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Marginalien: Als Broder die Kippa warf

02.11.2009 | 18:34 |  RAINER NOWAK (Die Presse)

Ein rechter Jude? Ein Jude, der nichts mehr verachtet als Harmonie?

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Lange hielt er nicht durch. Henryk Broder beendete seine jüngste provokante Intervention. Der Journalist und Autor hatte angekündigt, für die Spitze des Zentralrats der Juden in Deutschland zu kandidieren, und für entsprechende Aufregung gesorgt. „Meine Kippa liegt im Ring“, hat er seiner Glaubensgemeinschaft und dem deutschen Feuilleton eitel und eloquent zugleich entgegengerufen, obwohl er selten eine solche trägt. Viel häufiger steigt er schon in den Ring. Und zwar meist nach dem Muster „Ich bin Jude und genieße euer Unbehagen“, egal ob das gerade antisemitischer oder philosemitischer Natur ist. So war das eigentliche Zielobjekt der Aktion natürlich nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern die deutsche Öffentlichkeit. Es folgte nicht nur ein Aufschrei des jüdischen Deutschlands, sondern ein perplexer, überraschter Aufruf in den Qualitätszeitungen: „Broder? Ein rechter Jude? Ein Jude, der nichts lieber tut, als gegen politische Korrektheit zu polemisieren? Ein Jude, der nichts mehr verachtet als Entschuldigung und Harmonie? Der will Sprecher der vom Holocaust verschonten Rest-Gemeinde sein? Kann nicht sein! Das muss ein Witz sein!“

Es war zwar einer, aber mit ernstem Hintergrund. Broder hätte kaum Chancen gehabt, zum Nachfolger von Charlotte Knobloch gewählt zu werden, er hätte eine lokale Gemeinde gebraucht, die ihn für die Wahl hätte unterstützen müssen. (Vergangene Woche sagte er der „Presse“, er habe „zweieinhalb“ gefunden, die ihm helfen würden. Bei dieser Gelegenheit sagte er auch, Mitglieder der österreichischen Gemeinde hätten ihn ermuntert, im Fall einer Wahl einen „Anschluss“ zu versuchen.)

Broder habe doch keine Anima, sich mit Verwaltung und Finanzen der Gemeinde, die 120.000 vertritt, zu beschäftigen, stellte die Süddeutsche fest. Dort hieß es auch: „Alle, die den Holocaust überlebt haben, wundern sich.“ Alle.

„Wie ich beinahe Präsident des Zentralrates der Juden geworden wäre“, schreibt Broder zum Abschluss seiner Aktion im Spiegel: Noch immer benehme sich die Gemeinde, als sei sie die größte „Minderheit“ im Lande und nicht die Türken. Noch immer gehe es nur darum, rituell „Wehret den Anfängen“ zu plappern statt selbstbewusst als längst assimilierte Deutsche jüdischer Abstammung aufzutreten. Er habe den Zentralrat ein bisschen aufmischen wollen, sagt Broder. Das ist ihm wie immer gelungen. Wie immer. Broder: „Deutschland liebt Unruhestifter, Querdenker und Seiten-Einsteiger, aber nur so lange, wie sei darauf achten, dass alles so bleibt, wie es ist.“ Broder vielleicht ja auch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2009)

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1 Kommentare
Gast: Klarsicht
03.11.2009 04:03
0 0

Ziel der Aktion

Richtig! Ziel der Aktion war die deutsche Öffentlickeit. Und die lässt sich jeden Blödsinn gefallen. Aber wir lieben Narren, darum muss Broder auch nicht auwandern. Nirgends könnte es ihm so gut gehen wir hier, wo er die Narrenfreiheit ausgiebig ausnutzt. Broder will im Gesspräch bleiben. Mal wieder mit Hilfe des Spiegel gelungen.

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