Lesezeit: Kinderbuch der Woche

Der erste Programmierer war eine Frau

Ein Porträt über ein tatsächlich außergewöhnliches Mädchen legt der Knesebeck Verlag vor. Ada Lovelace ist die Tochter von Lord Byron und einer selbstbewussten Mathematikerin, die den Dichter schon früh verließ. Die kleine Ada, 1815 geboren, sollt nach dem Wunsch ihrer Mutter vor allem keine blühende Fantasie entwickeln. Lyrik ist verboten.

Wie das Mädchen vor dem Hintergrund der industriellen Revolution mit ihrem Erbe und ihrem Erfindungsgeist umgeht, zeigt „Ada Lovelace und der erste Computer“. Computer in dieser Zeit? Natürlich nicht, aber die ersten Rechenmaschinen. Und Lochkarten, mit denen ein Webstuhl gespeist wird. Die kunstvollen, außergewöhnlichen Illustrationen stehen gegenüber dem Text ein wenig zu sehr im Vordergrund, aber insgesamt ist das Buch jedenfalls eine neue Leseerfahrung: Eine logische Welt der Fantasie, in der eine Frau zum ersten Programmierer wird.

Alter: Ab sechs Jahren.
Erschienen bei Knesebeck. 40 Seiten.

 

(c) Knesebeck

Die Geschichte eines Wolfskönigs

Wie kann man Lobo fangen, diesen Wolf, der so listig, stark und erfinderisch wie kein anderer ist? Das fragen sich die Farmer des Currumpaw-Tals, die ihre Rinder an ihn verlieren. 1893 wird ein Preis auf seinen Kopf ausgesetzt - und viele versuchen, ihn zu töten: Der eine Jäger zieht mit 29 großen Hunden los, ein anderer versuchte es mit Zaubermitteln und Beschwörungsformeln, ein nächster mit Gift. Alle erfolglos. Bis sich ein Forscher und Wolfsjäger namens Seton auf eine Jagd begibt, die sein Leben verändern wird.

„Die Wölfe von Currumpaw“ ist ein eindringliches und anspruchsvolles Buch, inhaltlich wie ästhetisch. Der Illustrator William Grill zieht die Spannung eines Abenteuerromans in ein detailgenaues Sachbuchs: Es werden 130 Wolfsfallen aufgezeichnet, Wege, Pläne, verendende Tiere. Große Bildformate und kleinteiliges Schildern wechseln einander ab, der Stil ist Lesern des vielfach ausgezeichneten Vorgängers „Shackletons Reise“ bereits bekannt. Übrigens: Die Erzählung über Lobo hat der Forscher und Jäger Seton aufgeschrieben. Danach jagte er nie wieder einen Wolf.

Alter: Ab sieben Jahren.
Erschienen im NordSüd Verlag. 80 Seiten.

(c) Nordsüd Verlag

Anatomie als federleichte Bauanleitung

Der Plan ist klar: "Heute baut sich Susa einen großen Bruder. Nicht so ein kleines Baby wie ihre Schwester Marianna, die nur krabbelt". Der Weg dahin mag einem Erwachsenen schwierig erscheinen, doch das Mädchen weiß genau, was es zu tun hat: Zuerst kommen die Knochen, dafür wird gesägt und geschnitten. Damit alles gut hält, befestigt Susa sie mit Gummibändern aneinander, sie fabriziert sogar verschiedene Muskelformen. Mit Susa und ihren Kuscheltieren sind staunende, ratgebende, kleberhaltende Profis am Werk.

Doch das war nur der Anfang: Natürlich fehlen noch ein Gehirn sowie Nase, Mund und Ohren, all das bringt Susa fachkundig an. Mit Elekrokabeln fabriziert sie Nerven, damit das Gehirn auch erfährt, was die Sinne wahrnehmen. Das Buch "Ich bau mir einen großen Bruder" bringt komplizierte Körperfunktionen so spielerisch leicht, so kunterbunt fröhlich auf den Punkt, dass man nur staunen kann. Zähne, Magen, Nieren, Blase - auf 64 Seiten geht die französische Illustratorin Anaïs Vaugelade in die Tiefe. Es gibt mittlerweile viele wunderbare Sachbücher für Kinder, dieses hat einen besonderen Platz verdient. (rovi)

Alter: Ab sieben Jahren.
Erschienen im Moritz Verlag, 64 Seiten.

Preußlers Klassiker für noch kleinere Leser

"Die Kleine Hexe" wird ewig 127 Jahre alt bleiben, das Ursprungsbuch von Ottfried Preußler feiert nun aber seinen 60. Geburtstag - und ließ sich ein Bilderbuch zur Seite stellen. Der Text wurde von Preußlers Tochter vorsichtig auf zwei Episoden gekürzt, wobei die Tonalität erhalten blieb: Der Rabe Abraxas darf etwa weiterhin "ausnehmend weise" sein und ist nicht etwa clever geworden. Die Hexe geht "schnurstracks" zum Krämerladen und "nimmt sich des Mädchens an", das die Papierblumen verkauft.

Der bekannte Illustrator Daniel Napp hat die Farben gemischt und der Kleinen Hexe rote Backen und ein wundervoll schiefes Häuslein mitgegeben.

Und die Handlung? Die liebenswerte Geschichte der Hexe, deren sehnlichster Wunsch es ist, mit den großen Hexen auf dem Blocksberg herumfliegen zu dürfen, ist natürlich auch nach 60 Jahren noch eine gute Geschichte. Nicht umsonst wurde sie in fast 50 verschiedene Sprachen übersetzt. Schön, dass sie nun auch als Bilderbuch zu lesen ist - aber kein Grund, das Original nicht ein paar Jahre später noch einmal zur Hand zu nehmen. (rovi)

Alter: Ab vier Jahren.
Erschienen bei Thienemann.

 

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