Buch: „Anschluss“ an der Uni Wien: Judenjagd

Antisemitismus war der rote Faden, der sich durch die Studentenpolitik der 1920er- und 30er-Jahre an der Uni Wien zog.

Jüdische Wissenschaftler wurden nicht habilitiert, Lehrende waren offen antisemitisch, Studenten demonstrierten schon 1918 für den „Anschluss“ an das Deutsche Reich. Ein Jahr danach wurde mit der „Deutschen Studentenschaft“ (DSt), der Vertretung aller Studenten „deutsch-arischer“ Abstammung, der „aggressive Antisemitismus“ institutionalisiert. Ab 1929 gab es fast täglich Ausschreitungen: Burschenschafter stürmten Hörsäle, riefen „Juda verrecke!“, prügelten „jüdisch aussehende“ Studenten zur Uni-Rampe, so Zeitzeugin Minna Lachs; die Polizei griff nicht ein. 1933 wurde die NS-dominierte DSt vorübergehend aufgelöst, an der Uni wurde eine Polizeiwachstube eingerichtet, die Zahl antisemitischer Übergriffe sank. Februar 1938, die erneute Wende: Massen von Studenten hoben auf der Uni-Rampe die Hand zum Hitlergruß. Ein Numerus clausus für schon inskribierte Juden sollte die „Überfremdung der deutschösterreichischen Hochschulen durch jüdische Hörer steuern“. Das Resultat: Die Zahl der Studenten ging im Semester 1938/39 um 23 Prozent zurück, drei Prozent der Vertriebenen wurden von den Nazis getötet. jule

Herbert Posch, Doris Ingrisch, Gert Dressel
"'Anschluss' und Ausschluss 1938. Vertriebene und
verbliebene Studierende der Universität Wien"

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2008)

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