEN NACHT
vielleicht ein Maschinengewehr zu Verteidigung. In der LEHRE
DER ST. VICTOIRE erzählt Handke, dass der einzige Stolz
des einstiegen Stiefvater auf ihn war, dass
er das Exam zur Wehrpflicht bestanden habe - was mich, der von Handke's
Augenproblemen, dass er zeitweilig farbenblind ist, erstaunte.
Aber sowie ich weiss ist Handke ja dann nie eingezogen geworden.
http://handke-magazin.blogspot.com/2010/06/handke-magazine-is-over-arching-site.html

--


http://www.facebook.com/mike.roloff1?ref=name

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