Geheimnisvolle Autoren: Wenn Schriftsteller sich verstecken

Thomas Pynchon

Manchen gilt er als "Phantom" der US-Literatur, denn so sehr sein Werk auch immer wieder im Gespräch ist - auch für den Nobelpreis - so wenig weiß man über ihn als Person. Am 8. Mai wurde Thomas Pynchon, der große Unbekannte, 80 Jahre alt. Bekannt sind sein Geburtsdatum (8. Mai 1937), sein Studium, Militärdienst und seine Bücher. Doch der Autor ist öffentlichkeitsscheu, seit Jahrzehnten weiß man weder, wie er aussieht, noch, was er - abseits vom Schreiben - macht.

Er ist bei weitem nicht der einzige Schrifststeller, der gerne im Verborgenen bleibt.

Ferrante

Im vergangenen Jahr wurde die Identität der Elena Ferrante ans Licht gezerrt. Die Autorin ("Meine geniale Freundin") verbat sich stets, mit ihrem realen Namen genannt zu werden. Und drohte auch damit, bei dessen Öffentlichmachen literarisch zu verstummen. Respektiert wurde ihr Wunsch nicht.

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Homer

Der große Mythos begann schon bei Homer. Zwar gibt es Skulpturen von ihm, doch man weiß nicht einmal mit Bestimmtheit, in welchem Jahrhundert er lebte. Ihm werden die „Ilias“ und die „Odyssee“ zugeschrieben, doch Forscher sind sich nicht einmal darüber einig, ob diese Werke nur einen Autor haben - oder ob Homer überhaupt Grieche war. In unseren nüchternen Zeiten tendiert man dazu, dass mehrere Dichter diese großen Versepen schufen.

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Nibelungenlied

Ähnliche Dunkelheit umgibt das 800 Jahre alte "Nibelungenlied", ein gewaltiges Heldenepos in deutscher Sprache. Der Stoff geht viel weiter zurück als die Niederschrift. Sein Autor könnte irgendwo zwischen Passau und Wien gelebt haben. Vielleicht war es ein Geistlicher, doch all dies ist nur Spekulation. Die Anonymität ist hier aber nebensächlich. Es war nicht üblich, die Eigenleistung an Epen zu betonen.

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Salinger

Der berühmteste Fall der Gegenwartsliteratur ist wohl Jerome David Salinger (1919–2010). Der Sohn eines polnisch-jüdischen Vaters und einer schottisch-irischen Mutter hatte mit seinem Roman "The Catcher in the Rye" ("Der Fänger im Roggen") 1951 einen gigantischen Welterfolg, Auflagen in zweistelliger Millionenhöhe. Dann verstummte er.

Der Autor hörte damit auf zu veröffentlichen. 1974 gab Salinger der „New York Times“ ein letztes Interview.

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Salinger

Es folgten noch einige Erzählungen, aber der ohnehin zurückgezogen lebende Autor hörte bald damit auf, zu veröffentlichen, schrieb stattdessen angeblich täglich für sich selbst – und vielleicht für eine ferne Nachwelt. Nur Angehörige enthüllten in Erinnerungen etwas über den großen Einsamen der US-Literatur.

Manch einer glaubte, er habe nur einen anderen Namen angenommen: Thomas Pynchon. 

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Süskind

Dabei ist die Botschaft dieser Autoren denkbar einfach: Nur das Werk zählt. Auch Patrick Süskind verweigert sich den Erwartungen der Öffentlichkeit. Sein 1985 veröffentlichter und bislang einziger Roman "Das Parfum" war ein Welterfolg. Er lehnte aber diverse Preise ab und trat in der Öffentlichkeit nicht auf.

Jelinek

Zurückgezogen lebt auch Elfriede Jelinek. Sie gab 1995 nach persönlichen Angriffen und Anfeindungen (unter anderem durch die FPÖ) ihren Rückzug aus der österreichischen Öffentlichkeit bekannt. Zwar trat sie später doch wieder auf, blieb aber scheu. Auch den Nobelpreis 2004 nahm sie nicht persönlich entgegen. Sie eigne sich nicht dafür, "als Person an die Öffentlichkeit gezerrt zu werden", sagte sie vor Jahren über sich selbst.

McCarthy

Am Bild ist nicht Cormac McCarthy zu sehen, sondern nur jemand, der ein Buch des Autors liest. Denn auch Cormac McCarthy - mit dem Pulitzer-Preis und dem National Book Award ausgezeichnet - scheut die Öffentlichkeit. Und das ist sein gutes Recht.

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