Die Schriftstellerin Christa Reinig, die vor allem mit der "Ballade vom blutigen Bomme" und dem Roman "Entmannung" bekannt wurde, ist tot. Reinig ist bereits am vergangenen Dienstag im Alter von 82 Jahren gestorben. Das teilte ein Sprecher des Düsseldorfer Verlags Eremiten-Presse, der die meisten Werke der Autorin verlegt hatte, am Montag mit. Reinig hatte den Angaben zufolge zuletzt in einem Hospiz in München gelebt und sollte anonym bestattet werden. Noch 2006 hatte die Schriftstellerin ein Buch mit philosophischen Betrachtungen veröffentlicht ("Das Gelbe vom Himmel").
In armen Verhältnissen aufgewachsen, wurde Reinig im Zweiten Weltkrieg Fabrikarbeiterin und stand später als Blumenbinderin am Berliner Alexanderplatz. Nach dem in Abendkursen nachgeholten Abitur studierte Reinig an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin Kunstgeschichte und Archäologie. Von 1957 bis Anfang 1964 war sie wissenschaftliche Assistentin am Märkischen Museum.
Ende der 1940er Jahre publizierte die gebürtige Berlinerin erste Gedichte. Ihre Debüt- Erzählung "Ein Fischerdorf" erschien 1946. In der ehemaligen DDR bekam Christa Reinig früh Probleme, weil sie sich nicht in die Schablone des "sozialistischen Realismus" pressen lassen wollte. 1964 nutzte die Autorin eine Ausreisegenehmigung für die Entgegennahme des Bremer Literaturpreises dazu, in der BRD zu bleiben.
Neben Erzählungen und Gedichtbänden wie "Müßiggang ist aller Liebe Anfang" und dem ersten Roman "Die himmlische und die irdische Geometrie" trat sie sich auch als Übersetzerin von russischen Werken hervor. 1999 erhielt sie den Brandenburgischen Literaturpreis.
(Ag.)
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