Oktoberrevolution im Roman: Dörfer in Glut, Städte in Wahn

In Artjom Wesjolys gewaltigem Roman „Blut und Feuer“ ist die Oktoberrevolution weder heroisches Ereignis noch blutrünstige Katastrophe. Der Autor glänzt mit Ungestüm der Sprache und drastischen Bildern.

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(c) Aufbau Verlag

Das kurze literarische Gedächtnis und politische Klischees haben dafür gesorgt, dass einer der Höhepunkte in der Geschichte der Weltliteratur nahezu in Vergessenheit geraten ist. In der Sowjetunion der 1920er- und frühen 1930er-Jahre, ehe der Sozialistische Realismus 1932 zur Doktrin erhoben wurde, hatte es eine Fülle von lyrischen, dramatischen und erzählenden Werken gegeben, deren formale und sprachliche Kraft den revolutionären Veränderungen in der Gesellschaft entsprachen. Wer sie lediglich unter dem Gesichtspunkt betrachtet, ob sie der Revolution zustimmend oder kritisch gegenübergestanden sind, hat weder das Wesen der Literatur noch die Ambiguität geschichtlicher Prozesse begriffen. Das gilt umso mehr, als viele Werke jener Jahre sich nicht eindeutig als apologetisch oder als systemkritisch kategorisieren lassen. In den bedeutendsten Exemplaren spiegeln sich die Widersprüche wider, die sich den Zeitgenossen eröffnet haben. Die Nachwelt mag sich klüger dünken. Genauer besehen gehorcht sie lediglich dem in ihrer Gegenwart geltenden Konformismus.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2017)

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