Literatur-Nobelpreis: Herta Müllers "Werk ist ein Kampf"

Die Autorin wurde bei der Preisverleihung für ihren Mut und den "Widerstand gegen den Terror" einer Diktatur geehrt. In der Nobelvorlesung berichtete Müller von Geheimdienst und Isolation.

Herta Müller
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Herta Müller
(c) REUTERS (SCANPIX SWEDEN)

"Großen Mut" beim Widerstand gegen die Diktatur: Mit diesen Worten wurde die deutsch-rumänische Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller am Donnerstag bei der Vergabe des begehrtesten Literaturpreis der Welt in Stockholm. Die 56-Jährige nahm am Donnerstag die Auszeichnung aus der Hand von Schwedens König Carl XVI. Gustaf entgegen.

Bei der feierlichen Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus hob der Sprecher der Jury, Anders Olsson, die Konsequenz heraus, mit der sich die seit 1987 in Berlin lebende Autorin gegen die Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur ihres Geburtslandes Rumänien gewehrt hat: "Sie haben großen Mut gehabt und provinzieller Unterdrückung und politischem Terror kompromisslos Widerstand geleistet."

"Spiel um Leben und Tod"

Müller bekomme den Nobelpreis "für den künstlerischen Gehalt dieses Widerstands", sagte der Vertreter der Schwedischen Akademie weiter. "In ihrer Prosa findet sich eine sprachliche Energie, die uns von Beginn an mit einbezieht. Es steht etwas auf dem Spiel, bei dem es um Leben und Tod geht."

In seiner Laudatio auf die bis 1987 in Rumänien als Angehörige der deutsche Banater-Minderheit lebende Müller sagte der Juror Olsson weiter: "Ihr Werk ist ein Kampf, der weitergeht und weitergehen muss, eine Form des unwiderruflichen Gegen-Exils."

Securitate wollte Müller anwerben

In ihrer Nobelvorlesung Anfang der Woche hatte die Preisträgerin davon berichtet, wie sie Anwerbungsversuchen des rumänischen Geheimdienstes Securitate widerstanden hatte und danach erbarmungslos isoliert wurde. In ihrem jüngsten Roman "Atemschaukel" verarbeitet Müller die Erfahrungen ihres 2006 gestorbenen Landsmannes und Schriftstellerkollegen Oskar Pastior als hungernder Deportierter im Gulag der Stalin-Ära. Dieses Werk sei geprägt von "unendlicher Einfühlung und dem unsentimentalem Blick" der Preisträgerin, sagte Olsson in seiner Rede.

"Sie haben uns Wörter gegeben, die uns unmittelbar und tief ergreifen", so der Laudator. Die Autorin selbst ergriff entsprechend den Traditionen der Nobelpreis-Verleihungen nicht das Wort. Zusammen mit Müller nahmen weitere elf Nobelpreisträger für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft ihre Auszeichnungen entgegen.

Hoher Frauenanteil

In Oslo hatte US-Präsident Barack Obama wenige Stunden zuvor den Friedensnobelpreis in Empfang genommen. Die Dotierung beträgt jeweils umgerechnet 950.000 Euro (10 Millionen Kronen). Ungewöhnlich fiel die Zusammensetzung der zwölf gemeinsam im Halbrund platzierten Preisträger aus: Mit fünf Preisträgerinnen war der Frauenanteil so hoch wie nie zuvor seit der ersten Verleihung 1901.

Mit Müller wird der Literaturnobelpreis zum dritten Mal in den vergangenen zehn Jahren für deutschsprachige Werke vergeben. 1999 erhielt ihn der bei Lübeck lebende Günter Grass und 2004 die Österreicherin Elfriede Jelinek. Müller erhielt den Literaturnobelpreis als zwölfte Frau.

 

(Ag.)

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