Suhrkamp-Streit: Gericht entscheidet für Hans Barlach

2,18 Millionen Euro soll der Verlag an den Minderheitsgesellschafter Barlach zahlen. Der beendet nun die Mediationsgespräche.

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Suhrkamp Verlag. – (c) dapd (Thomas Lohnes)

Ein Urteil ist Mittwochvormittag gefallen, doch der erbitterte Rechtsstreit zwischen den Eigentümern des deutschen Suhrkamp Verlags ist damit noch lange nicht zu Ende. Das Landgericht Frankfurt hat entschieden, dass der Suhrkamp Verlag 2,18Millionen Euro an seinen Minderheitsgesellschafter, den Hamburger Medieninvestor Hans Barlach, zahlen muss.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, aber es stärkt Barlach, der 39Prozent am Suhrkamp Verlag hält und seit Monaten gegen Ulla Unseld-Berkéwicz prozessiert. Sie führt als Witwe von Siegfried Unseld die Familienstiftung an, die mit 61Prozent am Verlag beteiligt ist. Barlach hatte die Summe von knapp 2,2 Millionen Euro eingeklagt und sich auf eine Vereinbarung zwischen den Gesellschaftern vor dem Umzug des Verlages von Frankfurt nach Berlin Anfang 2010 berufen: Der Gewinn aus dem Verkauf des Frankfurter Verlagsgebäudes und des Verlagsarchivs ans Deutsche Literaturarchiv in Marbach sollte aufgeteilt werden. Die Geschäftsführung des Verlags aber verweigerte die Ausschüttung der Gewinne mit der Begründung, dafür brauche es einen weiteren Gesellschafterbeschluss.

 

Appell der Autoren blieb ungehört

Hans Barlach fühlt sich nach dem Urteil vom Mittwoch offenbar so bestärkt, dass er, wie die „FAZ“ online berichtete, nur eine Stunde nach der Urteilsverkündung über seinen Anwalt via E-Mail ausrichten ließ, er werde alle derzeit laufenden Mediationsverhandlungen beenden. Im Streit zwischen den Gesellschaftern des Verlages geht es vor allem um die Frage, wer welche Geschäftsführer einsetzen darf. Im Dezember hatte das Landgericht Berlin die Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz als Geschäftsführerin abgesetzt, u.a. weil sie rechtswidrig für den Verlag Event-Räume in ihrer eigenen Berliner Villa angemietet hatte, ohne den Mitgesellschafter darüber zu informieren. Unseld-Berkéwicz legte dagegen Berufung ein.

Bisher ungehört blieb der Appell der 160 Suhrkamp-Wissenschaftsautoren unter dem Titel „Eigentum verpflichtet“, einen Kompromiss zu finden. Zu Wort gemeldet haben sich auch so bekannte Suhrkamp-Autoren wie Peter Handke, der Barlach in der „Zeit“ als „Unhold“ bezeichnet hatte, der „prall des bösen Willens“ sei.

Rechtsexperten schätzen, dass der Streit nicht vor Ende 2013 geklärt sein werde. Im schlimmsten Fall könnte am Ende die Auflösung des Verlags stehen. awa

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2013)

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