Elfriede Jelinek: Hypo-Stück mit Aufführungsverbot

Ein Abschnitt in Jelineks neuem Stück "Winterreise" handelt von der Hypo-Affäre. Aufgeführt wird es in München. Für Österreich will sie überhaupt nicht mehr schreiben: "Ich kann den Hass nicht mehr aushalten."

Elfriede Jelinek HypoStueck Auffuehrungsverbot
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Elfriede Jelinek HypoStueck Auffuehrungsverbot
(c) APA (ROLAND SCHLAGER)

Ein Kapitel in Elfriede Jelineks neuem Stück "Winterreise" behandelt die Affäre um die Kärntner Hypo Alpe Adria. Das Stück werde in der kommenden Saison in den Münchner Kammerspielen uraufgeführt, sagt die Literatur-Nobelpreisträgerin in einem Interview mit dem Magazin "News".

"Reiche Braut" wie Bilanz-Aufhübschung

Das Stück ist an Schuberts Liederzyklus "Winterreise" angelehnt: "Ihr Kind ist eine reiche Braut" heißt es in dem Schubert-Lied ""Die Wetterfahne". Diese Redewendung spiele "aufs Schmücken der Braut an, so nennt man es, wenn die Bilanz einer Firma (Bank) aufgehübscht wird, damit sie reicher erscheint, als sie ist, und der Kaufanreiz steigt", so Jelinek.

"Es ist eigentlich ein Stück (aber, wie so oft bei mir, nicht als solches geschrieben, sondern als einfach ein Text)", so Jelinek. "Ein Kapitel ist auch sehr persönlich über meinen Vater. Das kommt aber noch lang nicht raus, erst Anfang nächsten Jahres. Ich habe ja schon in ,Neid' viel dazu geschrieben. Das hab ich jetzt sozusagen ergänzt."

"Ich will hier nicht mehr"

Für österreichische Bühnen will Jelinek dagegen nicht mehr schreiben, auch wolle sie nicht, dass ihre Stücke in Österreich gespielt werden: "Das liegt nicht an den Theatern, dass ich nicht gespielt werde, sondern an mir. Ich will hier nicht mehr. Ich kann den Hass nicht mehr aushalten, der mir entgegenschlägt, wenn nur irgendwo mein Name aufscheint", so die Nobelpreisträgerin. "Sag nicht, dass ich auch sehr verehrt werde, das weiß ich selber, nur hört man eben die andren lauter. Wer die Hitze nicht aushält, sollte nicht in die Küche gehen. So geh ich halt nicht."

 

(APA/Red.)

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