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Michael Crichton: Der zweite Schöpfer des Tyrannosaurus

06.11.2008 | 18:42 |  NORBERT MAYER (Die Presse)

Kaum einer verstand es so gut, Fakten und Fiktion zu Thrillern zu montieren wie Michael Crichton.

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Seinen Büchern merkt man an, dass er Substanz hat: Michael Crichton studierte in Harvard Anthropologie, schloss mit Auszeichnung ab, ging nach Cambridge, promovierte, zurück in Harvard, zum Doktor der Medizin und machte dann doch, was er seit seiner Jugend am liebsten tat und womit er sich auch (unter Pseudonymen) sein Studium finanziert hatte: Thriller schreiben. Das bedeutete für diesen von Wissen besessenen Riesen (zwei Meter acht) aus Chicago erst einmal: sammeln. Er war universal gebildet. Seine Dutzende Bestseller sind präzise recherchiert, Crichton stellte für seine Faction-Fiction fast wissenschaftliche Ansprüche.

Das macht seine Romane so glaubwürdig, zugleich aber hatte er unglaubliches Gespür für Trends und keine Scheu vor Trivialität. Deshalb wohl sind seine Bücher so beliebt. Die unheimliche Fantasiewelt Crichtons geht an die Grenze des Machbaren. Klonen? Warum nicht gleich das Monster aller Monster, T-Rex? Crichton schrieb „Jurassic Park“ (1990), als das Thema noch fast ausschließlich in Biologenzirkeln debattiert wurde. Er löste einen Saurierboom aus.Ökoterror? Tsunamiangst? Man nehme „State of Fear“ (2004) und grusele sich. Wirtschaft und Verbrechen? Man sollte „Rising Sun“ (1992) wieder lesen, um ein Gefühl für Missbrauch von Technik und Macht zu bekommen. Oder seinen letzten Roman „Next“ (2006). Mit John Grisham eiferte er darum, wer mehr Bücher unter den Top Ten hatte. Allein die Filmrechte von „Disclosure“ (sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz) waren Warner Brothers 3,5 Mio. Dollar wert. Crichton zahlte sich aus für die Studiobosse. Spielbergs Saurier- epos spielte 850 Mio. Dollar ein. Mehr als 100 Mio. Bücher hat Crichton verkauft, ein Dutzend wurde verfilmt. Er war auch als Regisseur und Produzent erfolgreich: Diese Karriere begann mit „Westworld“ (1973) und „Coma“ (1978), sie führte bis zu „Timeline“ (2003). „Emergency Room“ (ab 1994) wurde zur Nummer eins der TV-Serien. Crichton war der König Midas der Populärkultur.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2008)

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