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"Axolotl Roadkill": Attitüde des arroganten Arschkindes

22.02.2010 | 18:34 |  EVA MALE, BERLIN (Die Presse)

Das ungestüme Romandebüt von Helene Hegemann wurde in Berlin just an ihrem 18.Geburtstag vorgestellt. Ein nicht nur sprachliches Feuerwerk. Die Massen sind in Berlins legendären Technoclub Tresor gestürmt.

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Zu sehen ist sie schlecht, auch kaum zu hören. Die Lesung aus dem in Deutschland derzeit wohl meistdiskutierten Roman „Axolotl Roadkill“, der am Wochenende in Berlin vorgestellt wurde, dauert bloß eine Viertelstunde. Helene Hegemann, die junge Autorin, gibt gemeinsam mit ihrer Freundin Laura nur eine kleine Kostprobe. Die Mikrofone quietschen, während die Mehrheit der rund 1000 Gäste ungeniert quatscht. Und die Autorin wird leider nicht mittels Podium erhöht.

Es ist wahrlich ein ungewöhnlicher Ort für eine Buchpräsentation: Die Massen sind in Berlins legendären Technoclub Tresor gestürmt, der früher einmal im richtigen Tresorraum eines Kaufhauses, jetzt im Keller eines stillgelegten Kraftwerks pulsiert. Trotz mühsamer Prozeduren beim Einlass haben sie sich geduldig durch das Nadelöhr gezwängt. Kaum einer hier hat das Buch schon gelesen, dafür umso mehr darüber. Noch vor der offiziellen Buchpremiere war Hegemann mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert, heftig wurde über ihr Alter – sie feiert genau an diesem Abend ihren 18.Geburtstag –, ihr Wesen (scheu), sogar ihre Frisur diskutiert. Nebenbei auch über den Roman selbst, ein sprachgewaltiges Feuerwerk rund um den Verlust der Mutter (der die Autorin als 13-Jährige traf), Pubertät, Drogen, Sex.

 

Plagiat – so what?!

Ein jugendliches Potpourri, das zugleich unheimlich reif wirkt. Bei der fiktiven Figur der 16-jährigen Mifti spürt man immer die reale Helene durch, beim Vater denkt man an Carl Hegemann, den berühmten ehemaligen Volksbühne-Dramaturgen. Aber hat die junge Autorin, die sich in der „Attitüde des arroganten Arschkindes“ gefällt, das wirklich alles schon selbst erlebt? War sie tatsächlich im berühmt-berüchtigten Berliner Club Berghain, der für seine rigiden Türsteher bekannt ist und angeblich keinen unter 21 hineinlässt?

Die Plagiatsvorwürfe werden von Ullstein-Geschäftsführerin Siv Bublitz schnell vom (nicht vorhandenen) Tisch gewischt. Sie verteidigt das Recht auf „freie Benutzung“ von Quellen, das es einem Künstler erlaube, diese „auch ungenannt zu verwenden, wenn er daraus Neues und Eigenständiges schafft“. Dennoch ist der vierten Auflage von „Axolotl Roadkill“, die seit gestern ausgeliefert wird, ein neues, fünfseitiges Quellenverzeichnis angefügt. So könne sich nun jeder Leser selbst ein Urteil darüber bilden, ob die Aufregung angemessen sei.

Bei der Buchpräsentation sind Fragen nicht vorgesehen. Andernorts hat sich Hegemann bereits entschuldigt: Es sei „total gedankenlos und egoistisch“ gewesen, nicht von vornherein alle Menschen erwähnt zu haben, „deren Gedanken und Texte mir geholfen haben“. Dazu zählen unter anderem der Autor Airen mit seinem Blogger-Berlinroman „Strobo“, der ab Herbst ebenfalls bei Ullstein erscheinen soll, Texte von Jim Jarmusch, David Foster Wallace etc.

Der Verlag, der die detaillierten Quellenangaben auch auf seiner Website veröffentlicht hat (www.ullsteinbuchverlage.de), wünscht sich nun, so die fast flehentlichen Worte der Geschäftsführerin, dass die Aufmerksamkeit von den Plagiatsvorwürfen wieder auf den Roman übergeht. Der Abend im Tresor steht jedenfalls unter dem Motto „Keine Diskussion“. Auch Hegemanns Devise „Berlin is here to mix everything with everything“ bewahrheitet sich hier nicht.

 

Der nachtaktive Schwanzlurch

Zumindest mischt sich nicht everyone mit everyone, denn die Autorin verschanzt sich mit ihren Freunden und der Musikanlage hinter raumhohen Gitterstäben. Der Türsteher ist mindestens so streng wie jener im Berghain: „Da dürfen Sie nicht rein, Helene will ihren Geburtstag feiern.“ Zum Glück ist die Torte mit der riesigen Axolotlverzierung nicht im „Käfig“ eingesperrt, sondern für jedermann zugänglich: ein „nachtaktiver mexikanischer Schwanzlurch aus der Familie der Querzahnmolche“ – Marzipan pur.

Als nachtaktiv erweisen sich dann auch die jüngeren Gäste, während die fortgeschrittenen Interessenten, vorwiegend aus der Buchbranche, allmählich aus den dunklen Gängen vor der lauten Musik fliehen. Was bleibt, ist die Stimmung eines Kindergeburtstags. Halt für die Größeren, die auch schon Zigaretten und Alkohol „dürfen“. Bunte Luftballons, Geschenke und ausgelassenes Gehopse. Und für kurze Zeit hatte Helenes „Anstandswauwau“ seinen Schützling sogar an der Hand durch die Menge geführt. Zum Signiertisch, an dem sich die Autorin dann im persönlichen Kontakt auch mal ein Lächeln abringt.

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Plagiat adelt Vorlage

Der Blogger-Roman „Strobo“, aus dem Hegemann einige Passagen übernommen hat, ist bei einem kleinen Verlag namens „Sukultur“ erschienen. Nun wird ihn der Ullstein-Verlag – bei dem auch „Axolotl Roadkill“ erschienen ist – herausbringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2010)

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11 Kommentare
Gast: ARTiBerlin
17.05.2010 13:07
0 0

Axolotl R.

Jaaaa, die Helene. Schön, dass sie der Presse solch eine Freude bereitet.
Spaß macht es ihr Buch zu rezensieren. Besonders, wenn man ihr einen netten Brief schreibt.

http://www.artiberlin.de/article/Axolotl_Roadkill-Wie_ich_mich_mit_Helene_H_ve

Gast: ARTiBerlin
17.05.2010 12:13
0 0

Axolotl und co.

Jaaaa, die Helene. Schön, dass sie der Presse solch eine Freude bereitet.
Spaß macht es ihr Buch zu rezensieren. Besonders, wenn man ihr einen netten Brief schreibt.

http://diepresse.com/home/kultur/literatur/541635/index.do?key=Mju7xs&errorCode=4&parentid=0&showMask=0&showAlert=0#kommentar0" target="_blank">http://diepresse.com/home/kultur/literatur/541635/index.do?key=Mju7xs&errorCode=4&parentid=0&showMask=0&showAlert=0#kommentar0

Gast: T
23.02.2010 12:14
0 0

Kleine Diebin die auf große Autorin macht.

Hype-hype-hype, und dann ist sie vergessen.

saddam
23.02.2010 11:38
0 0

Hpe

ist wohl der mildeste ausdruck den nan für den ganzen Rummel finden kann.Es fühlt sich jedermann als Beschützer des ach so jungen und begabten " Talentes " . Fakt ist. das Abschreiben als "geistiger Diebstahl"bezeichnet wird.Was soll also die Ganze Suderei? Erinnrt igenwie an " Feuchtgebiete ".

Gast: Möchtegernplagiator
23.02.2010 10:31
0 0

Gutso

"Die Plagiatsvorwürfe werden von Ullstein-Geschäftsführerin Siv Bublitz schnell vom (nicht vorhandenen) Tisch gewischt. Sie verteidigt das Recht auf „freie Benutzung“ von Quellen, das es einem Künstler erlaube, diese „auch ungenannt zu verwenden, wenn er daraus Neues und Eigenständiges schafft“."

Ab sofort darf man geistiges Eigentum des Ullstein Verlages frei verwenden, wenn man nur ein künstlerisch wertvolles Mascherl dranbindet.

cuibono
22.02.2010 23:01
2 0

Typisches Kind der Copy & Paste-Generation

Der künstliche Hype erinnert mich an des Kaisers nackte Kleider.

jowmosc
22.02.2010 22:46
0 1

was stiummt nicht mit hegemann

bisher fragten alle,was nicht mit dem buch stimme.
das erste zu bemerken wäre..ihr alter.zarte 18 jahre und erstaunlich,dass sie ein buch schrieb..offenbar ein kleines mysterium,immerhin müsste sie schon mit etwa 15 oder 16 damit begonnen haben,dann noch eine gewisse zeit der korrektur,grammatik und zuzüglicher verlagsarbeit.ein junges hübsches mädchen schreibt ein buch..und die welt-so will es das gewissen..wundert sich.scheint also eine der ersten wenigen zu sein..in diesem jahrtausend gar vielleicht erst die einzige,in diesem jungen alter,ein geistiges werk geschaffen zu haben..eine art mozart..und nicht mit 14,nicht mit 26,sonder mit 18.also nicht zu jung,und noch jung genug um nicht bald nachahmer zu finden..obwohl dies nur mir seltsam erschiene,jedoch vermutlich umgekehrt,da ich das reifewerdungsalter für eine belesene person,der deutschen sprache mächtig,im jüngeren alter für fähig halte,eine ungehabte geschichtsstruktur zu erdenken und diese zu verfassen versuchen..so wie geringfügig im musikalischen bereich sich schon zeigte,bzw als anerkannt gilt.die zweite frage beruft sich auf,warum gerade (erst) heute und warum heute..diese person sich uns offenbart.war es wirklich die logische fügung der dinge und zeit-ihrer dinge und ihrer zeit,ein buch zu schreiben und heute uns darzubringen?oder steckt doch eine höhere absicht dahinter,nicht nur einen schritt uns zu setzen,den uns deutlich,,manchen zu deutlich-nur wenige schafften und diese als person-uns vorzusetzen.hübsch.

Antworten jowmosc
23.02.2010 10:45
0 0

Re: was stimmt nicht mit "axolotl roadkill"

ein interessantes indiz liefert der titel des buches selbst:"Axolotl Roadkill“.
axolotl ist ein"fisch",also eigentlich ein nachtaktiver Lurch,mit ursprünglichem vorkommen auf der amerikanischen hemisphäre des planeten,mit einer einzigartigen fähigkeit-der vollständigen selbstregeration von nicht nur gliedmassen,sondern auch herz oder gehirn.folglich "axolotl roadkill",verschiedene vergleiche kennt bzw interpretationen..eine sich rücksichtslos und ohne rücksicht auf widerstand und selbstverlust fortbewegende einheit,körper oder wesen,mit nach vorn gerichtet zerstörerischer agitation-bspweise.Dass der fisch oder lurch selbst ein weiches,liebliches wesen ist oder wäre,spielt unter begutachtung der umstände und fakten-keine rolle,bzw eben-eine täuschung ist.Manche kennen vielleicht ansichtsweisen zur österreichisch ansässigen reichen gesellschaft oder europäischer bourgeoisie..und wissen um den allgemein projezierten glauben,dass geld die ursache wäre für den reichtum..also etwas für das zumeist gearbeitet wird und auf dessen produkt man nicht eiffersüchtig sein darf..jedoch wird genannt,dass verdachtsmomente vorliegen um zweifel nur am buch selbst..diese selbst temporärer natur sein sollen,jedoch die person..der zusammenhang mit der legitimierten borugeoisie,auf den ich ziele,was gewiss nicht woanders zu lesen ist,-dass fr.hegemann schon vor mehreren jahren auf privaten high society parties,der"familie"als willkommen eingelobt wurde..ganz ohne buch,denn geld-ist..temporär.

Antworten Antworten jowmosc
23.02.2010 11:13
0 0

Re: Re: was stimmt nicht mit

kl.korrektur.geld ist schon die ursache für reichtum,und das wofür gearbeitet bzw gewirtschaftet wird,jedoch ist daran viel mehr illusion als viele annehmen,-reich werden wie reich werden und bleiben "zu dürfen".
fazit..um diese tiefgründigen sätze um die high society parties..nichts ist selbstverständlich,und schon gar nicht in raum und gebieten,metiers,wo gesetzliche freiheit die grundregel der gesellschaft ist..alles andere ist der glaube des einfachen mannes.ein buch?ein geschäft?sie stehen im grundbuch?sie haben eine staatlich notierte lizenz?usw.der glaube ist stark,weil das die wirklichkeit ist,die sich uns bietet..eine traumwelt,die wir nur viel zu gerne glauben würden..jedoch ohne geschichte und ursache von macht und unterdrückung..man glaubt eben,dass geld macht dazuzugehören.und meistens ist man sowieso der gute..und das-ist das problem.Und was nun das buch angeht..der witz ist wie bekannt-es scheint mehr als teilweise abgeschrieben,umgedichtet worden zu sein..fazit.dass bisher fast nur eine handvoll in jugendlichen jahren ein buch schrieben..soll auch nicht komplett unverdächtig wirken..und die hoffnung für alle jene die manches nicht kapierten-dass die moderne zeit,auch moderne jugend mit sich bringt..modern und fortschrittlich und schon im jüngeren alter,fähig zur schaffung von werten..offenbar etwas,was wegen drogenkonsum,schlechter ausbildung,gesellschaftlichen mängel..in den jahrzehnten bisher den meisten offensichtlich verwehrt war..


2 0

So tun als ob nix gewesen wäre ?!

"Der Verlag, der die detaillierten Quellenangaben auch auf seiner Website veröffentlicht hat, wünscht sich nun, so die fast flehentlichen Worte der Geschäftsführerin, dass die Aufmerksamkeit von den Plagiatsvorwürfen wieder auf den Roman übergeht."

... die gehört verklagt und jeder Cent ihrer Einnahmen dem Urheber rückerstattet.
Klauen kann jeder was, aber es auch noch als sein Eigentum weiterzuverkaufen schlägt m.E. dem Fass den Boden aus!!!

Gast: Lektor
22.02.2010 20:18
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Plagiat

Der Anstand gebietet, dass man Quellen angibt.