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Europas Kultur im arabisch-islamischen Schulunterricht

14.02.2008 | 18:47 |  ANNE-CATHERINE SIMON (Die Presse)

Wie islamische Schulbücher das Christentum darstellen – und was sich ändert. In der Türkei verschwand mit einer ersten Schulbuchrevision 2000 der Vorwurf der christlichen „Schriftverfälschung“.

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Man kann es ohne Übertreibung bahnbrechend nennen: Bis Ende 2008 soll ein Guidebook entstehen mit Empfehlungen, wie man Europas Kultur im arabisch-islamischen Schulunterricht besser und fairer darstellen kann, und umgekehrt. Initiiert hat das Projekt die Arabische Liga, die Unesco ist Partner. Das Buch soll auf Arabisch, Französisch, Englisch, Deutsch, Spanisch erscheinen, geplant sind auch ein Internet-Experten-Netzwerk und Workshops in arabischen und europäischen Ländern.

Einer der Teilnehmer lehrt seit vergangenem Herbst an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Uni Wien. Wolfram Reiss, deutscher Religionswissenschaftler mit Schwerpunkt Islam, arbeitete vier Jahre lang an einer deutschen Studie mit: Um herauszufinden, welches Bild Schüler islamischer Länder vom Christentum vermittelt bekommen, hat das Team die Schulbücher von acht islamischen Ländern untersucht: Ägypten, Palästina, Türkei, Iran, Syrien, Jordanien, Libanon und Algerien.

„Insgesamt wird ein grundlegend positives Bild vom Christentum als Religion vermittelt. Bei der Darstellung der abendländisch-christlichen Kultur kommt aber in manchen Schulbüchern viel Abwertendes und Kulturkämpferisches zum Vorschein“, erzählt Reiss im Gespräch mit der „Presse“. „In ägyptischen Schulbüchern werden etwa die Kreuzzüge dazu benutzt, um deutlich zu machen, wie grausam, rückständig und feindlich Europa ist. Nicht zufällig folgt nahtlos die Kolonialzeit. In Syrien werden kurzerhand Zionisten, Juden und der Staat Israel mit den Kreuzfahrern identifiziert. Aber es gibt auch neutrale Beschreibungen, in Jordanien und Palästina ist nicht von einem interreligiösen Konflikt die Rede, da liest man von den ,Frankenzügen‘, auch von innerislamischen Konflikten dieser Zeit.“ Das Bild von den Kreuzzügen sei also nicht festgelegt, sondern folge der jeweiligen politischen Agenda. Insoweit sei das Bild auch veränderbar, meint Reiss.

In islamischen Religionsbüchern dominiert generell die islamische Perspektive – Jesus wird vornehmlich als verehrungswürdiger islamischer Prophet dargestellt. Einen besonderen Weg gehen die libanesischen Schulbücher. Sie nutzen Zitate aus dem Koran, der Bibel und Papstworte gleichermaßen zur Werteerziehung.


Weg vom Vorwurf der „Schriftverfälschung“

Seit, aber auch schon während der Studie habe sich viel verändert, erzählt Reiss. „In Syrien haben christliche und muslimische Vertreter vor zwei Jahren beschlossen, jeweils der anderen Religion ein Kapitel einzuräumen, in dem sich Christen den muslimischen Schülern vorstellen können und umgekehrt.“ In der Türkei verschwand mit einer ersten Schulbuchrevision 2000 der Vorwurf der christlichen „Schriftverfälschung“ (dass die Evangelien nur noch Spuren der göttlichen Offenbarung enthalten). Seitdem hätten sich auch Umfang und Ausgewogenheit der Darstellung verbessert. Von der frühchristlichen Geschichte des Landes und christlichen Minderheiten ist allerdings nach wie vor nicht die Rede.

„Die jordanischen Religionsbücher rufen zu einer Dschihad-Gesellschaft auf. Sie wurden aber in den 80er- und 90er-Jahren unter dem Einfluss der Muslimbrüder produziert und werden gerade revidiert. In den ersten schon publizierten Nachfolgern finden sich diese Klischees nicht mehr.“

Vollends ungerecht ist für Reiss das Image der palästinensischen Schulbücher. „Sie sind vorbildhaft, was die Vermittlung von Werten wie Demokratie, Frauenrechten oder Toleranz betrifft, und das Christentum wird überall gleichberechtigt neben den Islam gestellt.“ Eine israelische Organisation habe vor zehn Jahren den Vorwurf antisemitischer Hasspropaganda aufgebracht, um die Friedensgespräche zu torpedieren, sagt Reiss. „Damals verwendeten die Palästinenser gar keine eigenen, sondern 30 Jahre alte ägyptische und jordanische Schulbücher. Verschwiegen wurde, dass sie gerade dabei waren, ein eigenes Curriculum zu entwickeln. Zwei Jahre später waren die neuen Schulbücher da, da fand sich nichts mehr dergleichen.“

Im Iran war zumindest das Interesse an der Studie stark. „Präsident Khatami hat das Erziehungsministerium gebeten, die Vorschläge zu prüfen.“ Am schwierigsten von allen Ländern sei Ägypten, nicht nur wegen der Kulturkampfpolemik. „Dort findet man bis heute die heftigsten Antisemitismen, die Juden werden als Volk des Betrugs und Verrats bezeichnet“.

STUDIE: Das Vorbild

In den 70er- und 80er-Jahren untersuchte ein deutsches Projekt die Darstellung des Islams in deutschen Schulbüchern – und erstellte Empfehlungen. Das Projekt wurde auf weitere europäische Länder ausgeweitet und führte zu vielen Veränderungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2008)

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1 Kommentare
Gast: Gerd
26.02.2008 13:00
0 0

Wert einer Studie und ideologische Voreingenommenheit

Zitat:
"Vollends ungerecht ist für Reiss das Image der palästinensischen Schulbücher. „Sie sind vorbildhaft, was die Vermittlung von Werten wie Demokratie, Frauenrechten oder Toleranz betrifft, und das Christentum wird überall gleichberechtigt neben den Islam gestellt."
Geben Sie bitte auf youtube.com folgende Stichworte ein:
Hamas TV
Was sie dann sehen übertrifft Hitlers Stürmer. Solche TV-Sendungen sind nicht diametrial den Schulbüchern, sondern entsprechen deren Wertvorstellungen. Der Autor projeziert wohl sein ideologisches linkes Weltbild (Israel und USA = böse, Palästina = gut) in den Bericht, ohne sich ernsthaft damit befasst zu haben.