Mord im alten Barcelona

Eine skurrile Krimikomödie voller wunderlicher Gestalten – und eine wehmütige Hommage an eine vergangene Welt.

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Ein ehemaliger Damenfriseur wird von zwei mysteriösen Männern aus der Irrenanstalt befreit – nur um später beschuldigt zu werden, ein Model umgebracht zu haben. Der Coiffeur beschließt, auf eigene Faust die wahren Mörder zu suchen. Wertvolle Hilfe erhält er von Señorita Westinghouse, einem fürsorglichen Transvestiten, der in früheren Zeiten der gefürchteten Guardia Civil des Franco-Regimes diente.

Schauplatz dieses ziemlich verrückten Krimis ist das finstere Barcelona der Post-Franco-Zeit – mit seinen verdreckten Gassen, schäbigen Gaststätten und all den wunderlichen Gestalten, die der Tourismus-Boom später verdrängte: Da ist etwa Fräulein Westinghouse, Franco-Nostalgikerin und Fan des amerikanischen Hausfrauen-Typus aus den 1960er-Jahren. Später wird das Fräulein übrigens als wutschnaubender Oberst in einer nächtlichen TV-Show Karriere machen, im Nebenjob ist er Putzfrau. Teil dieser schrulligen Welt ist auch ein Dessous-Händler, der den guten alten Zeiten nachtrauert, als mächtige katalanische Industriekapitäne bei ihm Spitzen-BHs anprobierten. Und dann der Hauptprotagonist selbst: Der Ex-Coiffeur entpuppt sich als Held des Fatalismus. Da er ständig auf der Flucht durch Barcelona ist, bezeichnet er sich als begeisterten Jogger.

Bissig, schwarz, mitunter herrlich boshaft ist dieses Buch, beim Lesen muss man oft laut auflachen. Doch hinter all dem Sarkasmus versteckt sich viel Wehmut: Im Grunde ist der Roman eine Liebeserklärung an das verschwundene Barcelona der 1980er-Jahre.

basta.

Eduardo Mendoza: „Das dunkle Ende des Laufstegs“, übersetzt von Kirsten Brandt, Nagel & Kimche, 336 Seiten, 23,70 Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2017)

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