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ISBN-Klau: Der „gefälschte“ Glavinic

15.11.2011 | 18:14 |  von Eva Winroither (Die Presse)

Ein Gratisexemplar von Franz Kafkas Buch „Das Schloss“ mit Rechtschreibfehlern wird an Schulen in Österreich und Deutschland versandt. Nun stellt sich heraus, die ISBN ist von Thomas Glavinics Buch „Lisa“.

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Es ist eine Geschichte wie in einem schlechten Roman, der sich ausgerechnet an Kafka anhängt: Seit Ende Oktober werden an Schulen in Österreich und Deutschland Kartons mit einer Neuauflage von Franz Kafkas Buch „Das Schloss“ geschickt. „Dieses Buch ist Teil eines EU-weiten Projekts zur Förderung der Lust am Lesen“, heißt es im Begleitschreiben, das von Adrian Schulz, Herausgeber des Verlags Gehlen & Schulz beigelegt wurde. Zwei Millionen sollen davon in Österreich, Deutschland und der Schweiz verteilt worden sein. Und: Das Projekt wird angeblich mit 345.000 Euro von der EU gefördert.
Das Problem an der Sache: Das Buch strotzt nur so von Rechtschreibfehlern: Da wird der „Schnee“ zum „Schne“, „niemand“ zu „niemant“ und das Wort „vermieten“ zu „vermiten“ – alles Fehler allein auf der ersten Seite. Auf Unkenrufe aus der Medienbranche reagierte Herausgeber Adrian Schulz per E-Mail empört: „Wissen sie eigentlich, dass 20 % der Bewerber für pädagogische Berufe nicht richtig schreiben können “ (sic!).

Buchnummer abgekupfert

Nun dürfte es neuen Ärger geben Und zwar rechtlichen: Die ISBN, die im Buch angegeben wird, ist vom österreichischen Autor Thomas Glavinic abgeschrieben, dessen Roman „Lisa“ unter der Nummer läuft. Nur die Prüfziffer am Ende der Nummer ist mit „0“ anders als die von Glavinic mit „3“.
„Dabei handelt es sich um einen echten Betrüger. Die Nummer gehört dem Hanser Verlag“, sagt Mirjam Glaser von der deutschen ISBN-Stelle. Der Hanser Verlag selbst möchte nun die Adresse von „Gehlen &  Schulz“ ausfindig machen und auffordern, die Verwendung der Nummer zu unterlassen. Auch rechtliche Schritte hält der Verlag für nicht ausgeschlossen. Und auch der Fachverband für Buch- und Medienwirtschaft in der Wirtschaftskammer wird dem Fall rechtlich nachgehen. „Das ist ein Imageschaden für die ganze Branche“, empört sich Geschäftsführer Karl Herzberger.

Keine EU-Förderung

Ob das so einfach wird, ist fraglich. Denn der Verlag scheint reichlich dubios: In Österreich scheint er nirgends aufzuscheinen, und auch dem Unterrichtsministerium oder der EU scheint das Leseprojekt nicht bekannt zu sein. „Dieses Buch wird in keiner Weise von uns oder einer Stelle in der EU, mit der wir zusammenarbeiten, gefördert“, heißt es aus dem Unterrichtsministerium. Die Homepage von Gehlen & Schulz beinhaltet übrigens kein Impressum, was nach „Paragraf 5 des österreichischen Electronic-Commerce-Gesetz in diesem Fall verboten ist“, bestätigte Rechtsanwalt Thomas Höhne. Es gilt die Unschuldsvermutung. Der Verlag war für keine Stellungnahme zu erreichen.

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39 Kommentare
 
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Wieso wegwerfen,

ein Buch, das einen Teil eines originellen Kunstprojektes bildet, mit dem Potenzial, ein begehrtes Sammlerstück zu werden?
Wem schadet das Buch in der Bibliothek?

"Schloss" – "Schloß" – "SCHLOSZ" – "SCHLOSS"

Auf dem Einband der im Jahre 1926 erschienenen Originalausgabe steht "Das Schloss". Aber in der Zeit von 1901 bis 1996 hätte auch nach einem kurzen Vokal (Selbstlaut) im Auslaut nicht "ss", sondern "ß" geschrieben und gedruckt werden müssen. Großgeschrieben lautete das Wort "Schloß" niemals "SCHLOß", sondern bis 1996
"SCHLOSZ" oder "SCHLOSS". Seit der jüngsten Rechtschreibreform heißt es nur noch "Schloss"
und "SCHLOSS".

Hoffentlich habe ich mich nicht geirrt. Fragen Sie bitte Herrn Prof. Mag. Hermann Möcker; der kennt sich mit der S-Schreibung viel besser aus.

Gast: M. Wolf
18.11.2011 18:09
1 0

die Bücher sofort in den Papierkorb werfen

Hardeggasse, bitte alle aussteigen

Gast: Felix G.
18.11.2011 18:04
0 0

www.linomax.de/

1000 Stück? Was für eine Papierverschwendung.

Gast: Gast99
17.11.2011 20:43
0 2

Die Recherchen werden nicht besser

"Die ISBN-Nummer im Buch ist nämlich von Thomas Glavinics Buch „Lisa“ abgekupfert und damit aus rechtlicher Sicht gestohlen."

Was ist denn das für ein Unsinn? Aus rechtlicher Sicht gestohlen kann eine ISBN-Nummer nicht sein, weil das nur möglich ist, wenn ich etwas wegnehmen kann. Die Verwendung der ISBN-Nummer ist vielleicht alles möglich, aber jedenfalls nicht "gestohlen" und schon gar nicht "aus rechtlicher Sicht".

Mehr Bildung, bitte.

Antworten Gast: HerrKarl
18.11.2011 10:56
0 2

Re: Die Recherchen werden nicht besser

Mehr Bildung wäre tatsächlich angebracht. Es heißt nämlich nicht "ISBN-Nummer", sondern einfach nur "ISBN", also "International Standard Book Number".

Gast: super
17.11.2011 16:42
3 1

puncto schulwesen bringt das null...

allerdings ist es wirklich unglaublich, dass sogar die faz unrecherchiert einfach das, was auf den ersten blick zu sehen ist, wiedergibt.
und genauso kommen mir die ganzen artikel über griechenland, syrien, libyen, etc. vor. alle nur oberflächlich - jeder schreibt von jedem ab.

Gast: uburoi
17.11.2011 13:39
1 0

wer wurde getäuscht?

und wodurch?
drei witzige mehr im klüngel.
ha, darwischt!

kojote
17.11.2011 12:33
0 0

abgesehen...

..davon, dass so eine aktion genau nichts bringt, hat es eines doch ganz deutlich gezeigt: wie leicht sich alle medien an der nase herum führen lassen.
genaue recherchearbeiten werden demnach von kaum jemandem durchgeführt... aber sollte dass nicht die hauptaufgabe dieser berufsgruppe sein, bevor man der öffentlichkeit einen objektiven und auf überprüften tatsachen beruhenden bericht vorlegt?

Gast: Non Pol. Cor.
17.11.2011 11:55
0 2

Super

Und Kafka genau richtig. Die Welt war zu seiner Zeit schon ziemlich deppert. Aber was jetzt passiert ist, dass sie gar nicht mehr als deppert erkannt werden darf.

Gast: hmm
17.11.2011 11:24
1 8

und sonst?

Können diese lächerlichen Pseudoprotestler eigenlich auch Deutsch oder sind die außer anglomanisch nur anglomanisch? Ganz sicher werden diese Nullblutgruppler ganz so dringend gebraucht wie ein Kropf ...

freeman
17.11.2011 11:09
3 0

Witzige Aktion.

Leider fällt den Leuten zum eigentlichen Problem (der Bildung) nichts Kreatives ein - da bleiben sie beim klassisch etatistischen "werfen wir mehr Geld drauf, dann muß das Problem doch endlich verschwinden...".

Gast: GGGGGGGGG
17.11.2011 10:53
2 3

Akademiker

Akademiker. Studierte Publizistin. HAAAAAA.
Politwissenschaften und Publizistik alles Müll.

es lebe der DI.

2 0

Re: Akademiker

Ruhig!
Wo doch jeder weiß, das Journaille in Österreich DER Wirtschaftsmotor schlechthin ist (wenn auch anders als man annehmen müsste).
Und politische Expertisen sind es, die die österreichische Außenhandelsbilanz retten!

Gast: thetraveller
17.11.2011 10:20
4 3

fb-Page

Die Gruppe hat eine Fb-Page mit mehr info zur Geschichte. Ziemlich coole Aktion!

http://www.facebook.com/thebirdbase?sk=wall

4 2

Genial!

Wo kann man dieses Buch bekommen?

Gast: wizenstain
16.11.2011 20:28
0 3

Wir brauchen keine Zustimmung, wir brauchen Diskussion

ok: diskutieren wir, ob man Niemant oder Niemand schreiben soll:

ich bin für beide varianten

Antworten schmeiser
16.11.2011 21:14
2 0

Re: Wir brauchen keine Zustimmung, wir brauchen Diskussion

ich bin für nimmmahnt

0 0

Re: Re: Wir brauchen keine Zustimmung, wir brauchen Diskussion

Wen mahnt nimm? :)

Gast: Göstle
16.11.2011 19:18
1 0

Geh bitte

Einfach mal die Internetseite auf einem der unzähligen whois Websites eingeben und schon bekommt man zwei adressen. Eine davon in Wien einer gewissen Adele Schulz die andere in Dänemark regististriert auf Jacob Jensen. So schwer is das nun auch nicht.

Antworten doubleg
17.11.2011 11:18
0 0

Re: Geh bitte

Niemand kontrolliert bei der Domainregistrierung die Identität. Aber das wußten sie sicher...

Gast: hmm
16.11.2011 12:01
2 4

man prüfe

Welcher Personengruppe ist der Autor des Buches zuzurechnen? Welcher Personengruppe der Organisator dieser absonderlichen Buchverteilung? Es ist hoch an der Zeit endlich wieder einmal Rückgrat zu zeigen und nicht jeden Mist an unsere Schüler heranzulassen! Zuerst sollten die Dinge von gewissenhaften Lehrern der Schule sorgfältigst kontrolliert ("zu kontrollieren" im deutschen Bedeutungssinne!) werden. Dann soll vom Lehrerkollegium darüber diskutiert werden. Ein allfälliges Miteinbeziehen von Eltern kann da auch nicht schaden. Ohne entsprechende Repression wird es kaum gehen ... Der Repression muss allerdings aktives Tun beigesellt werden. Konkret: Mit den Kindern muss so viel und soviel Interessantes und Sinnvolles gemacht werden, dass sie nicht jedem Manipulationsangriff völlig hilflos ausgesetzt sind. Lehrer und Eltern sollten nicht paralysiert zuschauen wie das von der Schlange hypnotisierte Karnickel!

Antworten Gast: Kulturista
17.11.2011 11:47
0 0

Welcher Personengruppe man Franz Kafka

zurechnen soll? Meinen Sie diese Frage ernst?

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Re: Welcher Personengruppe man Franz Kafka

Ja, man muss sich fragen, ob der Poster "hmm" zur Bird Base gehört oder zu einer weitaus gefährlicheren Organisation. Spaßig hat dieses Posting jedenfalls nicht geklungen, eher inspiriert von irgendsowas wie Absurd-Antisemitismus oder dergleichen.
Man prüfe...

1 0

Re: man prüfe

Darf ich einmal fragen, was Sie mit "welcher Personengruppe" meinen? Der Autor des Buches ist bekanntlich Franz Kafka.

Und was hat das alles mit "Rückgrat zeigen" zu tun?

Was mir hier im höchsten Sinne dubios und aufklärungsbedürftig erscheint, ist Ihr Posting!


Scheinfirma?!

laut whois:
(http://www.whois.net/whois/gehlenschulz.at)
Registrar der Homepage:
Adele Schulz.
angeblicher Herausgeber:
Adrian Schulz

Homepage: hochgradig unseriös, kein Impressum
angebliche teilnahme an der frankfurter buchmesse, angebliche EU-förderung,
+Zitat HP:
"Ein wohlhabender Mitbürger teilt unsere Meinung, betreffend der Wichtigkeit, jungen Menschen die Begeisterung und Liebe für Bücher zu vermitteln. Aus diesem Grund hat er Gehlen und Schulz letzte Woche eine Spende von rund 280.000,- Euro überwiesen. "
usw...

 
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