Wirbel um Absage von Lesung von Herta Müller

Eine geplante Lesung in Frankfurt fällt aus, Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller macht den Veranstalter dafür verantwortlich. Es sei zum Wohle der Autorin geschehen, wehrt sich dieser.

Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller
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Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller
(c) REUTERS (THOMAS PETER)

Wirbel um die Absage einer Lesung von Herta Müller  in Frankfurt: Die Literaturnobelpreisträgerin verschickte in der Nacht zum Mittwoch eine E-Mail an verschiedene Medien, in der es heißt, das Literaturhaus Frankfurt habe die mit ihr für diesen Donnerstag geplante Lesung abgesagt. "Ich möchte nicht, daß der Eindruck entsteht, ich hätte die Lesung abgesagt", schreibt die 56-Jährige. Die Gründe müssten beim Literaturhaus erfragt werden.

Beim Literaturhaus in Frankfurt zeigte sich Leiterin Maria Gazzetti verwundert über Müllers Mitteilung: Die Lesung sei am Dienstag in Absprache mit Müllers Münchner Verlag Hanser abgesagt worden, sagte sie.

Ansturm zu groß

Der Grund: Es sei ein solcher Ansturm auf die Tickets befürchtet worden, den das Literaturhaus - selbst mit Leinwand-Übertragungen in weitere Räume - nicht hätte stemmen können. Hanser bestätigte dies am Mittwoch.

"Es drehte alles durch, wir hatten einen unglaublichen Andrang, wir hätten über 2000 Karten verkaufen können", schilderte Gazzetti. "Da wir innerhalb von eineinhalb Tagen keinen neuen angemessenen Ort organisieren konnten, haben wir gemeinsam mit dem Verlag beschlossen, dass es besser ist, die Lesung abzusagen."

Körperlich bedrängt

Dies sei vor allem zum Wohle der Autorin geschehen, die in der letzten Zeit auch körperlich sehr bedrängt worden sei.

Eine Hanser-Sprecherin erklärte, dass die "Begeisterung und das Interesse an der Person Herta Müller derzeit Lesungen im üblichen Rahmen nicht mehr durchführbar machen".

"Übertriebene Reaktion"

Gazzetti meinte, mit ihrer Mail habe Müller wohl betonen wollen, dass sie selbst nicht ohne Grund Lesungen absage. Müller selbst war bis zum Nachmittag nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.

Beim Frankfurter Literaturhaus will man Herta Müllers E-Mail nicht überbewerten: "Es ist eine sehr übertriebene Reaktion, aber es ist die Lage, der Nobelpreis ist eine Ausnahmesituation, aber wir haben keinen Zoff, ich habe gerade mit ihr gemailt", sagte Gazzetti.

 

(Ag.)

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