Handke: "Den Nobelpreis sollte man endlich abschaffen"

Der Dichter kritisiert die "falsche Kanonisierung", die der Literaturnobelpreis mit sich bringe. Für Gewinner Modiano freut er sich trotzdem.

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Peter Handke – APA/GEORG HOCHMUTH

Der Dichter Peter Handke ist voll des Lobes für den französischen Literaturnobelpreisträger Patrick Modiano. "Modiano ist ein wirklich beachtlicher Autor mit einem einmaligen Werk", sagte der 71-Jährige Donnerstagabend in Wien. Die Auszeichnung bringe mit ihrer "falschen Kanonisierung" der Literatur dagegen nicht viel Gutes. "Den Nobelpreis sollte man endlich abschaffen."

Der Literaturnobelpreis bringe "einen Moment der Aufmerksamkeit, sechs Seiten in der Zeitung", aber für das Lesen bringe er nichts. Dass er in diesem Jahr selbst von den Buchmachern hoch gehandelt wurde, ließ Handke dennoch nicht ganz kalt. "Natürlich beschäftigt es einen, belästigt einen, dann ist man sich selber lästig, weil man darüber nachdenkt. Das ist so unwürdig, und zugleich ist man halt zeitweise so unwürdig."

"Bei vielen Autoren schwebt danach nichts mehr"

Der gebürtige Kärntner hatte Modiano in den 1980er Jahren für das deutschsprachige Publikum entdeckt und unter anderem dessen Roman "Eine Jugend" ins Deutsche übertragen. Modiano mache, was ihm vorschwebe, so Handke, und das Ergebnis schwebe dann weiter. Allerdings: "Bei vielen Autoren schwebt danach nichts mehr." Im Gegensatz etwa zum letzten französischen Nobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clezio sei Modiano ein richtig guter Schriftsteller. "Das ist etwas sehr Seltenes."

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Handke: "Es ergrimmt mich"

Die heftigen Proteste gegen die Verleihung des Ibsen-Preises an ihn vor wenigen Wochen aufgrund seines früheren Engagements für Serbien haben Handke unterdessen getroffen. "Das belastet mich nicht, es ergrimmt mich", sagte Handke. Im ersten Moment sei das so irreal, dass man es schwer ernst nehmen könne. "Aber dann zwei Tage später denkt man sich: Was ist das für eine Erniedrigung! Nicht für mich, aber für die Ernsthaftigkeit des Schreibens."

Er kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Ignoranz des politischen Journalismus, die er in Anlehnung an Nietzsche als "fröhliche Unwissenheit" bezeichnete. "Warum sollten die noch was lesen? Die finden das eine Zumutung und sagen ganz selbstbewusst: Warum soll ich lesen, was der da geschrieben hat? Die wissen überhaupt nichts und sind fröhlich dabei. Ich, wenn ich nichts weiß, habe dagegen immer ein schlechtes Gewissen."

(APA)

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