„Eine Stadt, ein Buch“: Der Tag der „Letzten Nacht“

Das jährliche Wiener Gratisbuch wird am Freitag wieder in der Stadt verteilt: Diesmal ist es Stewart O'Nans „Letzte Nacht“.

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Wenn die 100.000 Exemplare wirklich ihre 100.000 Leser finden, kann sich dieser Schriftsteller glücklich schätzen: Der Amerikaner Stewart O'Nan, der am Freitag auch persönlich in Wien auftritt, hat 2007 den Roman „Last Night at the Lobster“ veröffentlicht, der sein erfolgreichstes Buch wurde und im selben Jahr unter dem Titel „Letzte Nacht“ auf Deutsch erschien. Nun steht der Roman im Mittelpunkt der diesjährigen Aktion „Eine Stadt, ein Buch“ und wird an verschiedensten Stellen Wiens verteilt.

„Letzte Nacht“ ist eine geruhsame, feinfühlige Geschichte über unerfüllte Sehnsüchte „alltäglicher“ Menschen, die ihre letzten Arbeitsstunden im Hummerrestaurant The Red Lobster in Connecticut verbringen: Die Konzernzentrale schließt die Filiale. Der Erzähler ist Manny DeLeon, Manager der Filiale, der sich im Trubel an Vergangenes erinnert, vor allem an seine Beziehung zu Jackie, einer der Angestellten.

Leben im Zeichen des Verlustes – diese melancholische Perspektive ist typisch für den heute 56-jährigen O'Nan, ebenso die Liebe zum Detail. Dass er in Kleinstädten lebende US-Amerikaner der Mittel- und Unterschicht als Figuren bevorzugt, verbindet ihn mit Stephen King, mit dem O'Nan die Erzählung „A Face in The Crowd“ geschrieben hat; davor schon hatte Stephen King eine Rolle in O'Nans zweitem Roman gespielt: Eine Frau in der Todeszelle legt ihre Lebensbeichte ab, um sie vom „King of Horror“ zum Bestseller verarbeiten zu lassen. Noch davor hatte O'Nan für seinen Debütroman „Engel im Schnee“ den renommierten William-Faulkner-Preis bekommen.

Seit 2002 schon gibt es die Aktion „Eine Stadt, ein Buch“ in Wien. Zu den bisherigen Büchern gehören unter anderem Jostein Gaarders „Sofies Welt“, T. C. Boyles „América“, Ruth Klügers „weiter leben“, Toni Morrisons „Sehr blaue Augen“ und Imre Kertész' „Schritt für Schritt“. Einige US-Städte haben ebenfalls eine „One Book“-Aktion, doch dort stimmen die Bürger über das gemeinsame Buch ab, diskutieren dann in diverser Form darüber, und es gibt keine Gratis-Verteilung. Zuletzt hat New York heuer die Aktion „One Book, One New York“ ins Leben gerufen - vor 15 Jahren, im Gründungsjahr der Wiener Aktion, war der Plan noch gescheitert. (sim)

Stewart O'Nan in Wien: 10. November, 14 Uhr auf der ORF-Bühne der Buch Wien (gratis für Messebesucher), sowie 19.30 in der Wien Energie-Welt (Spittelauer Lände 45, 1090 Wien - Gratiseintritt, Zählkarte erforderlich).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2017)

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