Abdourahman Waberi: Mein Bruder, mein Feind

Abdourahman Waberi schildert den gefährlichen Konflikt eines "verwestlichten" Emigranten mit seinem Bruder, einem Islamisten in Dschibuti.

Abdourahman Waberi Mein Bruder
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Abdourahman Waberi Mein Bruder
(c) Nautilus

„Mein Auftrag besteht darin, die Stimmung vor Ort zu sondieren, mich zu vergewissern, dass das Land sicher, die Situation stabil und die Terroristen unter Kontrolle sind.“

Die Mission ist klar und Dschibril ist gewillt, sie zu erfüllen. Der Emigrant, kulturell längst angekommen in seiner Wahlheimat Kanada, muss für ein paar Tage im Auftrag einer Sicherheitsfirma zurück in sein Heimatland Dschibuti.

Dieses kleine Stückchen Land am „Tor der Tränen“, der (titelgebenden) Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden, ist Schauplatz mehrerer Kämpfe unserer Tage: Internationale Konzerne wollen sich die dortigen Rohstoffe sichern, Geostrategen buhlen um die Vorherrschaft des Westens. Für diese Kunden soll Dschibril das Terrain erkunden.

Islamisten aus dem Hinterland ziehen gegen die Eindringlinge und ihre lokalen Verbündeten zu Felde. Die Schritte von „Möchtegerndetektiv“ Dschibril werden von seinem Zwillingsbruder, dem Islamisten Dschamal, argwöhnisch verfolgt. Ihm ist der Auftrag Dschibrils suspekt, sein Bruder ist zu seinem Gegner erwachsen. Und Dschibril begibt sich in große Gefahr...

Abdourahman Waberi, der mit seinem Erstling „In den Vereinigten Staaten in Afrika“ Weltpolitik und Witz gekonnt vereinte, entwirft ein gekonnt-düsteres Bild des heimkehrenden Emigranten. „Ich bin ein Mensch von anderswo mit der Maske von hier“, sagt Dschibril. Doch auch die Maske der Heimat kann ihm keinen Schutz mehr bieten. som

Abdourahman A. Waberi: „Tor der Tränen“, Nautilus, 159 S., 16,50 €.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2011)

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