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Der Mann mit den vielen Gesichtern

27.03.2007 | 18:06 |  THOMAS SEIFERT (Die Presse)

Porträt. Gefährlicher Islamist oder Brückenbauer? "Die Presse" traf Tariq Ramadan bei seinem Österreich-Besuch.

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Aus Deutschland weht der Pulverdampf des Kulturkampfes her, die Islamo-Angstlust geht um. Das Magazin „Der Spiegel“ titelt „Mekka Deutschland. Die stille Islamisierung“. Warum? Eine Richterin hat entschieden, dass eine Deutsche marokkanischer Herkunft sich nicht aus Angst vor Prügel scheiden lassen dürfe. Die Frau habe damit „rechnen“ müssen, dass ihr in einem islamischen Land aufgewachsener Mann sein im Koran (Sure 4) verbrieftes „Züchtigungsrecht“ ausübe.

„Darf man als Muslim also seine Frau schlagen?“, fragte die „Presse“ Tariq Ramadan. „Nein, meine Meinung dazu ist klar. Der Prophet hat seine Frau äußerst respektvoll behandelt, aus seinem Vorbild geht hervor, dass es gegen islamische Prinzipien verstößt, seiner Frau Gewalt anzutun.“ Und Steinigung? Ramadan ist für ein Moratorium. „Spricht Amnesty International nicht auch von einem Moratorium der Todesstrafe, weil die Menschenrechtler wissen, dass dies leichter durchzusetzen ist, als wenn man von „Abschaffung“ spricht?“

Tariq Ramadan ist ein Enigma. Fans halten den charismatischen Intellektuellen mit dem makellos getrimmten, graumelierten Dreitagesbart für einen muslimischen Martin Luther, einen Kämpfer für den Euro-Islam, einen mutigen Reformer und brillanten Brückenbauer. Gegner halten ihn für einen zweigesichtigen Wegbereiter „Eurabiens“, bezichtigen ihn des Antisemitismus, des Double-Speak, rücken ihn in die Nähe der fundamentalistischen Muslimbruderschaft.


Ein konservativer Reformer

Dieser Tage ist Ramadan in Österreich: Heute spricht er in Salzburg, am Wochenende war er Stargast der von der „Presse“ unterstützten Konferenz „Islam in Europa“, zu der die Diplomatische Akademie geladen hatte. Ramadan würde wohl versuchen, sein Publikum einzuschätzen, und je nachdem seinen Vortrag gestalten, konnte man Kurt Seinitz von der „Kronen Zeitung“ vor dem Vortragssaal hören – da war er wieder, der Vorwurf der Zweigesichtigkeit.

Ramadan lässt sich kaum in eine Schublade einordnen, das gibt er selbst zu. Vielleicht ist er ein konservativ geprägter reformistischer Salafi – ein rätselhafter Gegensatz, denn Salafisten lehnen Religionsreformen ab und gelten als streng orthodox. Verwirrenderweise kann Salafiyya aber auch als jene Tradition gesehen werden, die (unter dem Eindruck der europäischen Aufklärung) eine Reform des Islam anstrebte. Dass der konservative Intellektuelle Ramadan vom „Islamischen Sozialismus, nicht sozialistisch, nicht kapitalistisch, sondern als drittem Weg“ spricht, macht seinen politischen Standpunkt nicht klarer, bringt ihm aber bei einer orientierungslosen antiimperialistischen Linken, die ihr Heil ausgerechnet im Islam sucht, Sympathie ein.

Dass Ramadan Enkel des Gründers der ägyptischen Muslimbruderschaft, Hassan al-Banna, ist, macht ihn für Kritiker noch verdächtiger: Die Bewegung gilt als Wiege des politischen Islam, 1948 ermordete ein Anhänger der Bruderschaft den damaligen ägyptischen Premier Mahmud Fahmi Noukrashi, woraufhin ein Geheimagent 1949 al-Banna ermordete. Ramadans Vater, Said (al-Bannas Lieblingsschüler und Schwiegersohn), flüchtete nach dem Verbot der Bruderschaft 1954 nach Genf, wo er als Vertreter der Bruderschaft in Europa galt. Seinen jüngsten Sohn taufte er auf den Namen Tariq – eine Referenz an Tariq Ibn Ziyad, den muslimischen Eroberer Spaniens.

Kurz nach der Matura heiratet Tariq Ramadan eine zum Islam übergetretene Schweizerin, 1992 geht er zum Koranstudium nach Kairo, zurück in Genf verhindert er 1993 die Aufführung von Voltaires Stück: „Le fanatisme ou Mahomet le Prophète“ („Mahomet der Prophet“). Mit der Gründung der Organisation „Musulmans, Musulmanes de Suisse“ wird er der führende muslimische Aktivist in der Schweiz. 2004 bekommt er einen Lehrstuhl in den USA, den er wieder zurücklegen muss, weil ihm die Einwanderungsbehörden wegen des Patriot Acts die Einreise verweigern. Heute ist Ramadan Gastprofessor an der Universität Oxford.


Sympathie für „humanistische Atheisten“

In Wien trug er sein Credo vom Euro-Islam vor: Die Muslime hätten ein Recht auf ihre Identität, müssten sich aber zum Staat, in dem sie leben, bekennen. Seine Glaubwürdigkeit, sagt Ramadan zur „Presse“, beziehe er daraus, dass er mit Argumenten aus der islamischen Tradition operiere. Im Koran stehe nichts von Steinigung, ebenso wenig von der Beschneidung der Frau, oder dass Frauen (wie in Saudiarabien) nicht Auto fahren dürfen. Da würden Stammesriten als Religionsgebote dargestellt. Für ihn ist ijtihâd, kritisches Studium des Koran und der Hadithen, der Ausweg. Der Islam brauche Öffnung, Reform.

Und was ist mit den säkularen Humanisten, die sich zunehmend zwischen Fanatikern und Fundamentalisten, angstlüsternen Zündlern und Hasspredigern eingezwängt sehen? „Die kann ich beruhigen. Ich habe mit einem humanistischen Atheisten mehr gemein als einem Extremisten, auch wenn er sich auf Gott beruft.“

RAMADAN UND BURUMA

Heute, Mittwoch, spricht Ramadan mit dem Schriftsteller und Journalisten Ian Buruma beim Salzburg-Seminar über „Europa, Identität und Islam“. Buruma ist Autor des Buches „Die Grenzen der Toleranz. Der Mord an Theo van Gogh“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.03.2007)

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4 Kommentare
Gast: W.A.
28.03.2007 08:39
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Kann man einem Moslem glauben?

Kann man, soll man einem Moslem glauben? Der Koran verbietet es einem Moslem, andere Moslems zu belügen. Aber "Ungläubige" (aus Sicht des Korans alle Nicht-Moslems) können selbstverständlich belogen werden. Wenn es dem Islam und seiner Ausbreitung nützt, SOLLEN die Nicht-Moslems sogar belogen werden. Wer das nicht glaubt, möge Nicht-Moslems, die viel mit Moslems zu tun haben, z.B. die Israelis fragen, wie es mit der Vertragstreue der Moslems aussieht (Ausnahmen bestätigen die Regel). Faktum ist: Der Islam ist NICHT mit dem Christentum unserer Zeit vergleichbar. Eine Trennung von Staat und Religion ist im Islam grundsätzlich undenkbar. Auch die Türkei ist de facto ein islamischer Staat, nicht zu vergleichen mit den säkulären europäischen Staaten. Beweis: Gründen Sie einmal christliche Kirchen oder jüdische Synagogen in der Türkei. Und erleben Sie den Unterschied!

Gast: Dr. Hir.
27.03.2007 22:06
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Non fraudis est decipere, sed astutiae! Cave!!!

Taqiya (arab.: Vorsicht) = Verhaltensregel des islamischen Glaubens, die es dem Muslim ZWINGEND vorschreibt, seinen Glauben zu verleugnen bzw. weitgehende Konzilianz vorzutäuschen, wenn es ihm/dem Islam generell dient. Unter dem Schutzschild dieser Verschleierungstaktik läßt sich umso ungestörter die Strategie der schleichenden Islamisierung verfolgen.
Beweis seiner Tagiya: "Ich habe mit einem humanistischen Atheisten mehr gemein als ..." Warum? Darum: Fatwa über die Strafe für dem (vom Islam) Abgefallenen: = Todesstrafe. Alle 4 Rechtsschulen des Islam stimmen dieser Tatsache zu. "Wer vom Islam abfällt, entwickelt sich dadurch zu einem korrupten Glied in der Gesellschaft. Er muß von dieser (Gesellschaft) entfernt werden, sodaß sein Unheil sich nicht in der Gesellschaft verbreiten kann."

Antworten Gast: Hermit
20.01.2008 21:29
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Re: Non fraudis est decipere, sed astutiae! Cave!!!

"Taqiya" vor wenigen Wochen in ner TV-Disk. aufschnappen können...schlagartig wurde mir klar, warum ich (blond/blauäugig) so oft in (außer-&)schulische Fetzereien geriet (eigentlich fast nur mit Marokks; selten Türken, 1 Tunesier) oder im Rudel abgezogen wurde (der klassische "Hey-Kollega-ass-kla?"-Umarmer mit dem anschließenden Krummdolch im Rücken [O-Ton Jimmel M./Marokk]). Meine Faust zuckt heute klassisch konditoniert zusammen, sobald mich so jmd nach ner Kippe fragt. Daß das aber alles Berber sind, wie mir damals glaubwürdig vermittelt wurde, die alles, jeden und sich untereinander mit an Perfektion grenzender Verschleierungstaktik abziehen, möchte ich nach meinen einzigen positiven Reiseerlebnissen (mit ner Gruppe Berber!), in einem sonst desaströsen, alle Vorurteile aufs Heftigste bestätigenden Urlaub in Marokko so nicht mehr unterschreiben wollen - marokkanische Wirtschaft, egal von welcher Volksgruppe betrieben, wurzelt in schwerer Nötigung; bei Interesse in schwerem Betrug.

Gast: Mag. Klaus Kohout
27.03.2007 20:05
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Muhammad und "seine Frau"

Herr Tariq Ramadan sprach davon dass der Prophet "seine Frau" äußerst respektvoll behandelt hat. Er hat leider vergessen, welche Frau er gemeint hat.Muhammed hatte aber nachweislich zumindest 2 0
Frauen ( Khadija, Sauda, Aisha, Omm Salama, Hafsa, Zaynab, Jowayriya, Omm Habiba, Safiya, Maymuna,Fatima, Hind,Asma,Zaynab, Habla,Asma II,Fatima,Maria,Rayhana,Omm Sharik).
Welche der 20 Frauen meinte er damit?
Es ist historisch belegt, dass Muhammed, der teilweise 9(!) Frauen gleichzeitig hatte, manchen von Ihnen keine Zuneigung schenkte und sie nicht besuchte. Nebenbei waren seinenFrauen Sondereinschränkunge auferlegt,
so war es Ihnen nicht gestattet Schmuck zu tragen oder sich zu beschweren, außerdem durften sie sich niemals wieder verheiraten. Seine Lieblingsfrau Aisha
"vergaß" Muhammad sogar einmal in der Wüste... Ist damit respektvoller Umgang
mit Frauen gemeint?