Klassiker, Kühe, Zombie-Piraten, wilde Zwillinge aus New York – und Flüchtlingsgeschichten

Weihnachtliche und unweihnachtliche Lektüre für kleine, größere Kids und junge Erwachsene: Da gibt es zum Beispiel einen Adventkalender in Buchform, eine Reise mit Gedichten von Mascha Kaleko oder Pop-Literatur.

Nussknacker und Mausekönig
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Nussknacker und Mausekönig
Erschienen bei minedition – (c) hifai

Zu Weihnachten widmen wir uns gern der Religion und alten Märchen. Zum Beispiel einem Sachbuch über die Glaubensgemeinschaften dieser Welt sowie „Nussknacker und Mausekönig“ nach E. T. A. Hoffmann. Manche sehnen sich nach dem Süden. Manche müssen ihr Heimatland verlassen, weil dort Krieg herrscht. Manche hoffen, dass sie im Land, das ihnen Zuflucht bietet, auch willkommen sind und ihre Wurzeln nicht verleugnen müssen. Und manche wollen in den Feiertagen einfach Spaß haben mit Lesestoff. Neue Kinder-, Jugendbücher – und Graphic Novels. Whats App, Mails und andere neue Kommunikationsmedien sind nun auch beim Buch angekommen.

Hier geht es nicht um Winter, sondern um den französischen (genauer: bretonischen) Sommer, wo vielleicht einige von uns jetzt gern wären: Monsieur Hulot erlebt am Strand allerlei wortlose Abenteuer, erst verheddert er sich in seinem Liegestuhl, dann fällt ihm ein Ball auf den Kopf, seine Zeitung fliegt mit einem Drachen davon, seinen Schuh stiehlt eine Möwe. Monsieur Hulot ist ein berühmter Filmheld und Tollpatsch, den Jacques Tati berühmt gemacht hat. Dem belgischen Illustrator David Merveille ist eine heiter-subversive Wiederbelebung mit einer ganze Reihe von Hulot-Bilderbüchern gelungen.

David Merveille nach Jacques Tati „Monsieur Hulot am Strand“, Nordsüd, Bilderbuch, ab 4J, 16.99 Euro

Ins Weltall mit der neugierigen Maus

„Die Rakete war fast fertig. Blitzend und funkelnd stand sie in dem ansonsten völlig verrußten Kaminschacht.“ Eine Maus fliegt zum Mond und gleichzeitig wird die Geschichte der Raumfahrt erzählt, vor allem vom ersten Menschen auf dem Mond, Neil Armstrong. Von Torben Kuhlmann ist auch „Lindbergh – die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus“, dieses Buch handelt von Charles Lindberghs Flug über den Ozean 1927 von New York nach Paris - und der Entwicklung der Luftfahrt. Beide Bände sind informativ, originell und aufwendig klassisch bebildert.

Torben Kuhlmann „Armstrong. Die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond“, 128 Seiten, NordSüd, 19.99 Euro, ab 5J

Nächtliche (Alp-)Traumreise

„Marie war im Halbschlaf, als sie die Uhr zwölfmal schlagen hörte. Mitternacht!“ Wundervoll ist das Ballett von Tschaikowski - und nicht unkompliziert die Originalgeschichte von E. T. A. Hoffmann über die Feindschaft zwischen „Nussknacker und Mausekönig“. Dieses Bilderbuch ist nicht nur schön altmodisch illustriert, sondern erzählt die Geschichte übersichtlich, ohne das Original zu verfälschen.

E. T. A. Hoffmann „Nussknacker & Mausekönig“, nacherzählt von Renate Raecke zu Bildern von Yana Sedova, 36 Seiten, minediton, ab 5J, 19.95 Euro. (Renate Raecke hat Literatur-und Kunstgeschichte studiert und auch Bücher über den fantasievollen Kinderbuch-Veteranen James Krüss und über Meerjungfrauen herausgegeben)

Nussknacker und Mausekönig
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Nussknacker und Mausekönig
Bebildert von Yana Sedova – (c) hifai

Advent, Advent

„In jedem Fall möchte ich Engel werden. Natürlich nicht im wahren Leben. Da will ich lieber laut sein und mich dreckig machen dürfen.“ Für einen Advent-Kalender in Buchform ist es schon ein bisschen spät, aber um die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen, ist Lesestoff allemal willkommen. Zum Beispiel dieser mit Texten von Kästner, Janosch, Nöstlinger und vielen anderen beliebten Schriftstellern.

„24 Geschichten für die Weihnachtstage“ von Kirsten Boie, Erhard Dietl, Hans Christian Andersen u. a. 184 Seiten, Oetinger, ab 6J, 13.30 Euro.


Die Zukunft des Bauernhofs

„Ich liebe Kühe. Sie haben so treue Augen und so hübsche Wirbel über den Nüstern. Und ihre Zunge, die kitzelt fürchterlich!“ Josefs Vater und Großvater sind Bauern, aber den Hof weiterzuführen, zahlt sich finanziell nicht mehr aus. Daher wird eine Kuh nach der anderen verkauft. Josef ist untröstlich, er ist zwar kein Morgenmensch, aber er wird es üben, versprochen! Papa sagt, was man nicht kann, muss man üben. Die neu zugezogenen Städter wollen spürbar nichts üben, sie regen sich auf - über den Misthaufen, per Mail. Und Josefs Schwester Jasmin will sowieso in die Stadt ziehen. Wird es Josef gelingen, seine Lieblingstiere zu retten?

Kirstin Breitenfellner, Mathias Nemec „Lisa & Lila dürfen bleiben“ 64 Seiten, Picus Verlag, 13 Euro, ab 7J

Bücher wie Computerspiele

„Der Zombie-Pirat hat mich. Dieser reanimierte Räuber wird jeden Moment seine Beisserchen in mein weiches, warmes, leckeres Nackenfleisch graben!“ Wollten Sie schon immer wissen, warum ihre Kids von Computerspielen nicht lassen können? Aber Sie waren beim heimlichen Ausprobieren zu langsam für die nächste Ebene, stimmt's? Hier können Kinder und Eltern sich gemeinsam mit einem Buch anfreunden, das Computerspielen sehr ähnlich ist: Der Bub Cosmoe wurde von der Erde ins Weltall katapultiert und freundet sich mit einem schrägen, aber schlauen Alien namens Humphree an, aber auch eine böse Prinzessin will bei den Abenteuern der zwei Knaben mitmachen. Ein Mädchen! Das geht erst einmal gar nicht! Comics sind eine Kunstform, auch wenn der Plot der All-Reise schlicht und allzu bekannt anmutet, das Meisterliche steckt in der Ausführung und im Detail dieser liebevoll gestalteten lautmalerischen Geschichten. Vom New Yorker Max Brallier stammt auch „The Last Kids on Earth“ (Illustrationen: Douglas Holgate, in englischer Sprache)

Max Brallier, Rachel Maguire, Nichole Kelly, Übersetzung: Nadine Mannchen. „Galactic Hot Dogs – Würstchen im All“ und „Das Würstchen schlägt zurück“, Oetinger, 304 Seiten, ab 8 J, 10.30 Euro

Zwischenrufe von Kindern und Katzen

„,Es riecht jetzt überall nach Weihnachten“ Johanna Maria Magdalena Knipsel ist glücklich. Aber nicht immer. Ihr echter Vater lebt in Australien, weil er Fernweh hatte. Ihr Ziehvater ist ein Riese, die Mama sehr klein. Das ist kein Problem. Aber in der Schule lauert die Klassensprecherin auf jeden kleinen Fehler, den sie melden kann. Und vollends unerträglich sind ein paar gewaltbereite Buben, die in der Gruppe „Faustlos“ gezähmt werden müssen, was nicht immer gelingt. Besonders schlimm ist ein Knabe namens Leo. Aber dann taucht die etwas bizarre Zoe Sodenblatt aus New York auf, sie riecht nach Vanille und das Beste an ihr ist: Sie beherrscht Karate. „Ich bin hier bloß das Kind“ ist nicht so witzig wie „Ich bin hier bloß die Katze“ (von einer anderen Autorin, nämlich Hanna Johansen), aber trotzdem sehr nett zu lesen, realitätsnah und passend im Zeitalter des toleranten Subjektivismus. Diese Strömung gibt es heute auch, sie wird nur oft vergessen. (Weitere Bände in der Reihe sind: „Ich bin hier bloß das Pony“ und „Ich bin hier bloß der Hamster“)

Jutta Richter, Hildegard Müller (Illustrationen) „Ich bin hier bloß das Kind“ (von Richter ist auch „Ich bin hier bloß der Hund“), 128 Seiten Hanser Verlag, ab 8J, 10.30 Euro

New Yorker Geschichte in Email-Form

„Hast du meine Haare angezündet?“, „Kann schon sein.“ So steht es auf dem Einband der Tapper Twins, auch der Untertitel des Buches spricht für sich: „Gemeinsam sind wir unerträglich (einzeln auch)“ Es gibt jetzt öfter Kinder-und Jugendbücher in Mail-oder Whatsapp-Form, dem bevorzugten Kommunikationsmedium von Jugendlichen. Diese Serie hat den besonderen Reiz, dass sie in New York spielt. Leni, die mit ihrem Zwillingsbruder Ben in die Culvert Prep Middle School geht, will eine Wohltätigkeitsrallye veranstalten. In ihrer Schule sind auch viele reiche Mädchen, die Fembots genannt werden, eine Art Tussys, die natürlich null Interesse daran haben, etwas für arme Leute zu tun. Aber es gibt noch mehr Hindernisse: Wie soll sichergestellt werden, dass die Fotos wirklich an den Orten gemacht wurden, wo sie laut Rallye-Liste vorgeschrieben sind und was für Preise kämen für die Gewinner in Frage, die Ehrungen dürfen nämlich nichts kosten. Geoff Rodkey ist Drehbuchautor, hat Spiele entworfen und die Abenteuer-Trilogie „Die Legenden der blauen Meere“ verfasst. Außerdem lebt der Vater von drei Söhnen selbst in New York.

Geoff Rodkey „Tapper Twins. Gemeinsam sind wir unerträglich“, Illustrationen: Liz Casal, Lisa Clark, Übersetzung: Carolin Müller, 266 Seiten, cbj, ab 10J

Transgender

„Eines Tages würde George ihrer Mutter irgendwie sagen müssen, dass sie ein Mädchen war. Aber nicht heute.“ George hat sich im Bad eingesperrt und betrachtet Zeitschriften. Der große Bruder Scott rüttelt an der Türe, im letzten Augenblick versteckt George die Magazine und wird trotzdem von Scott ausgespottet. George ist ein Bub, der ein Mädchen sein will, er/sie schaut sich nicht Pornohefte an, sondern Frauenzeitungen mit Kleidern und Schminktipps. Im Internet kann man seitenweise über das Kurieren von Transsexualität nachlesen. Eigentlich traurig, denn jeder sollte akzeptiert werden wie er ist, findet nicht nur der New Yorker Alex Gino, der dieses Buch geschrieben hat, wofür er 12 Jahre brauchte. „George“ ist allerdings auch viel mehr geworden als ein vermutlich autobiografischer Erfahrungsbericht: ein wirklich zu Herzen gehender Roman, der plastisch macht, wie tief und breit Sehnsüchte sein können.

Alex Gino „George“, übersetzt von Alexandra Ernst, 206 Seiten, Fischer-Verlag, 15.50 Euro, ab 10 J

Suche nach dem Bruder

„Er las es in ihren leeren Augen. Sie kannten keinen Till.“ Eben noch war Caspar genervt, weil er auf seinen kleinen Bruder aufpassen musste, weil die Eltern immer mit ihrem Marionettentheater beschäftigt sind. Doch jetzt ist Till verschwunden. Ist ihm etwas passiert oder wurde er entführt? Tills Zimmer ist über Nacht zur Besenkammer geworden – und die Eltern fragen Caspar, ob Till ein neuer Schulkamerad von ihm sei. Caspar ist verzweifelt. Gemeinsam mit seiner Schwester Greta macht er sich auf den Weg um den „Kurzen“, wie er Till nannte, zu suchen. Er findet ihn auch, doch Till kann sich ebenfalls an nichts erinnern. Eine rechte Gruselgeschichte für Winterabende, die von fern Harry Potter ähnelt.

Stefanie Taschinski, Vignetten von Cornelia Haas „Caspar oder der Meister des Vergessens“ Oetinger, 240 Seiten, ab 10 Jahre.

Schlaue Buben

„Ich bin zart verliebt in Thomas. Niemand darf es wissen.“ In einem gewissen Alter können Buben schwärmende Mädchen gebrauchen wie ein Loch im Kopf – umgekehrt ist es ähnlich. Aber der Liebe kommt man ja auch im zartesten Alter nicht aus. Im Theoretiker-Club gibt es jede Menge Fake und Mails und Chats und SMS und alles ist sehr geheim und vieles sehr virtuell. Aber leider ist manches auch fürchterlich real: Zum Beispiel eine Zahnlücke und der Einbruch von skrupellosen und brutalen großen Buben ins Baumhaus der Höchst-IQ-Gruppe. Ein herrliches Jungen-Buch.

Anja Janotta „Der Theoretiker-Club“, mit Illustrationen und einem Daumenkino von Vera Schmidt, cbt, 252 Seiten, ab 11J, 13.40 Euro

Wer glaubt was und warum?

„Höre Israel/der Ewige, unser Gott“, haben Sie das Gebet erkannt – oder dieses: „Im Namen Gottes/des Erbarmers/des Barmherzigen“? Der ehemalige Lehrer Manfred Mai hat 150 Bücher geschrieben, am bekanntesten sind seine Sachbücher für Kinder und Jugendliche über deutsche Geschichte, Entdecker, Erfinder, Künstler usw. Diesmal widmet er sich den fünf Weltreligionen – sine ira et studio, was in diesen Zeiten besonders sympathisch ist. Man wird hier also keine Polemik gegen den Islam finden. Vielmehr wird sachlich, aber nicht fad das Wichtigste erzählt: Vom auserwählten Volk der Juden, vom ungewöhnlichen Kind Jesus, von Mohammeds Engel, von Shiva und den Hindus – und von Siddharta, der aus der Hüfte seiner Mutter entsprang und, kaum geboren, schon wusste: „Ich werde das Leiden von Geburt, Alter und Tod beenden“. Kurze Kapitel widmen sich Naturreligionen und der Frage, warum Judentum, Islam und Christentum immer wieder gegeneinander kämpfen.

Manfred Mai „Wir leben alle unter demselben Himmel – Die 5 Weltreligionen für Kinder“, 152 Seiten, Hanser-Verlag, ab 10 Jahre, 18.50 Euro

Zauberhafte Lyrik

„In den düstern Mondessümpfen/watet man in Lederstrümpfen/durch Korallen, hoch wie'n Haus“ Die Nationalsozialisten verbrannten die Bücher der 1907 im österreich-ungarischen Galizien geborenen Schriftstellerin Mascha Kaléko, ihr selbst gelang die Flucht in die USA. 1975 ist sie in Zürich gestorben. Sie erlitt viele Verluste, ihre Gedichte sind dementsprechend oft melancholisch, aber nicht diese: über das „Ammenmärchen“ vom Storch, den Mann im Mond und seine Frau, das Einhorn und das Anderhorn, den Sternanzünder und den Schmutzfink.

Mascha Kaléko „Träume, die auf Reisen führen“, herausgegeben von Eva-Maria Prokop, mit Bildern von Hildegard Müller, 163 Seiten, Reihe Hanser bei dtv, ab 10 J, 17.95 Euro,

Flucht aus Syrien

„Ich sehe dem abfahrenden Kutter hinterher, das rote Licht am Mast wird immer kleiner, bis die Nacht es schließlich ganz verschluckt. Nun sind wir allein.“ Dem 15jährigen Karim - der das Pech hat den Nachnamen Deeb zu tragen, was im Deutschen wie Dieb klingt - gelingt nach mehreren Anläufen, die ihn fast das Leben kosten, die Flucht aus der umkämpften Stadt Homs in Syrien nach Konstanz. Er geht in Deutschland zur Schule, lernt die Sprache in wenigen Monaten. Doch dann wird er verdächtigt, erotische Aufnahmen von einer Mitschülerin gemacht und sie an Klassenkameraden verschickt zu haben. Das Mädchen wird gemobbt, Karim soll die Schule verlassen. Annabel Wahba, Vater Ägypter, Mutter Deutsche, hat Politikwissenschaft studiert und schreibt für das Zeitmagazin. Ihr Roman ist nach einer wahren Geschichte entstanden.

Annabel Wahba „Tausend Meilen über das Meer. Die Flucht des Karim Deeb“, 248 Seiten, cbj, ab 12J, 9.30 Euro

Ankunft in Europa

Flüchtlingsgeschichten gibt es jetzt viele, vor allem für Kinder und Jugendliche. Hier sind noch zwei unterschiedliche, ein Stück gut gebaute Lebenshilfe und ein Stück echte Literatur: Rebekka und Samira sind Freundinnen, Rebekka ist Jüdin, Samira Muslima aus Tunesien. Eines Tages verschwindet der Kiddusch-Becher von Rebekkas Vater. Ihre Eltern verdächtigen Samira des Diebstahls. Kenntnisreich, tröstlich, auch etwas schockierend wie schwierig sich der Umgang von Angehörigen verschiedener Religionen im „liberalen“ Berlin gestaltet, wirkt der schmale Roman der Autorin und Wissenschaftlerin Eva Lezzi, die bereits mehrere Kinderbücher veröffentlicht hat („Chaos zu Pessach“).

Gemächlich, dennoch pointiert zeichnet Julya Rabinowich in „Dazwischen: Ich“ die Erlebnisse des Mädchens Madina auf. Woher sie kommt, heißt es im Klappentext, sei egal, und so ist es wohl auch. Mit der Geschichte der hellsichtigen, melancholischen und höchst temperamentvollen Madina hat Rabinowich eine zeitlose Coming-of-Age-Geschichte geschaffen, die nicht an Nationen oder Religionen gebunden ist, die sich einfach überall ereignen kann und ereignet: Integration hat viele Facetten, sie dauert recht lang und manchmal braucht es mehrere Generationen bis sie gelingt. Darüber wird hier erzählt – voll Poesie und mit vielen Zwischentönen.

Eva Lezzi „Die Jagd nach dem Kidduschbecher“, Hentrich & Hentrich, 124 Seiten, 11.90 Euro, ab 12J

Julya Rabinowich „Dazwischen: Ich“, 256 Seiten, Hanser, 15.50 Euro, ab 14J

Erste Erprobung von Beziehungen

„Er ist ein Kontrollfreak! Er will mich beschützen“, schreibt Marie-Lin an Manou. Marie-Lin, Halbchinesin, und Manou, beide 15 Jahre alt, leben in Hamburg und sind beste Freundinnen. Marie-Lin verliebt sich in den 19jährigen Studenten Patrick, der bei einem Skiausflug schwer verletzt wird, die beiden schreiben einander, Patrick lehnt eine Beziehung zunächst ab, dann kommen die beiden doch zusammen, aber die Annäherung entwickelt sich anders als erwartet. Bärbel Körzdörfer war Springreiterin und ist Mutter dreier Kinder. Ihr Buch spielt in der Upper Class, aber seine Akteurinnen sind keine Snobs, sondern sympathische Mädchen von heute, die Körzdörfer bis auf die Sprache genau beobachtet hat.

Bärbel Körzdörfer „Mädchen auf WhatsApp“, Baumhaus, ab 13J, 244 Seiten, 10.30 Euro

„Rick versuchte sich ausgerechnet an dem wilden Lobo. Der Husky schnappte wütend nach ihm.“ Cheryl will von daheim ausziehen und bei einer Firma arbeiten, die für Touristen mit Huskys auf Schlittenfahrt geht. Schauplatz der Geschichte ist Kanada. Bevor Cheryl abfährt, lernt sie den Musiker Rick kennen. Die beiden verlieben sich auf Anhieb ineinander, verlieren sich aber aus den Augen. Werden Sie einander wieder treffen? Diese etwas vorhersehbare Lovestory ist insofern spannend, als der Leser oder die Leserin viel erfährt über kanadische Natur, den Norden und die viel geliebten Hunde. Die Autorin scheint eine wirkliche Kennerin von Yukon, Alaska und Co zu sein.

Joanna Wolfe „Küsse wie Schneeflocken“, 333 Seiten, cbj, 8,99 Euro, ab 13J

Popmusik und Jugendkultur

„Wer glaubt, der Geist der Sechziger-Jahre ist auch im selben Jahrzehnt entstanden, liegt falsch“. In diesem Buch wird die Geschichte der Popmusik der Nachkriegszeit in Form einer Graphic Novel resümiert. Wie hat es begonnen, als in Europa der Fliegeralarm verstummte – und sich eine andere Art von, wie viele Erwachsende fanden, „Höllenlärm“ breitmachte, als der von den Nazis verfemte „Nigger-Jazz“ die angesagte Kunstrichtung wurde und Jugendkultur, bei der auch viele Ältere mitmachten, plötzlich die „ewig Gestrigen“ von den Modernisten unterschied. Das alles passierte recht schnell, was Hoffnung gibt für unsere Welt, in der sich so vieles immer wieder ändern kann. Der 1971 in Frankfurt geborene Tobi Dahmen ist stilistisch nicht der originellste Illustrator, aber er erzählt kundig und mit feinem Strich von kulturellen Umwälzungen – und von privaten wie dem ersten Sex. Dahmen hat auch eine amüsante Homepage.

Tobi Dahmen „Fahrradmod“, Graphic Novel, Carlsen, 430 Seiten, 30,90 Euro, ab 14 J

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