Objekt und Kritiker: Heinrich Böll und die Fotografie

1964 publizierte Heinrich Böll im Katalog zur Weltausstellung der Photographie den Text "Die humane Kamera". Darin formulierte er eine Moral der Fotografie: „Wo die Kamera zudringlich wird, ihr Instrument, das Objektiv, zum Instrument […] des Photographen wird, der darauf aus ist, den Menschen zu ertappen, zu denunzieren, zu entlarven, überschreitet die Photographie ihre ästhetische und gleichzeitig ihre moralische Grenze.“

Im Bild: Heinrich Böll mit Manuskript, 1953.

(c) VG Bild - Kunst, Bonn 2017

Als prominenter Autor war Heinrich Böll begehrtes Motiv der Fotografen. Obwohl er eher kamerascheu war, ließ er sich von dem mit ihm befreundeten Heinz Held auch im privaten Umfeld ablichten. Anlässlich des 100. Geburtstags von Heinrich Böll befragt das Museum Ludwig in Köln in seinen neuen Fotoräumen Bölls Verhältnis zur Fotografie und dem Fotografieren.

Im Bild: Heinrich Böll in Langenbroich, im Hintergrund eine Aufnahme von Rosa Luxemburg, 1971

(c) VG Bild - Kunst, Bonn 2017

Das Sehen war für ihn der zentrale Sinn, um sich die Welt zu erschließen: „(…) ein gutes Auge gehört zum Handwerkszeug des Schriftstellers“, heißt es im Bekenntnis zur Trümmerliteratur (1952). Für seinen Roman Frauen vor Flußlandschaft (1985) bat Böll seinen Sohn René um Fotografien ausgesuchter Orte in Bonn, die dann im Roman beschrieben werden.

Im Bild: Heinrich Böll am Schreibtisch, 1971.

(c) VG Bild - Kunst, Bonn 2017

Bölls Verhältnis zur Fotografie kommt ebenso in seinen Romanen und Geschichten über Fotografen und Fotografien zum Ausdruck.

Im Bild: Heinrich Böll, 1953.

(c) VG Bild - Kunst, Bonn 2017

Als Motiv und Metapher taucht die Fotografie wiederholt auf, besonders prägnant in Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral (1963).

Im Bild: Heinrich Böll, um 1959.

(c) Museum Ludwig, Köln

Mit dem Fotografen Chargesheimer hat Böll auch Bildbände über das Ruhrgebiet, oder Menschen am Rhein gemacht. Darin erschienen Texte von Böll, neu verfasste oder wiederverwendete. Unter anderem zu Chargesheimers Unter Krahnenbäumen, Im Ruhrgebiet (beide 1958) oder Menschen am Rhein (1960).

Im Bild: Mädchen mit Roller, aus "Unter Krahnenbäumen", 1958.

(c) Museum Ludwig, Köln

Medienkritisch blieb Böll trotzdem.

(c) Museum Ludwig, Köln

Die Ausstellung im Kölner Museum Ludwig wird bis 07. Januar 2018 gezeigt.

Im Bild: Siedlung Huckingen, Duisburg 1957, aus "Im Ruhrgebiet" 1958.

(c) Museum Ludwig, Köln
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