''Sie haben mir eine Strafarbeit gegeben.'': Die besten ersten Sätze in der Literatur

Herbstzeit ist Lesezeit – auch in Wien, wo vom 10. bis zum 13. November die die Messe Buch Wien über die Bühne ging.

Bei einem Buch verliebt man sich oft nicht auf den ersten Blick, sondern beim ersten Satz. DiePresse.com hat die besten Buchanfänge zusammengetragen.



(c) AP (MICHAEL PROBST)

"Ich bin nicht Stiller."

Max Frisch: "Stiller", 1954

"Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo. Li. Ta."

Vladimir Nabokov: "Lolita", 1955

"Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, lässt mich kaum aus dem Auge; denn in der Tür ist ein Guckloch, und meines Pflegers Auge ist von jenem Braun, welches mich, den Blauäugigen, nicht durchschauen kann."

Günter Grass: "Die Blechtrommel", 1959

"Sie haben mir eine Strafarbeit gegeben."

Siegfried Lenz: "Deutschstunde", 1968

"Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal geschaltet war."

William Gibson: "Neuromancer", 1984

"Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche aber ist auf ihre eigene Art unglücklich."

Leo Tolstoi: "Anna Karenina", 1877/78

"Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet."

Franz Kafka: "Der Prozess", entstanden 1914/15, veröffentlicht ab 1925 in verschiedenen Versionen

"Dem Monteur Josef Bloch, der früher ein bekannter Tormann gewesen war, wurde, als er sich am Vormittag zur Arbeit meldete, mitgeteilt, dass er entlassen sei."

Peter Handke: "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter", 1970

"Aber Jakob ist immer quer über die Gleise gegangen."

Uwe Johnson: "Mutmassungen über Jakob", 1959

"Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß es nicht."

Albert Camus: "Der Fremde", 1942

"Weit draußen in den unerforschten Einöden eines total aus der Mode gekommenen Ausläufers des westlichen Spiralarms der Galaxis leuchtet unbeachtet eine kleine gelbe Sonne."

Douglas Adams: "Per Anhalter durch die Galaxis", 1979

"Später sollte der Oberst Aureliano Buendia sich vor dem Erschießungskommando an jenen fernen Nachmittag erinnern, an dem sein Vater ihn mitnahm, um das Eis kennenzulernen."

Gabriel Garcia Marquez: "Hundert Jahre Einsamkeit", 1967

"Er stand vor dem Tor des Tegeler Gefängnisses und war frei."

Alfred Döblin: "Berlin Alexanderplatz", 1929

"Ich hab immer alles hingeschmissen."

T.C. Boyle: "Grün ist die Hoffnung", 1984

"Das ist die Geschichte des Musikers Johannes Elias Alder, der zweiundzwanzigjährig sein Leben zu Tode brachte, nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr zu schlafen."

Robert Schneider: "Schlafes Bruder", 1992

"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm."

Stephen King: "Der dunkle Turm. Schwarz", 1982

"Es war ein strahlend-kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn."

George Orwell: "1984", 1949

"Scarlett O'Hara war nicht eigentlich schön zu nennen."

Margaret Mitchell: "Vom Winde verweht", 1936

"Ob ich mich als der Held meines eigenen Lebens entpuppen werde, oder ob diese Position von irgend jemand anderem eingenommen wird, müssen die folgenden Seiten zeigen."

Charles Dickens: "David Copperfield", 1849

"Falls Sie wirklich meine Geschichte hören wollen, so möchten Sie wahrscheinlich vor allem wissen, wo ich geboren wurde und wie ich meine verflixte Kindheit verbrachte und was meine Eltern taten, bevor sie mit mir beschäftigt waren, und was es sonst noch an David-Copperfield-Zeug zu erzählen gäbe, aber ich habe keine Lust, das alles zu erzählen."

J. D. Salinger: "Der Fänger im Roggen", 1951

"Im achtzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte."

Patrick Süskind: "Das Parfum", 1985

"Nennt mich Ismael."

Hermann Melville: "Moby Dick", 1851

"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt."

Frank Kafka: "Die Verwandlung", 1915

"Ilsebill salzte nach."

Günter Grass: "Der Butt", 1977

"Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein alleinstehender Mann, der ein beträchtliches Vermögen besitzt, einer Frau bedarf."

Jane Austen: "Stolz und Vorurteil", 1813, übersetzt von Helga Schulz (Nachgetragen auf Wunsch von Facebook-LeserInnen am 10. November)

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