Thomas Raab: Auszeichnung zum Jubiläum

Der Wiener Schriftsteller Thomas Raab wurde soeben mit dem erstmals vergebenen Österreichischen Krimipreis prämiert.

„Die Selbstzweifel sind bei mir ständig da“: Krimiautor Thomas Raab im Wiener Café Dommayer.
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„Die Selbstzweifel sind bei mir ständig da“: Krimiautor Thomas Raab im Wiener Café Dommayer.
„Die Selbstzweifel sind bei mir ständig da“: Krimiautor Thomas Raab im Wiener Café Dommayer. – Die Presse

Es war vor zehn Jahren, da wurde der kauzige Restaurator Willibald Adrian Metzger unfreiwillig zurück in seine Schulzeit manövriert, weil er nämlich über die Leiche eines Ex-Schulkollegen stolperte. Weshalb der Metzger nachsitzen musste (so der Buchtitel), wie sein Erfinder Thomas Raab befand.

Die Abenteuer des behäbigen Metzger gefielen ziemlich schnell ziemlich vielen Menschen, weshalb aus dem Mathematiklehrer Raab der Schriftsteller Raab wurde. Zum Zehn-Jahr-Jubiläum als ebensolcher, ein schöner Zufall, wird Raab nun mit dem Österreichischen Krimipreis ausgezeichnet, der heuer erstmals vergeben wurde.

Dass es so etwas wie den Österreichischen Krimipreis bisher noch gar nicht gab (wohl aber andere, wiewohl lokal begrenzte, wie den Leo-Perutz-Preis), mag anhand des Krimibooms im Lande durchaus überraschen. Insofern war ein eigener österreichischer Krimipreis „nötig, weil er eine Auszeichnung für das Genre ist, das eine große Bedeutung im Buchhandel hat“, sagt Raab. „Der Krimi verkauft sich gut und hält viele Verlage und Autoren am Leben.“

Initiiert wurde der Krimipreis von Haymon-Verlagschef Markus Hatzer und dem international erfolgreichen Tiroler Autor Bernhard Aichner („Totenfrau“-Trilogie), er soll künftig jedes Jahr verliehen werden.

Dass Raab der erste Preisträger ist, scheint für viele eine nachvollziehbare Wahl, für Raab selbst („Die Selbstzweifel sind bei mir ständig da“) allerdings nicht: „Mir würden wirklich viele grandiose Autorinnen und Autoren einfallen, die sich den Preis verdient hätten“, sagt er. „Und dann bekomme ihn ich! Das hat mich echt umgeworfen.“ Besonders freut ihn daran, dass der Preisträger nicht von einer kleinen Jury ausgewählt wurde, sondern von 50 Buchhändlern, Journalisten und Bloggern.

Aktuell arbeitet Raab an mehreren Projekten, im nächsten Herbst „gibt es auf jeden Fall etwas Neues“. Derzeit ist er mit dem Drehbuch zu seinem Roman „Still“ beschäftigt, seinem Roman aus dem Jahr 2015, mit dem er stilistisch und thematisch eine viel beachtete Metzgerpause eingelegt hat. „Still“ handelt von Karl, der mit einem extrem sensiblen Gehör auf die Welt kommt und, nachdem er als Kind den Suizid seiner Mutter beobachtet hat, den Tod fortan als Erlösung sieht. Und zu morden beginnt. „Wir sind gerade dabei, dieses schwere Buch zu entschlüsseln und zu schauen, wie man das auf der Leinwand erzählen kann.“ Anlegen könnte man den Film sowohl als blutrünstigen Thriller wie auch als stille Liebesgeschichte. Letzteres, sagt Raab, „liegt mir halt mehr“.

Nebenbei ist Raab auch immer wieder auf Lesereise, ab Samstag in Tirol, wo er mehrmals beim Krimifest Tirol lesen wird. Wie der Krimipreis wurde auch das Krimifest von Verleger Hatzer und Autor Aichner ins Leben gerufen, Raab wird dort auch die Auszeichnung entgegennehmen. „Heuer“, sagt er, „bedeutet mir dieser Preis besonders viel. Es gibt eben Jahre, da schreibst du leichter, und dann gibt es wieder Jahre, da stemmst du dir alles ab, ist es Schwerstarbeit, die mir zwar nie wie Arbeit vorkommt, aber mich trotzdem oft gefangen hält.“

Für einen, der sein „Geschreibsel“, wie er es nennt, ständig hinterfragt, ist der Preis „ein Zeichen im Sinne von: So ein Schmarrn kann es ja dann doch nicht gewesen sein. Oft wäre ich da gerne gelassener. Aber vielleicht darf ich ja noch zehn weitere Jahre und lern's noch ein bisserl.“

ZUR PERSON

Thomas Raab, Jahrgang 1970, wurde soeben mit dem Österreichischen Krimipreis ausgezeichnet. Der Wiener wurde mit der Krimireihe um den Restaurator Metzger bekannt, 2015 erschien zudem der Roman „Still“. Der Preis wird ihm beim Krimifest Tirol verliehen, das ab Samstag (14. 10.) erstmals und mit prominenter Besetzung – neben Raab lesen u. a. auch Mit-Initiator Bernhard Aichner, Simon Beckett, Rita Falk, Eva Rossmann, Beate Maxian u. a. – stattfindet.

Web: www.krimifest.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2017)

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