Vermittlerin griechischer Literatur geehrt

Michaela Prinzinger wurde mit dem Staatspreis für literarisches Übersetzen ausgezeichnet.

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Es war eine Premiere beim Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzungen, der jährlich vom Bundeskanzleramt vergeben wird: Mit der in Wien geborenen Michaela Prinzinger als einer der beiden Preisträgerinnen wurden erstmals Übertragungen aus dem Neugriechischen ins Deutsche ausgezeichnet. Bekannt wurde die Wahl-Berlinerin vor allem durch ihre Übersetzungen der Bestseller-Krimis des Griechen Petros Markaris – sein behäbiger Inspektor Kostas Charitos kämpft in Athen gegen Chaos und Korruption an. Prinzinger ist aber auch, weniger bekannt, die Stimme der Autorin Ioanna Karystiani im deutschsprachigen Raum. Sie hat auch selbst schon zur Feder gegriffen und einen literarischen Reiseführer für Kreta verfasst.
Prinzinger sieht den Preis als „Hoffnungsschimmer“. Die Dominanz der angloamerikanischen Texte sei derart groß, dass Griechenland, wie so viele andere Länder, normalerweise am Rande liegen gelassen werde. Vorherrschend sei eine Kultur der „Bedenkenträger“. Wenn eine Übersetzung nicht auf Anhieb 10.000 Leser verspreche, sei sie für den Buchmarkt uninteressant. Das änderte sich auch nicht nach der Frankfurter Buchmesse des Jahres 2001, bei der es einen Griechenland-Schwerpunkt gab. Ein Autor müsse sich, um den Schablonen zu entsprechen, thematisch unbedingt mit den Problemen seines Landes auseinandersetzen – ohne dabei penetrant zu wirken. Das sind schwierige Auflagen für Autoren, die auf den Auslandsmarkt drängen.

 

Deutsch-griechischer Blog

Angesichts dessen ist es nicht einfach, die Rolle als Vermittlerin griechischer Kultur zu erfüllen, die in der Preisbegründung ausdrücklich gelobt wurde. Doch Prinzinger hat einen kreativen Weg gefunden, ihren Frust in ein positives Projekt umzuwandeln. Im Herbst 2014 startete sie im Internet diablog.eu, einen Blog, der deutsch-griechischen kulturellen Begegnungen gewidmet ist und mit dem sie das Publikum direkt anspricht, dem eben diese Begegnungen von den Verlagen vorenthalten werden. Hier hat sie eine Plattform für griechische Kultur geschaffen. Als Kind einer Übersetzerin ist diablog.eu aber vor allem eines: strikt zweisprachig. Damit auch jeder die Möglichkeit hat, sich ein Bild zu machen, der des Griechischen nicht mächtig ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2016)

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