Frankfurter Buchmesse: Deutsche Autoren benachteiligt?

Heute öffnet die Frankfurter Buchmesse ihre Pforten. Um den Jugendliteraturpreis ist ein Streit entbrannt: Deutschsprachige Autoren hätten zu wenig Chancen.

Frankfurter Buchmesse 2013
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Frankfurter Buchmesse 2013
Frankfurter Buchmesse – (c) imago stock&people (imago stock&people)

Heute, Mittwoch, wurde die 65. Frankfurter Buchmesse eröffnet, vorerst nur für das Fachpublikum. Für das allgemeine Publikum ist die Messe erst am Wochenende geöffnet. Bis zum Sonntag werden rund 280 000 Besucher zur Messe, die heuer das Gastland Brasilien ist Zentrum stellt, erwartet. Insgesamt sind 7300 Aussteller aus 100 Ländern vertreten. Etwa 1500 Autoren werden nach Angaben der Organisatoren kommen, einer hat öffentlichkeitswirksam Kritik an der Buchmesse geübt: der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho will nicht kommen und begründete das mit der von Brasiliens Kulturministerium vorgenommenen Auswahl der nach Deutschland eingeladenen Autoren. "Von den 70 eingeladenen Schriftstellern kenne ich nur 20, von den anderen 50 habe ich noch nie etwas gehört. Ich nehme an, das sind Freunde von Freunden von Freunden. Vetternwirtschaft", so Coelho in der "Welt am Sonntag". Auch um den Deutschen Jugendliteraturpreis, der am Freitag verliehen wird, gibt es eine heftige Debatte.

Mehrere Hundert Jugendbuchautoren haben einen offenen Brief unterschrieben, in dem eine Änderung der Vergabepraxis gefordert wird. Sie werfen den Organisatoren des Jugendbuchpreises vor, Übersetzungen internationaler Titel zu bevorzugen. Deutsche Autoren haben ihrer Meinung nach zu wenig Chancen. Sie fordern eine Änderung der Vergabepraxis.

Dürfen Unterzeichner nicht zur Preisverleihung?

Am Dienstag wurden nun Vorwürfe laut, die Unterzeichner des Briefes würden diskriminiert und nicht zur Preisverleihung zugelassen. Einer von ihnen ist der Göttinger Schriftsteller Wolfgang Bittner. Ihm wurde eine Karte verweigert, was er als "Eingriff in die Pressefreiheit" und "Ausdruck von Zensur" interpretierte. Der Verband deutscher Schriftsteller (VdS) schloss sich dieser Auffassung an.

Bittner habe lediglich keine Karte bekommen, "weil der Saal voll ist", sagte die Projektleiterin des Deutschen Jugendliteraturpreises, Julia Lentge, am Dienstag. Der Debatte um die Internationalität des Preises stelle man sich sehr wohl, sagte Lentge. Internationale Autoren würden aber nicht bevorzugt, die Jury urteile "allein nach Qualität".

Die Auszeichnung wird in sechs Kategorien vergeben (je 8000 Euro), dazu kommt ein Sonderpreis für das Gesamtwerk eines Autors mit 10.000 Euro.

Nominiert sind die argentinische Autorin Isol mit "Ein Entlein kann so nützlich sein", die Schwedin Stina Wirsén mit "Nalle liebt Oma", der Brite John Fardell mit "Der Tag, an dem Louis gefressen wurde", der Kanadier Jon Klassen mit "Wo ist mein Hut", sowie der Deutsche Einar Turkowski mit "Der Rauhe Berg" und "Der Pirat und der Apotheker. Eine lehrreiche Geschichte" von Robert Louis Stevenson (Text) und Henning Wagenbreth (Illustration, Übersetzung).

Erhalt der Buchpreisbindung gefordert

Bei der Eröffnung am Dienstagabend hatte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, den Erhalt der Buchpreisbindung gefordert. Diese dürfe bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA keinesfalls geopfert werden.

Im Vorfeld der Buchmesse, am Montagabend war der Deutsche Buchpreis vergeben worden. Heuer wurde Terézia Moras für ihren Roman "Das Ungeheuer" ausgezeichnet.

(APA/dpa)

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