Illustrationen: Kinder und Jugendbücher

Illustrationen in einem Kinderbuch eröffnen eine ganz neue Welt. "Die Presse Schaufenster" präsentiert eine kleine Auswahl.

Schließen
(c) Ehapa Verlag

„Kommt, wir feiern Nikolaus“

„Wie wunderbar, denkt Nikolaus, und handelt mit dem Käptn aus, Getreide für ein wenig Brot und weg ist da die Hungersnot.“ Mama liest den Kindern die Geschichte des echten Nikolaus, des Bischofs von Myra, vor, und nachher wird gefeiert. Für Freunde traditioneller Illustrationen und Geschichten.

Lene März, Rike Janßen, „Kommt, wir feiern Nikolaus“, Gabriel Verlag, 26 Seiten, 10.30 Euro, ab 2J

 „Am Nordpol ist alles wieder gut“


„Die Unterwasserwelt ist fantastisch. ,Schau!', ruft Leppo begeistert. ,Wie still es im Ozean ist!' Plötzlich ist da eine Riesenkrake... Papa und Mama sitzen am Bett ihres kranken Buben – und sie wollen alles für ihn tun. Leppos Wunsch ist überraschend: Er will die Welt sehen. Also besteigt Papa mit seinem Sohn einen Fesselballon. Die Steirerin Helga Bansch hat schon viele entzückende Bilderbücher gemacht, als Autorin, als Illustratorin. Dieses ist ein gleichermaßen fantasievolles wie praxisnahes.


Helga Bansch (Text und Illustration) „Am Nordpol ist alles wieder gut“, Nilpferd/ G & G (wo auch Bansch-Bücher wie „Drei Katzen“ und „Die schöne Meerjungfrau“ erschienen sind), Bilderbuch, ab 3J

 "Die wunderbare Geschichte des Eiffelturms“

„Eiffel ist ein glücklicher Ingenieur. Er ist jung, begabt, verliebt.“ Aber seine Frau Cathy ist krank, schnell geht es mit ihr bergab, kein Doktor kann helfen. Da hat Eiffel eine Idee, Schienen, die in die Wolken führen. Eine hinreißende und schwebend illustrierte Geschichte über einen der berühmtesten Türme der Welt.


Alice Brière-Haquet & Csil „Madame Eiffel. "Die wunderbare Geschichte des Eiffelturms“, Bilderbuch, ab 3J, Kleine Gestalten, 14.95 Euro

 „Florian Federleicht und die Suche nach der Zauberperle“


„Überall kommen Schafe aus einer gigantischen Wolke herausgeflogen. Schon hat die Wolke den Himmel verdunkelt und es ist eisig kalt geworden.“ Florians Bruder Maxi ist schwer krank. Nachts klopft ein Vogel an Florians Fenster und behauptet, nur Florian kann Maxi retten. Florian verweigert zunächst die Gefolgschaft, dann geht er los, er trifft eine klebrige Schnecke, eine Schildkröte und den König der Fische, dann aber dräuen Monster. Sehr bunt, im Stile von Henri Rousseau illustriertes Bilderbuch.


Alexandra Uccusic, Andreas J. Hirsch „Florian Federleicht und die Suche nach der Zauberperle“, Edition Kastanienfluss, Bilderbuch, 16.80 Euro, ab 4J

 „Das Zebra unterm Bett“


„Papa Konrad erschien müde an der Tür. Er rieb sich die Augen. ,Was ist los?', fragt er. ,Das ist Bräuninger!', sagte Papa Paul und deutete auf das Zebra.“ Hanna wurde von zwei Herren adoptiert, sie liebt ihre zwei Väter und diese lieben sie. Eines Morgens findet sie ein Zebra unter ihrem Hochbett. In der Schule sorgt das Tier für Aufregung. Es kann sprechen, schreiben und rechnen. Trotzdem findet der Direktor, dass Bräuninger keinesfalls bleiben kann. Eine einfache Geschichte mit Subtext: Bräuninger sorgt dafür, dass Hanna selbstbewusster wird.


Markus Orths, Kerstin Meyer „Das Zebra unterm Bett“, Moritz-Verlag, 72 Seiten, 10.30 Euro, ab 6J

„We Are in a Book! Mein erstes Buch auf englisch“ 

„,Someone is looking at us!“ ,Who is looking at us?'“ Der Elefant mit Brille und das Schwein lernen ihre Leser kennen, sie freuen sich, dass sie in einem Buch sind – und ihre größte Sorge ist, dass das Buch auf Seite 57 zu Ende sein könnte. Dieses Englisch-Buch für Erstleser im Comic-Stil ist auch eine Art Spiel. Bei Klett-Kinderbuch erschien auch „All the children“, ein Büchlein mit englischen Reimen von Kindern, auch dieses ist sozusagen interaktiv, wer weiterreimen will, kann es versuchen: „All the children fly to the moon, except for Grace who is lost in space.“


Mo Willems „We Are in a Book! Mein erstes Buch auf englisch“, Klett-Kinderbuch-Verlag, 64 Seiten, ab 6J, 10.30 Euro (dieses Buch gibt es auch auf deutsch: „Das Buch über uns“)

 „Das Leben ist kein Wunschkonzert“

„Nach einer halben Stunde ging die Tür wieder auf. Frau Liebig streckt den Kopf heraus. ,Noch einen Kakao?', fragte sie.“ Rosalie und ihre Mutter sind von der kleinen in die große Stadt gezogen. Dort gibt es grässliche Menschen wie Herrn Westernwelle, der ständig „Ruhe!“ brüllt und bezaubernde wie Frau Liebig, die versteht, was läuft, ohne, dass man ihr etwas erklären muss. Rosalies alleinerziehende Mutter muss sehr viel arbeiten, Rosalie beschließt, sie zu verkuppeln, aber mit wem? Mit Rosalies Lehrer?


Sabine Bohlmann „Das Leben ist kein Wunschkonzert“, 272 Seiten, Planet Girl, ab 9J, 13.40 Euro

 „Träum niemals von der wilden Jagd. Die Abenteuer von Jannis, Motte und Wendel, dem Schrat“

„Bist du erst an Jannis' Baum/gehst zehn Schritt zum Birkensaum/Unterm roten Buchenblatt/findest du dann Eicheln satt!“ Elf Jannis ist so faul wie Biene Majas Freund Willi. In der Sommerschule hat er nicht aufgepasst, nichts für den Winter gesammelt und auch im tollen Buchenblatt-Versteck findet er nichts zum Futtern. Aber er hat seine Freunde, Motte, das pfiffige Elfenmädchen, und Wendel, den Schrat. Eiskalt ist es im Winterwald, und es herrscht große Angst vor der Wilden Jagd. Der Berliner Wieland Freund hat viele fantasievolle und fantastische Romane geschrieben.


Wieland Freund, Joekke Tourlonias (Illustrationen) „Träum niemals von der wilden Jagd. Die Abenteuer von Jannis, Motte und Wendel, dem Schrat“, 232 Seiten, Beltz Gelberg, 14.95 Euro, ab 9J

 „Emmi und das Jahr, in dem Weihnachten an Ostern begann“

„Sie leuchtete wie im Scheinwerferlicht. Sie sah schön aus, aber was sie tat, war alles andere als schön. Sie knutschte den Riesen.“ Emmi fliegt mit ihrer Mutter auf eine Schlittenhundefarm nach Finnland. Sie hofft auf einen Husky. Stattdessen wird sie dem neuen Freund ihrer Mutter vorgestellt und der hat einen Sohn, Jari. Erbost beschließen die beiden Kinder, ihre Eltern auseinander zu bringen. Angelika Glitz hat 24 Kinderbücher geschrieben. Die Betriebswirtschafterin, die als Werbetexterin gearbeitet hat, hat einen guten Riecher für das, was Kinder heute beschäftigt. Kein Wunder, sie ist selber Mutter dreier Kinder.


Angelika Glitz „Emmi und das Jahr, in dem Weihnachten an Ostern begann“, Fischer-Verlag, 176 Seiten, 13.40 Euro, ab 10J

 „Die rote Masche. Ein Shoahbuch für Kinder und Erwachsene“

„Die Tante Leni, die Tante Kamilla, die Tante Popper und die Mama richten zusammen das Frühstück her. Es gibt kaum etwas, nur das dunkle, harte Brot und den Ersatzkaffee.“ Als Kind war Annika Tetzner, die heute als bildende Künstlerin in Israel lebt, im KZ Theresienstadt. Ihr Buch erinnert an Anne Frank, diese Mischung aus Verzweiflung, Resignation und hellen tröstlichen Momenten mit der Familie, dem großen Bruder und Annikas bestem Freund, dem einbeinigen Hampelmann Maximus. Eines Tages beginnt Herr Maximus zu sprechen und erzählt, er sei ein Zauberer.


Annika Tetzner „Die rote Masche. Ein Shoahbuch für Kinder und Erwachsene“ mit einer Einleitung von Elisabeth von Samsonow, edition splitter wien, 112 Seiten, 15 Euro, sieben bis 10J

 „Press Play“


„Mein Dad meinte, er hätte einmal eine Stimme gehört. Als er noch ein Junge war. Es war die Stimme eines Mädchens, die zu ihm sprach. Sie hätte ihm geholfen, sagt er.“ Ein Fantasy-Buch der etwas anderen Art, zart und originell. Ryans Mutter ist tot, sein Vater hat wieder geheiratet. Der Sohn seiner neuen Frau Sophie, Nathan, ist ein absoluter Widerling. Die introvertierte Ameliah hat gar keine Eltern mehr und wächst bei ihrer Großmutter auf. Am liebsten beschäftigt sich Ameliah mit den Hinterlassenschaften ihrer verstorbenen Mutter, die Gitarre gespielt hat. Und dann ist da noch dieser alte Kassetten-Rekorder, aus dem es knistert und eines Tages hört Ameliah eine Stimme. Autor Steven Camden ist in Großbritannien ein bekannter Slam-Poet. Er wirkt wie ein Mini-Shakespeare. Seine lautmalerischen Clips als „Polarbear“ („It's about love“, „The Birth of a Poet“) sind auf Youtube zu sehen, dort stellt er auch sein Buch vor.


Steven Camden „Press Play“, übersetzt von Alexandra Ernst, Ravensburger, ab 12J, 342 Seiten, 17,47 Euro

„Hoover“ 

„,Ich kümmere mich um Opa!', hörte er plötzlich seine Stimme, die tiefer klang als sonst. ,Du? Wie willst du das denn machen?'“ Hoover heißt eigentlich Tim, Timmi oder Timmilein, alle drei Namen kann er nicht ausstehen, darum hat er sich in Hoover umbenannt, nach dem Staubsauger. Klingt cooler. Seinen Opa liebt der Bub über alles. Als der Großvater aus dem Krankenhaus kommt, will Hoover auf ihn aufpassen. Aber der Opa ist etwas eigenwillig, er verlangt Bier und spricht mit der toten Oma. Und auch Hoover ist eigenwillig. Statt den Großvater zu hüten, verreist er mit ihm, nach Paris, wo Opa Oma kennen gelernt hat, auf einer Parkbank. Liebevoll beobachtet, in literarischem Stil geschrieben, ein feines Buch


Ute Wegmann „Hoover“, Reihe Hanser bei dtv, 208 Seiten, , 8.99 Euro, ab 11J

„Mohammed. Das unbekannte Leben des Propheten“ 


„Wie sollte Mohammed beweisen, dass er mehr war als ein Dichter oder Wahrsager.“ Mohammed-Biografien gibt es viele. Diese ist etwas Besonderes. Lorenz Just, 32, Islamwissenschaftler, hat eine umfangreiche, lebendige und vielschichtige historische Betrachtung rund um die Entstehung des Islam gebaut, in der das Spirituelle eine zentrale Rolle spielt. Religion wird ernst genommen, nicht angezweifelt oder ironisiert, ein durchaus erfrischender Kontrast zum Mainstream. Ausführlich wird das jüdische und christliche Umfeld beschrieben, in dem Mohammed sich durchsetzen musste, was keineswegs einfach war. Just hat in Kairo, im Libanon gelebt, Jemen und Syrien bereist. Sein Buch beginnt mit einem persönlichen Erlebnis am Dschabal Musa (auch Mosesberg, Berg Sinai).


Lorenz Just „Mohammed. Das unbekannte Leben des Propheten“, Gabriel, 240 Seiten, 24.90 Euro, ab 14 J

 „Kill U, Wer verliert, muss sterben“


„Zusammen schlichen sie zu den Bäumen, die das Schulgelände umgaben, und hielten sich geduckt im Schatten der Zweige. Irgendwo in der Nähe zog Sylvester, der Hausmeister, seine Runden.“ Grace und Pete sind Kunststudenten und widmen ihre Freizeit dem Graffiti, eine aus verschiedenen Gründen gefährliche Beschäftigung. Wegen der akrobatischen Fähigkeiten, die man braucht, um auf Bahnbrücken herum zu klettern, aber auch weil die beiden aus dem Dunkel angegriffen werden. Wird es den Freunden gelingen, in den „Klub der 100“ (die 100 „tags“ gesprayt haben) aufgenommen zu werden? Autorin Carla Spradbery, Britin, widmete sich nach zehn Jahren Jugendarbeit nun dem Schreiben für Teenager. Von ihr sind eine Reihe spannende und informative Bücher der Sorte „Dark Literature“ erschienen. „Kill U“ bietet auch eine Einführung in die Graffiti-Szene.


Carla Spradbery „Kill U, Wer verliert, muss sterben“, übersetzt von Petra Knese, 272 Seiten, Coppenrath, 14.95 Euro, ab 14J

 „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“


„Sie begutachtete mein T-Shirt. Ich hatte ein Gespür für missbilligende Blicke. Bevor sie mich zwang, mich umzuziehen, warf ich ihr einen meiner typischen Blicke zu. ,Das ist mein Lieblings-T-Shir“, sagte ich.'“ Ari heißt eigentlich Aristoteles, sein Vater ist vom Vietnam-Krieg traumatisiert, sein Bruder im Gefängnis. Aber die Mama, die sich hier beklagt, dass ihr Sohn keinen Wert auf sein Äußeres legt, ist soweit stabil, eine Highschool-Lehrerin. Ari fühlt sich einsam, es ist Sommer, er kann nicht einmal schwimmen. Da lernt er Dante kennen, der nicht nur schwimmen kann, sondern auch ganz anders ist als Ari: extrovertiert, ungeniert und dennoch feinfühlig. Die zwei Burschen freunden sich an. Benjamin Alire Sáenz stammt aus New Mexiko, er hat Theologie und Philosophie studiert. Sein Buch ist unterfüttert mit existenziellen Themen Heranwachsender und auch für Erwachsene gut zu lesen, die ihre pubertierenden Kinder nicht verstehen.


Benjamin Alire Sáenz „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“, übersetzt von Brigitte Jakobeit, 384 Seiten, Thienemann, 14.99 Euro, ab 14J

 „Mach Fehler!“


„Eigentlich hätte es ziemlich großartig werden können: Kim, Sina, Daphne und Maraike, drei Tage allein beim Skifahren, ohne Eltern, ohne Schule, ohne Stress.“ Aber dann passiert Unvorhergesehenes. Daphne sagt ab. Der Bursch, der mit Sina mitkommt, hat eine feste Freundin, die nichts von seinem Flirt mit Sina weiß. Und Kim hat ihrem Bruder das Reisegeld geklaut. Das Buch heißt nicht Schuld, obwohl es darum geht, sondern: „Mach Fehler!“ Es ist ein Ratgeber in Form einer Geschichte, die davon handelt, was man nicht tut. Und plötzlich unterläuft einem etwas, ganz plötzlich, per Zufall. Abgründe tun sich auf. Was tun? Die 19jährige Münchner Autorin Fee ist Poetry-Slammerin. Auf „oetinger 34“ schreiben und zeichnen Jugendliche für Jugendliche. Es gibt noch weitere kleine, schmale Bücher in der Reihe Ratgeber schreibender Poetry-Slammer bei Oetinger, etwa „Verlieb dich!“, „Dreh durch!“ oder „Feier dich!


Fee „Mach Fehler!“, Reihe: #tEXtGolD, Oetinger-Verlag, 96 Seiten, ab 14 J, fünf Euro.

 „Herman Melville, Moby Dick, Graphic Novel“

„Für jeden tiefsinnigen Wanderer muss dieser heitere Stille Ozean auf den ersten Blick für alle Zeit das Meer seiner Sehnsucht sein, die neue Wahlheimat inmitten der Wasser der Erde, deren Leib er ist.“ Der Elsässer Christophe Chabouté hat die berühmte Saga über den weißen Wal, ein Bubentraum, illustriert, passend zum Stoff, finster und nah am Original.


Chabouté „Herman Melville, Moby Dick, Graphic Novel“, Egmont Verlag, 256 Seiten, 29.99 Euro, ab 14J

 

Kommentar zu Artikel:

Illustrationen: Kinder und Jugendbücher

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen