Patrick Lapeyre: Begierden und Abgründe

„Das Leben ist kurz und voller Begierden“, der jüngste Roman von Lapeyre, erzählt vom Betrügen und betrogen-Werden. Keine optimistische Lektüre, jedoch eine schöne. Und schön geschriebene. Beklemmend und gut.

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(c) Blessing Verlag

Auf einmal war sie weg. Und dann, nach zwei Jahren und zwei Monaten – Louis Blériot hat penibel mitgezählt – war sie plötzlich wieder da. Nora, die schöne Engländerin, für die er seine Ehe riskiert hat und der er, nach ihrer Rückkehr nach Paris, sofort wieder verfällt. Blériot ist immer noch verheiratet und finanziell von seiner Frau Sabine abhängig. Zudem fehlt ihm, der sich als Übersetzer von Beipackzetteln für Medikamente nicht selbst über Wasser halten kann, der Mut für Entscheidungen. Blériot lässt sich treiben, gibt sich der Leidenschaft für Nora hin, wird von der Angst (weniger von Schuldgefühlen) geplagt, seine Frau könnte von seinem zweiten Leben erfahren. Oder schon davon wissen. Zunehmend fühlt sich Blériot verfolgt: Die Paranoia des Betrügenden?
Eine „Ménage à trois“ – oder in diesem Fall „à quatre“,  Nora hat noch einen Geliebten in London – mag nicht das originellste Thema sein. Ein gutes ist es jedenfalls, zumal es Patrick Lapeyre auf hohem Niveau aufbereitet. Der Autor, der für diesen Roman den renommierten „Prix Femina“ bekommen hat, ist ein bedachter Erzähler, der Worte, Bilder, Metaphern, das wird in jedem Satz spürbar, genau abwägt und die immer beklemmender werdende Geschichte nur aus Sicht der beiden männlichen Protagonisten erzählt. Kurz bekommt man Einblick in andere Beziehungen, auch hier wird der Zweifel am Funktionieren monogamer Beziehungen und am Glücklichsein generell überdeutlich. Keine optimistische Lektüre. Aber eine schöne. Und schön geschriebene.  mpm

Patrick Lapeyre. „Das Leben ist kurz und voller Begierden“, Blessing Verlag, 288 Seiten,  19,95 Euro.

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