Literatur-Nobelpreis: Dylan, Jelinek, Grass: Literatur-Nobelpreisträger seit 1990

2017

Der wunderbare Kazuo Ishiguro bekommt 2017 den Literaturnobelpreis. Er sei "eine Kreuzung aus Jane Austen und Franz Kafka", ein sehr authentischer Schriftsteller, der seine eigene Ästhetik entwickelt habe, hieß es von der Jury.

Obwohl in Japan geboren gilt er als englischer Autor. Es ist keine erwartete, aber auch keine ungewöhnliche Entscheidung der Jury.

(c) AFP

2016

Bob Dylan (geb. 1941) - USA

Im Vorjahr gab es eine Überraschung: Der Nobelpreis ging an Sänger und Songwriter Bob Dylan. Er wurde "für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Gesangstradition" ausgezeichnet. Mit Songs wie "Blowin' in the Wind", "Tambourine Man" oder "Like a Rolling Stone" zählt der neue Literaturnobelpreisträger zu den Ikonen der Popmusik des 20. Jahrhunderts.

(c) APA/AFP/GETTY IMAGES/KEVIN WINTE (KEVIN WINTER)

2015

Swetlana Alexijewitsch (geb. 1948) - Weißrussland

Der Literaturnobelpreis 2015 ging an die Top-Favoritin der Wettbüros. Die Weißrussin ist erst die 14. Frau, die mit dem renommierten Preis ausgezeichnet wird. Alexijewitsch wurde als Schriftstellerin aber auch als investigative Journalistin bekannt. Ihre Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Ausgezeichnet wurde sie für "für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt", so die Nobelpreis-Akademie.

(c) AFP (MAXIM MALINOVSKY)

2014

Patrick Modiano (geb. 1945) - Frankreich

Der französische Schriftsteller bekomme die Auszeichnung "für die Kunst der Erinnerung, mit der er die unfassbarsten menschlichen Schicksale wachgerufen und die Lebenswelt der Besatzungszeit vor Augen geführt hat", so die Jury.
Zu seinen bekanntesten Werken zählen die "Pariser Trilogie" und "Familienstammbuch". Modiano schrieb auch Drehbücher zu Filmen ("Lacombe, Lucien").

2012 bekam er den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur.

(c) APA/EPA/GALLIMARD PUBLISHING HOU (GALLIMARD PUBLISHING HOUSE)

2013

Alice Munro (geb. 1931) - Kanada

Die 82-jährige Kanadierin war erst die dreizehnte Frau, der diese Ehre zuteil wird. Munro sei "Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte", begründete die Schwedische Akademie ihre Entscheidung. Die Booker Preisträgerin war im Vorfeld von den Buchmachern als Ko-Favoritin gehandelt worden.

(c) REUTERS (MIKE CASSESE)

2012

Mo Yan (geb. 1955) - China

2012 ging der Nobelpreis für Literatur erstmals nach China. Er vereine "mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart", hieß es in der Begründung der Akademie. Wermutstropen: Das Preisgeld wurde 2012 gekürzt. Der Nobelpreis ist mit acht Millionen Schwedischen Kronen (930.000 Euro) dotiert, zwei Millionen weniger als noch 2011.

(c) REUTERS (CHINA DAILY)

2011:

Tomas Tranströmer (1931 - 2015) - Schweden

Die Königliche Schwedische Akademie würdigt den Lyriker, "weil er uns mit seinen verdichteten, transparenten Bildern einen frischen Zugang zur Realität gibt." Bereits seit Jahren galt der Lyriker als Favorit für die begehrte Literaturauszeichnung.

(c) EPA (JUREK HOLZER)

2010:

Mario Vargas Llosa (geb. 1936) - Peru

Der südamerikanische Kosmopolit erhält den Preis für seine "Kartografien von Machtstrukturen und seine bissigen Bilder von Widerstand, Revolte und Niederlage des Individuums". Also vor allem für seine politischen Werke: "Die Stadt und die Hunde", 1962 erschienen, wird explizit genannt: Der Roman, der eigene Erfahrungen aufgreift und sich gegen die Militärs und eine von Gewalt bestimmte Erziehung wendet, wurde öffentlich in Lima verbrannt.

(c) APA/AFP/EITAN ABRAMOVICH (EITAN ABRAMOVICH)

2009:

Herta Müller (geb. 1953) - Deutschland

Die in Rumänien geborene Autorin wurde vor allem durch ihre Bücher "Der Fuchs war damals schon der Jäger" (1992), "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet" (1999) und "Der König verneigt sich und tötet" (2003) bekannt.

Das Komitee würdigte Müller als eine Autorin, die "mit der Verdichtung der Poesie und der Sachlichkeit von Prosa die Landschaft der Besitzlosen beschreibt".

(c) REUTERS (HO)

2008:

Jean-Marie Gustave Le Clézio (geb. 1940) - Frankreich / Mauritius

Der Autor von Romanen wie "Der Afrikaner", "Revolutionen" und "Die Sintflut" ist für seine zivilisationskritischen Romane bekannt. Das Nobelpreiskomitee würdigte ihn als "Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ekstase, dem Erforscher einer Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilisation".

(c) APA/AFP/ERNESTO BENAVIDES (ERNESTO BENAVIDES)

2007:

Doris Lessing (1919 - 2013) - Großbritannien

Die in Afrika aufgewachsene Britin wurde mit "Das goldene Notizbuch" berühmt. Sie war die elfte Frau, die mit dem Literaturnobelpreis geehrt wurde. Lessing sei "Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat", so die Beründung der Jury.

(c) REUTERS (Toby Melville / Reuters)

2006:

Orhan Pamuk (geb. 1952) - Türkei

Pamuks Erzählungen bewegen sich zwischen moderner europäischer Romantradition und der mystischen Tradition des Orients. In den Worten des Komitees hat der türkische Autor "auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul neue Sinnbilder für Zusammenstoß und Verflechtung der Kulturen gefunden".

(c) APA/AFP/OZAN KOSE (OZAN KOSE)

2005:

Harold Pinter (1930 - 2008) - Großbritannien

Pinter gilt als einer einer der wichtigsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts und war bekannt als der "zornige alte Mann" des britischen Theaters. Immer wieder irritierte Pinter sein Publikum mit verstörenden Werken. Der aus dem Londoner East End stammende Autor habe in seinen Dramen "den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freilegt und in den geschlossenen Raum der Unterdrückung einbricht", so die Jury.

(c) EPA (Fiona Hanson)

2004:

Elfriede Jelinek (geb. 1946) - Österreich

Jelinek war eine überraschende Gewinnerin. Die aus der Steiermark stammende Österreicherin weiß mit ihren Romanen und Dramen zu verstören und zu provozieren. Ihre komplexe, musikalische Sprache ist einzigartig, das würdigte auch das Nobelkomitee: Jelinek werde ausgezeichnet für "den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen".

(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

2003:

J. M. Coetzee (geb. 1940) - Südafrika

Der ehemalige Programmierer veröffentlicht neben seinen Romanan auch Essays, vermischt die Genres mitunter auch. Coetzee selbst tritt in seinen Büchern immer als Kunstfigur auf und stelle damit "in zahlreichen Verkleidungen die überrumpelnde Teilhabe des Außenseitertums" dar, so die Jury.

(c) REUTERS (Reuters Photographer / Reuter)

2002:

Imre Kertész (1929 - 2016) - Ungarn

Der Autor jüdischer Abstammung überlebte ein Jahr in Konzentrationslagern. Diese Erfahrung verarbeitete der Ungar auch literarisch, sein "Roman eines Schicksallosen" zählt zu den wichtigsten Dokumenten des Holocaust. Die Schwedische Akademie würdigte ihn "für ein schriftstellerisches Werk, das die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Willkür der Geschichte behauptet".

(c) REUTERS (� Reuters Photographer / Reuter)

2001

V. S. Naipaul (geb. 1932) - Trinidad und Tobago

Neben seinen Romanen ist Vidiadhar Surajprasad Naipaul, so der volle Name, bekannt für seine Erfahrungsberichte aus verschiedenen Gegenden und Kulturen der Welt. Mit seiner Islamkritik in "Eine islamische Reise", die er nach einer Reise in den Iran verfasste, stieß er auf Kritik. Die Jury zeichnete ihn aus "für seine Werke, die hellhöriges Erzählen und unbestechliches Beobachten vereinen, und uns zwingen, die Gegenwart verdrängter Geschichte zu sehen".

(c) APA/dpa (Ison)

2000:

Gao Xingjian (geb. 1940) - Frankreich (China)

Der Schriftsteller lebt im Exil in Frankreich und hat auch die französische Staatsbürgerschaft. Er wurde "für sein Werk von universaler Gütigkeit, bitterer Einsicht und sprachlichem Sinnreichtum" ausgezeichnet.

(c) EPA (Juan Carlos Hidalgo)

1999:

Günter Grass (1927 - 2015) - Deutschland

Lange hat man mit Grass gerechnet, 1999 wurde der Autor der "Blechtrommel" dann tatsächlich ausgezeichnet. "Weil er in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat", so das Komitee.

(c) REUTERS (� Agencja Gazeta / Reuters)

1998:

José Saramago (1922 - 2010) - Portugal

"Die Stadt der Blinden" ist wohl das bekannteste Buch des Portugiesen. Er ist aber nicht nur Romancier, sondern auch Lyriker, Essayist, Erzähler und Dramatiker. Er erhielt den Nobelpreis für "sein Werk, dessen Parabeln die Menschen die trügerische Wirklichkeit fassen lassen".

(c) REUTERS (� Nacho Doce / Reuters)

1997:

Dario Fo (1926 - 2016) - Italien

Der Italiener ist Schauspieler, Regisseur, Komponist, Bühnenbildner und natürlich Theaterautor. Er wurde "für sein volkstümlich-politisches Agitationstheater" ausgezeichnet.

(c) REUTERS (� Alessandro Garofalo / Reuters)

1996:

Wisława Szymborska (1923 - 2012) - Polen

Die Lyrikerin engagierte sich im oppositionellen Untergrund der Solidarno und veröffentlichte sechszehn Gedichtbände. Ihr Werk lasse "ironisch-präzise den historischen und biologischen Zusammenhang in Fragmenten menschlicher Wirklichkeit hervortreten", so die Jury.

(c) � STR New / Reuters

1995

Seamus Heaney (1939 - 2013) - Irland

Der iritsche Schriftsteller wurde "in Würdigung der lyrischen Schönheit und ethischen Tiefe seines Gesamtwerks" ausgezeichnet.

(c) Charles Platiau / Reuters

1994:

Kenzaburo Oe (geb. 1935) - Japan

Der Japaner, beeinflusst von französischer und amerikanischer Literatur, wurde "für seine Erschaffung einer Welt im Werk, in der sich Leben und Mythos zu einem erschütternden Bild des Menschen in der Gegenwart verdichten" geehrt.

(c) REUTERS (Yuriko Nakao / Reuters)

1993:

Toni Morrison (geb. 1931) - USA

Morrison war die letzte bis dato ausgezeichnete Amerikanerin, die den Nobelpreis bekam. Sie bedeutendsten Vertreterinnen der afroamerikanischen Literatur. Die Jury wählte sie für "ihre literarische Darstellung einer wichtigen Seite der US-amerikanischen Gesellschaft durch visionäre Kraft und poetische Prägnanz".

(c) APA (HERBERT P. OCZERET)

1992:

Derek Walcott (1930 - 2017) - Trinidad und Tobago

Walcott verbindet eruopäische Literaturtradition mit dem Kulturgut seiner Heimat mit deren afrikanischen Wurzeln. Das Komitee würdigte ihn "für eine Dichtung von großer Leuchtkraft, getragen von einer historischen Vision, die aus einer multikulturellen Verpflichtung emporgewachsen ist".

(c) REUTERS (� Eloy Alonso / Reuters)

1991:

Nadine Gordimer (1923 - 2014) - Südafrika

Gordimer wurde "für ihre epische Dichtung, die der Menschheit einen großen Nutzen erwiesen hat und durch die tiefen Einblicke in das historische Geschehen dazu beiträgt, dieses Geschehen zu formen" ausgezeichnet.

(c) EPA (ALEJANDRO ERNESTO)

1990:

Octavio Paz (1914– - 1998) - Mexiko

Paz bekm den Literatur-Nobelpreis "in Würdigung seiner leidenschaftlichen Dichtung mit weiten Horizonten, geprägt von sinnlicher Intelligenz und humanistischer Integrität".

(c) � STR New / Reuters