Noch vor fünf Jahren war der Name Michael Stavari? dem österreichischen Literaturpublikum fremd. Am geläufigsten war er noch den P.E.N.-Club-Mitgliedern. Sie erkannten in ihm den Sekretär ihres Präsidenten Ji?i Gru?a. Heute schaut der 1972 in Brünn geborene und seit 1979 in Wien lebende Autor bereits auf Preise wie den Literaturpreis der Akademie Graz (2003), den Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur 2007, den Förderungspreis der Stadt Wien oder den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis (beide 2008) zurück. Soeben kam ein weiterer hinzu: Beim Literaturwettbewerb Wartholz erhielt Michael Stavari? den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis für seine Kindheitsgeschichte „Geister II“.
Der Literaturwettbewerb in Reichenau an der Rax wurde im Vorjahr begründet und fand heuer vom 18. bis 21. Februar zum zweiten Mal statt. In seiner Konzeption ist er dem Klagenfurter Bachmann-Preis abgeschaut: Autoren lesen vor einer Jury unveröffentlichte Texte, die danach diskutiert werden. Von der Kompetenz der Jury her unterscheidet sich der Wettkampf an der Rax nicht von jenem am Wörthersee. Mit den Kritikerinnen Meike Feßmann und Katja Gasser sowie den Kritikern Bernhard Fetz und Hubert Winkels wurden Juroren gefunden, die auch dort gute Figur machen würden. Was Wartholz vom Wörthersee unterscheidet, sind die Teilnehmer. Nicht der Nachwuchs des Literaturbetriebs steht hier vor der Kamera, sondern Literaten jeglichen Alters präsentieren einem kleinen, aber poesiebegeisterten Publikum ihre Texte.
Preise auch für Lyrik
Bis weit in das vergangene Jahrhundert hinein hat die Lyrik in der Literatur eine zentrale Rolle gespielt – und tut das in anderen Sprachen noch immer. Dass Gedichte zum Wartholzer Wettbewerb nicht nur eingereicht, sondern auch verlesen und sogar prämiert werden, ist ein Gewinn für diese Veranstaltung. So hat diesmal der süddeutsche Lyriker Christian Schloyer den Blazek-Preis und damit 4000 Euro erhalten, die Kölner Autorin Andrea Heuser ein zweimonatiges Stipendium in Reichenau.
Schon nach seiner Lesung wurde Schloyer als Entdeckung gefeiert. Noch größer die Überraschung, als er am Abend auch beim Kegeln brillierte und damit bewies, dass Lyriker nichts weniger als weltfremd sind. „ich les nun täglich von der weltwirtschaftskrise“ heißt eines seiner welthaltigen Gedichte, das folgendermaßen endet: „steter sturm der höhlt // das hirn ich bin so voll von dir / du ungebrochne // leere an der ich mir die fingerspitzen / wärme die blätter gehen // waagrecht + falln früh / ins haus“. Viel hermetischer dagegen die Lyrik Andrea Heusers, die aus einem Zyklus vortrug, der „die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt“ einer Katze beschreibt.
Der Mut zu Unkonventionellem ist es, was diesen von der Familie Blazek geschaffenen Bewerb von ähnlichen unterscheidet. Nicht Verlage sortieren die eingereichten Manuskripte, sondern eine Vorjury aus Laien wählt aus den (beim letzten Mal 600) Einsendungen circa 50 für die Jury aus. Dementsprechend vielfältig ist auch die vorgestellte Literatur. Prämiert werden hier nicht „Wettbewerbstexte“, sondern etwa auch jener der 18-jährigen Rita Tiemann, die den Newcomer-Preis und damit eine Veröffentlichung im Avorell Verlag zuerkannt bekam. Das Publikum entschied sich für eine Geschichte Eva Romans, die dafür 2000 Euro erhält.
Hauptpreisgewinner Stavari? war im Übrigen auch beim Kegeln der Beste: Er schaffte es als Einziger, alle neun zu schieben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2009)
Die Filme der Woche ''Men In Black'' in 3D, Liebe, Sex und Terrorismus
Die Hölle Krieg in Vietnam Preisgekrönter Fotograf Horst Faas ist tot
Milliarden-Streifen Die 12 erfolgreichsten Filme der Kino-Geschichte
Günther Kaufmann ist tot Ein Leben wie ein Film
Song Contest Die Gegner der Trackshittaz