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Multikulturalität – eine Erfindung des Westens?

26.09.2011 | 10:10 |  Von Harald Klauhs (DiePresse.com)

Die 3. Europäische Literaturtage in Spitz/Wachau erweisen sich als Zukunftsforum.

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Was kommt nach Europa? Diese Frage stellte Hans-Gerd Koch zu Beginn der Europäischen Literaturtage in Spitz. Die Veranstaltung geht in ihrem dritten Jahr in eine jugendliche Phase, meinte der Organisator Walter Grond zur Begrüßung. Anders als bei den inzwischen zahlreichen Literaturveranstaltungen werden in der Wachau Zukunftsfragen auf internationaler Ebene diskutiert. Europa wird sterben, wenn die großen Religionen verschwinden, meinte etwa der isländische Autor Sjón, einer der diesjährigen Stargäste.

Vor der von Hans-Gerd Koch geleiteten Diskussion von Finn-Ole Heinrich, Jagoda Marinic, Gwendoline Riley und Sjón was Europa eigentlich sei, hielt Juri Andruchowytsch seinen Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Wer ist hier der Loser" (siehe „Spectrum" vom 24. 9.), dem die Veranstalter den freundlicheren Satz „Kultur am Rande der Welt" vorangestellt haben. Andruchowytsch hielt ein Plädoyer für die „ostmitteleuropäischen Länder", also jene Region, die vom Westen als Osten und vom Osten als Westen wahrgenommen wird. Beim anschließenden Gespräch mit dem Ägypter Tarik Bary, dem Inder Atlaf Tyrewala, dem Ukrainer Juri Andruchowytsch und der Deutschen Katharina Narbutovic vom Berliner Künstlerprogramm DAAD ging es auch darum, wie die Online-Lektüre die Literatur verändert. Die Literatur sei nie mit dem Ursprung ihres Autors verbunden, hieß es. Insofern sei es heute auch möglich, etwa Stadtschreiber von - sagen wir Oldenburg - zu werden, ohne je einen Schritt in diese Stadt gesetzt zu haben: Google-Earth macht's möglich.

Der Samstag stand im Zeichen der von Rüdiger Wischenbart geleiteten Podiumsdiskussionen namens „Donauforum", bei denen es vor allem auch um die technischen Zukunftsfragen geht. Immer mehr kristallisieren sich die Europäischen Literaturtage als Informationsveranstaltung heraus, die über den Status quo der technischen Möglichkeiten informieren. So stellte der Journalist und Publizist Jürgen Neffe etwa das Libroid vor, eine digitale Plattform, die E-Book, I-Pad und Laptop in einem Gerät zusammenführt.

Der Abend ist dann traditionell wieder der Kunst gewidmet. Für Saturday-night-Fever sorgte diesmal ein sensationeller dänischer Multimedia-Künstler, formerly known as Claus Beck-Nielsen. Denn der Literat und Musiker hat seinen Namen abgelegt wie andere Leute Stock oder Hut. Er hat viele gute Angebote zur Veröffentlichung seiner Werke, doch wenn er darauf besteht, namenslos zu bleiben, schrecken sämtliche Verlage zurück. Auf diese Weise unterläuft er die Werbemaschinerie, der Künstler heute ausgesetzt sind. Er sang melancholische Lieder, über Liebe, Hass und Menschlichkeit, die stimmlich an die Grenze des Möglichen gingen und von großer Eindringlichkeit waren. Davor lasen Peter Turrini und Silke Hassler aus ihrem gemeinsamen Stück über eine illustre Versammlung von Menschen in einem Heustadel in den letzten Tagen des Dritten Reichs. Sie versuchen darin, wie Turrini vor der szenischen Lesung sagte, Tragödie und Komödie zu verbinden. Den Abschluss der Veranstaltung bildet am Sonntag der „Literarische Brunch" mit der Band „Zur Wachauerin" und eine Lesung der Belgrader Autorin Barbi Markovic.

 

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1 Kommentare
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Und die Antwort?

Jetzt habe ich den Artikel gelesen, aber die Antwort auf die im Titel gestellte Frage leider nicht beantwortet bekommen, obwohl sie mich brennend interessieren würde. Oder ist es so zu verstehen, dass man die Eröffnungsrede lesen soll? Hm.